„Mutiger“ Schritt der Jugend Fastenmarsch-Boykott: Landvolk zeigt Verständnis

Die KLJB-Ortsgruppen Dersum und Neulangen wollen keine Station für den Fastenmarsch mehr ausrichten. Foto: Archiv/Anna KrögerDie KLJB-Ortsgruppen Dersum und Neulangen wollen keine Station für den Fastenmarsch mehr ausrichten. Foto: Archiv/Anna Kröger

Dörpen. Wie viele Ortsgruppen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) im Dekanat Emsland-Nord am Ende dem Misereor-Fastenmarsch den Rücken kehren werden, wird sich voraussichtlich bei einem Treffen am Mittwochabend entscheiden. Der Landvolkverband im nördlichen Emsland bezeichnet die definitive Absage der Jugendlichen aus Neulangen und Dersum indes als „mutig“.

Hintergrund des Boykotts ist die Betätigung des katholischen Hilfswerks Misereor als eine von 46 Trägerorganisationen der Demonstration „Wir haben es satt“ am 17. Januar am Rande der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Daran sollen rund 50000 Menschen teilgenommen haben. Protestiert wurde unter anderem gegen Tierfabriken, Gentechnik, Freihandel mit den USA, Monokulturen und den Hunger in der Welt. Mit von der Partie waren unter anderem das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt, der BUND, der Tierschutzbund, der NABU, Attac, Bauernhöfe statt Agrarfabriken, das Aktionsbündnis Agrarwende sowie die Parteien Die Grünen und Die Linke.

Nicht nur Teilen der Landjugend ist die Demo sauer aufgestoßen. Während der Sitzung des Landvolk-Kreisausschusses Aschendorf-Hümmling in Dörpen stellte Kreisvereinsvorsitzender Bernhard Schulte-Lohmöller fest: „Wir Bauern haben es satt, wie über uns geredet wird.“ Es werde „pauschal draufgehauen“ und mit Diffamierungen gearbeitet.

Schulte-Lohmöller wehrte sich insbesondere dagegen, dass die hiesige Landwirtschaft den Hunger in der Dritten Welt verursache. „Da werden Dinge aus dem Zusammenhang gerissen.“ Beispielhaft nannte er den Import von Soja, dessen Anbau in Südamerika dortigen Kleinbauern die Flächen nimmt. „Wir füttern nur die Reste des Sojas.“ Soja diene dagegen im Wesentlichen der Herstellung von Öl.

Wolle man allen Forderungen nachkommen, müsse man die Landwirtschaft abschaffen. „Nur Streichelzoo können wir nicht.“ Gleichwohl räumte Schulte-Lohmöller ein, dass beispielsweise beim Tierschutz, der Düngung und im Pflanzenschutz Verbesserungen möglich seien. Hier mache die Wissenschaft aber Fortschritte.

Für mutig erachtet der Landvolk-Vorsitzende den Schritt der beiden Landjugend-Ortsgruppen Neulangen und Dersum, gerade weil die Landjugend heutzutage nicht mehr die Jugend der Landwirtschaft, sondern des ländlichen Raumes sei. Ob die Landjugend das Richtige tut, dazu bezog Schulte-Lohmöller keine Position: „Ich habe Verständnis dafür, will es aber nicht bewerten.“ Doch er äußerte die Hoffnung: „Vielleicht regt es dazu an, die Landwirtschaft differenzierter zu betrachten.“

Nach Auskunft des Dekanatsjugendreferenten Christian Griep-Raming handelt es sich um sieben bis acht KLJB-Ortsgruppen, die noch „überlegen“ würden, ob sie sich am 8. März erneut am Misereor-Fastenmarsch beteiligen werden. Mittwochabend gebe es aus diesem Grund ein Treffen, auf dem gemeinsamem mit den Jugendlichen beraten werden solle.

Beim Hilfswerk Miseror mit Sitz in Aachen war aufgrund des Karnevals am gestrigen Rosenmontag niemand zu erreichen.