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Geothermie-Kraftwerk ab 2017 Heiß auf Erdwärme in Heede und Dersum

Oliver Kugland ist Ideengeber für den Bau eines Geothermie-Kraftwerkes. Foto: Maike PlaggenborgOliver Kugland ist Ideengeber für den Bau eines Geothermie-Kraftwerkes. Foto: Maike Plaggenborg

Heede. In gut einem Jahr sollen die Bohrungen für das Geothermie-Kraftwerk im Green Energy Park in Heede/Dersum starten. Spätestens Ende 2017 soll die Anlage fertig sein, die vor allem als Entwicklungs- und Forschungsstandort für die Technologie dienen soll. Bisher läuft im 48-Millionen-Projekt alles nach Plan.

In Sachen Geothermiekraftwerk im Green Energy Park in Heede deuten bisher alle Zeichen auf ein „Ja“. Es ist davon auszugehen, dass die Machbarkeitsstudie, die mit einer 250000-Euro-Förderung durch das Land Niedersachsen bewilligt wurde, positiv ausfällt. „Bis jetzt sind die Prognosen super“, sagt Oliver Kugland. Er ist Mitglied der Geschäftsführung der Hanrath-Gruppe, die sich zuammen mit weiteren Investoren am Projekt beteiligen wird. Mit den Bohrungen könne es zwischen Juli und September 2016 losgehen, das Kraftwerk würde dann spätestens Ende 2017 in den Betrieb genommen werden. „Wir sind auf jeden Fall im Plan“, sagt Kugland. Die technische Machbarkeit ist bereits bescheinigt, aktuell hängen Bohrstart und Werk davon ab, ob das Kraftwerk wirtschaftlich machbar ist. Ende August werden diese Ergebnisse bekannt sein.

Und das ist geplant: Kugland und die Projektgesellschaft, die aus vier bis fünf Investoren gegründet werden soll, wollen ein Evolutionszentrum für erneuerbare Energien. Dabei geht es nicht alleinig um das Kraftwerk. „Entwicklungs- und Forschungsstandort zu werden ist das Hauptanliegen“, sagt Kugland, der außerdem Dozent am Campus Lingen der Hochschule (HS) Osnabrück ist. Er strebt eine feste Zusammenarbeit mit der Hochschule Bochum an. Das Kraftwerk soll laut Kugland „die verlängerte Werkbank“ der Hochschule sein. Studierende sollen direkt vor Ort lernen. Kooperationen mit dem Energieforschungszentrum Niedersachsen, der Universität Groningen, dem Kompetenzzentrum Energie Osnabrück und GeoEnergy in Celle laufen bereits. Ein Lehr-, Beratungs- und Informationszentrum befindet sich derzeit bereits im Bau.

So funktioniert Geothermie: Durch die Einlassbohrung wird ein Sand-Wasser-Gemisch geleitet, durch die Auslassbohrung wird es wieder abgeführt. Beide Röhren benötigen eine Tiefe von rund fünfeinhalb Kilometern. Dazwischen wird die Flüssigkeit durch die Erdwärme auf circa 160 Grad erhitzt, die der thermischen Nutzung dient oder - je nach Saison - Strom im Kraftwerk erzeugt. Beides soll möglich sein. Die Grafik oben zeigt, wie die Abläufe für die Stromerzeugung prinzipiell sind. Unabdingbar für diese Prozedur sind Risse im Gestein, damit die Materie durchlässig wird. Im Prinzip entspreche das Vorgehen dem Fracking. „Wir benutzen aber keine aggressiven Chemikalien wie beim Fracking bei der Öl- und Gasförderung“, sagt Kugland. Auch das Erdbebenrisiko oder Auswirkungen durch Risse sind offenbar kein Thema. „Man kann es nie ausschließen, aber wir sind uns zu 99,99 Prozent sicher“, sagt der Entwicklungsingenieur. Dabei greife er zurück auf einen Erfahrungsschatz von 40 Jahren, in denen in der Region bereits unterirdische Förderung betrieben werde. „Hier gab es bisher 36000 Bohrungen. Die Region ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse.“ Ihm sei kein Fall bekannt, dass Häuser Schaden genommen hätten.

Nicht nur Kugland, auch die Politik ist auf vielen Ebenen überzeugt vom Geothermie-Kraftwerk, darunter der Eurpaabgeordnete Jens Gieseke (CDU) aus Sögel, Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) und Wirtschaftsminister Olaf Lies sowie die „kommunale Familie“, wie Hermann Wocken (CDU), Samtgemeindebürgermeister Dörpen, sie nennt, inklusive der Gemeinden Heede und Dersum. Laut Wocken seien alle Unterstützer des Projekts.

Am kommenden Donnerstag wird in einer öffentlichen Veranstaltung über den aktuellen Stand rund um die Bohrungen und den Bau des Geothermie-Kraftwerkes informiert. Beginn ist um 19 Uhr in der Gaststätte Ganseforth in Dersum.