Zweite Brut im Emsland Dörpener Storchenkinder sind flügge


Dörpen. Die drei Monate alten Störche Tick, Trick und Track machen seit rund zehn Tagen immer wieder Flugversuche von ihrem Nest aus im Garten des Hobbyvogelzüchters Wagner in Dörpen. Mitte September werden sie ihren vermutlich endgültigen Abflug gen Spanien oder Afrika in Angriff nehmen.

Die naturgegebene Programmierung der Störche läuft. Die Fliegerei von Tick, Trick und Track – so heißen die Tiere seit einem öffentlichen Namenswettbewerb – befindet sich noch in der Übungsphase. Bald aber ist in Dörpen Abflugszeit für die drei Jungtiere von Hobbyvogelzüchter Hans Hermann Wagner. Mitte September ungefähr machen sich die Tiere laut Wagner auf in Richtung Spanien oder Afrika. Grundsätzlich gebe es für die Vögel zwei Flugrouten, um in wärmeren Gefilden zu überwintern. „Die Vögel aus Ostdeutschland fliegen über die Türkei nach Afrika, die aus Westdeutschland über Spanien“, sagt Wagner – programmierte Tiere eben. Manchmal blieben die Tiere in Spanien, weil sie es nicht mehr schaffen auf den Nachbarkontinent auf der anderen Seite der Meerenge von Gibraltar. „Das ist eine echte Strapaze für die Tiere“, sagt der Hobbyvogelzüchter. Und wenn sie es doch schaffen, sterben viele von ihnen selbst am Ziel noch.

Storchenzüchter seit einem Afrika-Urlaub

Das hat Wagner selbst live erlebt. Vor rund acht Jahren habe er einen ganz normalen Familienurlaub in Afrika gemacht. Zufällig stößt er damals auf Störche. „Plötzlich standen da 150 Tiere herum.“ Einige lebten nicht mehr. „Ich habe damals bis zu 20 tote Tiere gezählt.“ Damit fing es an. Nach diesem Erlebnis legt Wagner sich ein Storchenpärchen aus deutscher Nachzucht zu. „Das mit den Störchen, das war mir ein Anliegen“, sagt er, „weil es hier im Emsland keine gibt. Seit damals versucht er, den Storch in die Region zurückzubringen. „Als kleiner Junge habe ich 1982 das letzte Brutpaar in Aschendorf gesehen.“ Früher habe jedes Dorf eigene Störche gehabt. Dann seien in den 1970er Jahren viele Felder zunehmend trockengelegt worden, weil Ackerfläche gebraucht wurde. Das entzieht den Vögeln die Nahrungsgrundlage. Inzwischen würden aber wieder Flächen renaturiert – gut für den Storch, meint Wagner.

Erster Nachwuchs erst nach fünf Jahren

Fünf Jahre lang passierte zunächst nichts in Sachen Nachwuchs. Störche starteten damit allerdings auch erst nach drei Jahren. 2014 dann die erste Brut: Zwei Tiere schlüpften. In diesem Jahr nun die zweite Brut – mit drei Tieren –übrigens „zwei Mädchen und einen Jungen“. Das Geschlecht konnte er nicht selbst identifizieren. „Das habe ich durch eine Federanalyse feststellen lassen bei einem Institut in Bielefeld.“

Wagner ist hoch erfreut über seine Vögel. „Die Störche machen sich prächtig“, sagt Wagner, der sich bis zum Abflug der drei wohl noch überden weiteren Besuch vieler Kindergärten, Seniorengruppen und Kegelclubs freuen wird.


Weißstörche

In Niedersachsen gibt es laut Andreas Schüring vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) Werlte/Sögel seit 2008 eine Population an Weißstörchen von ungefähr 400 Tieren. Das sind zehn Prozent des bundesweiten Bestandes. Die Vögel gelten in Niedersachsen deshalb schon seit 2007 als stark gefährdet.

Von den Störchen, die losgezogen sind, kommen drei Prozent zurück an ihren Geburtsort. Kommen sie aber zurück, werden sie dorthin auch häufiger zurückkehren.

In Gefangenschaft wird ein Storch bis zu 35 Jahre alt, in freier Wildbahn nur halb so alt. Im Schnitt legen die Tiere drei bis fünf Eier, es können aber bis zu sieben sein. Die Brut- und Aufzuchtzeit beträgt rund drei Monate und liegt im Zeitraum von April bis August.

Erwachsene Weißstörche brauchen 500 bis 700 Gramm Nahrung pro Kopf und Tag – das entspricht 500 Regenwürmern oder auch 16 Mäusen. Ein Jungtier braucht bis zu anderthalb Kilo Futter täglich.