„Schandfleck“ ist Geschichte Neuer Bahnhof in Dörpen feierlich eröffnet

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Dörpen. Der erste Zug hielt planmäßig um 5.28 Uhr. Elf Monate nach dem offiziellen ersten Spatenstich ist am Montag der neue Bahnhof in Dörpen an der Neudörpener Straße feierlich eröffnet und eingeweiht worden. Bürgermeister Manfred Gerdes (CDU) sprach von einem historischen Tag für die Gemeinde, konnte sich angesichts des mitunter zähen Ringens mit der Deutschen Bahn um die Verwirklichung des Millionenprojektes einen Seitenhieb auf den Konzern aber nicht verkneifen.

Und doch überwog die Freude über eine neue, glänzende Visitenkarte in Form eines barrierefreien Bahnhofs an einem neuen Standort, der allerdings schon pünktlich zum Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember hätte in Betrieb gehen sollen. Der neue Haltepunkt macht die im Jahr 1902 im Industriegebiet errichtete und in den vergangenen Jahren weitgehend heruntergekommene Station aus Sicht der Dörpener endlich überflüssig. Mehrfach hatte Gerdes den alten Bahnhof drastisch als „Dreckloch“ und „Schandfleck“ bezeichnet.

Seine Ansprache anlässlich der Eröffnung des neuen Bahnhofs verband der Bürgermeister mit dem nachdrücklichen Wunsch an die Vertreter der Bahn, das alte Gebäude so schnell wie möglich abzureißen. „Der alte Bahnhof muss unverzüglich zum Schuttplatz“, sagte Gerdes. Damit wäre dann auch Platz für die seit Jahren geplante Erweiterung der Ladegleise im Güterverkehrszentrum Emsland im Industriegebiet. „Die Dörpener Umschlaggesellschaft für den kombinierten Verkehr hat jetzt freie Fahrt für die Ganzzugszusammenstellung“, erklärte Gerdes.

Komplett videoüberwacht

Im Hinblick auf das jahrelange Hin und Her um den Neubau – das Projekt war seitens der Bahn zwischenzeitlich mehr als einmal für tot erklärt worden – kritisierte Gerdes, dass „bestimmte Konzernvertreter nicht das gehalten haben, was sie versprochen haben“. Von seiner Kritik ausdrücklich aus nahm der Bürgermeister den Leiter des Bahnhofsmanagements der DB Station & Service AG aus Osnabrück, Axel Sauert. Mit seiner Hilfe habe das „Jahrhundertprojekt“ am Ende doch noch zu einem Erfolg geführt werden können. Den kirchlichen Segen sprachen gemeinsam Pastor Ralf Maennl und Diakon Heinz Klasen.

Sauert zufolge hat die DB den Neubau für fast zwei Millionen Euro zusammen mit der Landesnahverkehrsgesellschaft finanziert. Unter Federführung der Gemeinde wurden zudem fast 800.000 Euro in das Bahnhofsumfeld auf beiden Seiten des Bahnübergangs investiert. Dazu zählen Parkplätze für Autos, Busse und Taxen sowie „vandalismussichere“ Fahrradständer. An der Finanzierung waren Land und Landkreis beteiligt. Zudem ist der komplette Bahnhofsbereich nicht nur transparent gestaltet, sondern wird auch videoüberwacht, wie Gerdes betonte. In diesem Zusammenhang dankte der Bürgermeister der Polizei, die bei der Entwicklung eines Sicherheitskonzeptes wertvolle Tipps gegeben habe. „Der neue Standort stellt hohe Anforderungen an das Sicherheitsgefühl der Reisenden“, sagte Gerdes. Damit Wartehäuschen und Parkplätze von der Straße aus gut einsehbar sind, wurden Bäume gefällt. Vom Bahnhof bis zur B 70 wurden zudem LED-Straßenlaternen installiert.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, laut Bürgermeister Gerdes maßgeblich an den Verhandlungen zur Umsetzung des Projektes beteiligt, erinnerte an einen Runden Tisch im Jahr 2011 im Dörpener Rathaus, wo der „gordische Knoten“ für einen Neubau letztlich durchschlagen worden sei. „Was länge währt, wird endlich gut“, sagte Connemann, wenngleich der gute Wille in vielen Gesprächen mit Vertretern der Bahn habe hergestellt werden müssen.

Auch Landtagspräsident Bernd Busemann erinnerte an eine „schwierige Geburt“. Unterm Strich sei aber alles gut gegangen. Der Dörpener hob die Bedeutung der Bahnlinie als „Wirtschaftsstrang für das gesamte Emsland“ hervor, an dem Dörpen glücklicherweise stets ein fester Haltepunkt war.

Bahnhofsmanager Sauert räumte ein, dass die Umsetzung des Neubaus „etwas länger gedauert habe“. Aber nun sei das gute Resultat ja da. „Und dem Ergebnis ist es am Ende egal, wie es zustande gekommen ist“.


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