Monatelange Verfahren Asylbewerber leben vorerst in einer Kluser Kneipe

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Oison Kaja (Zweiter von rechts) ist inzwischen wieder zuhause, weil er es selbst so wollte. Rudin Corbexhi (von links), Erald Josifi und Erion Laraku bleiben in Kluse. Foto: Maike PlaggenborgOison Kaja (Zweiter von rechts) ist inzwischen wieder zuhause, weil er es selbst so wollte. Rudin Corbexhi (von links), Erald Josifi und Erion Laraku bleiben in Kluse. Foto: Maike Plaggenborg

Kluse. Eine kleine Gruppe in einem geschlossenen Gesellschaftshaus: Seit gut zwei Monaten leben die inzwischen nur noch drei jungen Männer aus Albanien in Kluse – in einer Wohngemeinschaft (WG) sozusagen. Die Samtgemeinde (SG) Dörpen achtet darauf, dass die Bewohner zusammenpassen, um Konflikte zu vermeiden. Den allerdings gab es hier dennoch vor einigen Wochen.

Erfahrungsgemäß werden sich Rudin Corbexhi, Erald Josifi und Erion Laraku noch einige Monate gedulden müssen, bevor sie erfahren, wie es mit ihnen weitergeht. „Die Asylbewerberverfahren dauern zurzeit sieben bis neun Monate“, sagt Gerd Klaas, Ordnungsamtsleiter der SG Dörpen, der bis zu einer Entscheidung dafür zuständig ist, dass es den Menschen in der geschlossenen Gaststätte in Kluse an nichts Grundlegendem fehlt. Zwischen Kontrolle und Fürsorge liegen die circa zweiwöchentlichen, unangemeldeten Besuche in der Unterkunft, sofern es die personelle Lage des Amtes zulässt. Sind die Wohnungen sauber und ist auch das Mobiliar noch in Ordnung? Wenn Kleinigkeiten kaputt sind oder etwa ein E-Herd angeschlossen werden muss, greift Klaas auch schon mal selbst zum Schraubendreher. „Ich bin von Haus aus Elektriker. Manchmal repariere ich auch eine Waschmaschine“ – gerne auch nach Feierabend. „Mir ist daran gelegen, dass die Leute gut zufrieden sind, dann bin auch ich zufrieden“, sagt Klaas.

Und er sorgt für Arbeit, die Pflichtprogramm für Corbexhi, Josifi und Laraku ist. 20 Stunden pro Woche müssen sie gemeinnützige Arbeit beim Bauhof Dörpen leisten: Unkraut jäten, Fegen oder Müll aufsammeln. Dafür bekommen sie einen Euro pro Stunde.

Corbexhi ist Bauingenieur und auf der Suche nach einem anderen Leben. Der 25-Jährige hat zuletzt ein Praktikum in Detmold gemacht, davor hat der Albaner zehn Jahre lang in seinem Nachbarland Griechenland ohne seine Eltern gelebt, dort Schule und Studium gemacht. Sein Uni-Abschluss ist in der EU nicht gültig – eine Regelung, die wohl kippen dürfte, wenn Albaniens EU-Kandidatur Erfolg haben sollte.

Korruption in Albanien

Zwischenzeitlich hat er es mit dem Arbeiten in seiner Heimat versucht. „Es werden 500 Euro Lohn schriftlich vereinbart, bezahlt werden aber nur 300“, sagt Corbexhi. Viel zu wenig, denn das Einstiegsgehalt in seiner Branche liege bei 700 bis 800 Euro. Die Korruption in Albanien sei ein echtes Problem. „Man muss schon Leute schmieren, nur um Produktionsmittel zu bekommen.“ Die Regierung sagt, sie wolle das stoppen, aber das ist schwierig, berichtet der Ingenieur.

Oison Kaja, der in Fier, Albanien, für seine Arbeit monatlich 270 Euro bekam, hatte sich ebenfalls eine bessere Perspektive hier gewünscht und sagt: „Ich möchte kein Asyl, sondern richtige Arbeit.“ Inzwischen ist der 22-Jährige in seine Heimat zurückgekehrt, weil seine Mutter plötzlich krank wurde.

Zurzeit leben in der SG Dörpen insgesamt 117 Menschen aus unterschiedlichen Nationen. Sie kommen zum Beispiel aus Armenien, Sudan, Iran, Syrien und zum Großteil aus dem Westbalkan. Von den 117 leben 25 in der 1600-Einwohner-Gemeinde Kluse – Corbexhi, Josifi und Laraku nun seit gut zwei Monaten. 37 weitere Personen muss die SG noch aufnehmen, die alte Kneipe ist jedoch gewappnet. Weitere Wohnungen stehen bezugsfertig bereit. 25 weitere Menschen finden noch Platz in dem Gebäude

.Konflikte wegen unterschiedlicher Ethnien

Die Menschen sollen zusammenpassen, findet Klaas. Somalier vertrügen sich zum Beispiel nicht allzu gut mit Albanern, Kosovaren wiederum kämen mit Serben nicht so gut zurecht. „Im Lauf der vergangenen 15 Jahre habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Da weiß man, wen man zusammenlegen darf“, sagt Klaas. Gut sei, wenn die Menschen dieselbe Sprache sprächen.

Bis vor ein paar Wochen hat hier eine weitere Person gelebt. Doch es gab eine Rangelei mit einem Messer. Der Verletzte blieb, sein 42-jähriger Landsmann sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Worum es bei dem Streit ging, weiß keiner mehr so genau, und es scheint auch keine Bedeutung mehr zu haben. An Gesicht, Hals und Hand hat Josifi Stiche abbekommen. Aber es geht ihm gut soweit.


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