Einschulung mitten im Weltkrieg Schüler aus Lehe treffen sich nach 65 Jahren wieder

Von Hermann-Josef Döbber

Eisernes Klassentreffen: Hermann Determann, Rudolf Robin, Pater Bernhard Mersmann, Johannes Klasen, und Theo Hanneken (hinten, von links) sowie Helene Terhorst (geborene Wübben), Klaus Schwagmann, Margret Frieling (Evers) und Johann Pahs (vorne, von links) . Foto: DöbberEisernes Klassentreffen: Hermann Determann, Rudolf Robin, Pater Bernhard Mersmann, Johannes Klasen, und Theo Hanneken (hinten, von links) sowie Helene Terhorst (geborene Wübben), Klaus Schwagmann, Margret Frieling (Evers) und Johann Pahs (vorne, von links) . Foto: Döbber

Lehe. Im Jahre 1942 wurden sie in die damalige Volksschule Lehe eingeschult – mitten im Zweiten Weltkrieg, 1950 verließen 16 Schüler mit dem Abschlusszeugnis von Hauptlehrer Leo Rickermann die Lehranstalt. Jetzt trafen sich neun Ehemalige zum eisernen Klassentreffen zunächst im Hotel Lüssing.

Die ersten Jahre im Schulgebäude mit zwei Räumen, in denen jeweils die Klassen 1 bis 4 und 5 bis 8 zusammen unterrichtet wurden, waren vom Unterrichtausfall gekennzeichnet, auch Fliegeralarm führte immer wieder zu Unterbrechungen im Schulalltag.

Gegen Kriegsende, so erinnert sich Hermann Determann, habe Lehe ein „Bild des Grauens“ abgegeben. Polnische Panzer seien in Lehe eingerollt und mit Phosphormunition Häuser in Brand geschossen worden. „Verkohlte Bäume ragten in den Himmel, Asche bedeckte die Erde, und überall Brandgeruch“, so Determann. „Es war eine gespenstische Stille im Ort. Viele Einwohner waren nach Ahlen, Dörpen-Haar oder Neuherbrum geflüchtet. An einen Schulbesuch war überhaupt nicht zu denken.“

Lange habe es bis zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs gedauert. Als es dann langsam wieder losgegangen sei, habe es an allem gefehlt. Als Schreibpapier dienten Teile von Futtermitteltüten, sagten Teilnehmer des Treffens. Letztlich hätten nach der Schulzeit aber alle eine Lehrstelle gefunden und versucht, das Beste zu erreichen.

Leinen los! hieß es für die Gruppe am Nachmittag, als in Verbindung mit einer Planwagenfahrt mit der „Leher Pünte“ auf die andere Emsseite übergesetzt wurde. Wer wollte, konnte wie in jungen Jahren anstelle der 1960 außer Dienst gestellten Leher Wagenfähre nun die einzige seilgebundene Personenfähre auf der Ems per Muskelkraft bewegen. Dabei erfuhren die von auswärts angereisten Teilnehmer des Klassentreffens, dass die politische Gemeinde Lehe für den Fährbetrieb beim Wettbewerb „Beste Projekte der Landentwicklung Niedersachsen 2000 bis 2006“ als einer der besten vier Teilnehmer ausgezeichnet worden war. Mitentscheidend dafür sei die übergreifende Verbindung der Pünte zum sogenannten „Struven Hus“, dem Multifunktionsgebäude des Dorfes, gewesen.

Auf der „Heeder Seite“ interessierten besonders die Achterberge, wo 1960 eine Flurbereinigung erfolgte und danach der 1895 von Lehe aus eingerichtete Fährbetrieb eingestellt wurde. An den Achterbergen hatte das inzwischen abgebrochene Elternhaus des Mitschülers Pater Bernhard Mersmann gestanden. Erfreut zeigten sich die früheren Schüler, dass die Zahl der Einschulungen in die heutige Grundschule durchweg jährlich bei 16 bis 18 Abc-Schützen aus Lehe und Neulehe liegt und die Schule sich um ihren Erhalt keine Sorgen machen muss.