Sind es die Ausreißer aus Papenburg? Herrenlose Schweine in Neulehe eingefangen



Neulehe. Die Geschichte um herrenlose Schweine im nördlichen Emsland ist um ein spektakuläres Kapitel reicher. Kurz vor Weihnachten tauchten zwei frei laufende Exemplare in Neulehe auf. Auch wenn der letzte Beweis fehlt, spricht vieles dafür, dass es sich bei den Tieren um die beiden Schweine handelt, die kurz vor dem Fest aus ihrem vorübergehenden Zuhause in Papenburg ausgebüxt sind.

Mit ihrer Flucht haben sie sich auch der Zuständigkeit der Stadt Papenburg entzogen, die Anfang der vorigen Woche zwei Mini-Schweine als Fundtiere gemeldet hatte. Wie berichtet, waren die Tiere am Ems-Seitenkanal in Herbrum entdeckt worden. Ihrem Besitzer konnten sie nicht zugeordnet werden, weil ihnen die vorgeschriebenen Ohrmarken fehlen. Ihre Herkunft blieb damit unklar. Die Stadt Papenburg meldete die Schweine als Fundtiere und brachte sie auf einem Bauernhof unter. Dort hielten es die Schweine aber nicht lange aus.

Am Tag vor Heiligabend machten dann plötzlich zwei schwarzbunte Schweine Neulehe unsicher, die den in Papenburg entlaufenen nicht nur ähnlich sehen, sondern auch ebenfalls keine Ohrmarken tragen. „Am Morgen meldete sich ein Landwirt bei mir und berichtete, dass sie in der Nähe seines Hofes herumlaufen würden“, sagt Bürgermeister Reinhard Gansefort (CDU). Fortan stand das Telefon des Bürgermeisters kaum mehr still. Auch andere Landwirte im Ort seien aus Angst vor Seuchen um ihre Tierbestände besorgt gewesen. Schließlich wisse niemand, woher die Schweine kämen und ob sie möglicherweise ansteckende Krankheiten hätten, sagt Gansefort. In diesem Zusammenhang verweist der Bürgermeister auf den hochsensiblen Umgang mit der Vogelgrippe nach dem Vorfall in einem Entenmaststall in Neubörger.

In Vorgarten gewühlt

Noch am selben Vormittag begannen die Schweine, die Gansefort zufolge definitiv nicht aus Neulehe stammen, im Vorgarten eines Wohnhauses zu wühlen. Erste Versuche, die Tiere im Bereich von Hecken und Zäunen in die Enge zu treiben und sie einzufangen, scheiterten. „Sie sind viel flinker, als man auf den ersten Blick denkt“, berichtet Gansefort. Schließlich gelang es aber doch, die Tiere mit vereinten Kräften einzukesseln und in einen Fang zu treiben. An der Aktion waren nach den Worten des Bürgermeisters bis zu zehn Leute beteiligt. Seitdem tummeln sich die Schweine putzmunter in einem zwei Hektar großen Gehege des Neulehers Hermann-Josef Kröger. Dort sollen sie nach dem Willen ihres aktuellen Herbergsvaters aber nicht bleiben – nicht nur, weil sie an allen Ecken und Enden der Wiese, in der sonst Pferde weiden, nach Herzenslust wühlen. Zu fressen finden die Schweine in ihrem Auslauf genug, versichert Kröger.

Seit dem Moment, als die Schweine gefangen wurden, sind sie offiziell wie Fundsachen zu behandeln. So will es das Gesetz. Für herrenlose Tiere ist – so lange sie frei herumlaufen – hingegen keine Behörde zuständig. Das bestätigt ein Sprecher des Landkreises Emsland auf Nachfrage unserer Redaktion. Gansefort findet das paradox.

Fakt ist, dass nunmehr das Ordnungsamt der Samtgemeinde (SG) Dörpen für die Schweine zuständig ist. Dort kann sich der Eigentümer ab Montag, 5. Januar, unter der Rufnummer 04963/402106 melden. SG-Bürgermeister Hermann Wocken (CDU) betont auf Nachfrage unserer Redaktion aber ausdrücklich, dass gerne auch Tierfreunde anrufen dürfen, die ein ehrliches Interesse an einer angemessen, dauerhaften Inobhutnahme haben. „Vorausgesetzt, der Eigentümer meldet sich nicht, ist es rechtlich so, dass, wer die Tiere in Obhut hat und pflegt, Eigentümer wird“, erklärt Wocken.

Nichts Neues in Sögel

Unterdessen hat sich beim Ordnungsamt der Samtgemeinde Sögel noch niemand gemeldet, der seine Schweine vermisst. Wie berichtet, waren einen Tag nach dem Fundbüro der Stadt Papenburg kurioserweise auch aus der Hümmlinggemeinde ein Auftauchen von herrenlosen Schweinen ebenfalls ohne Ohrmarken gemeldet worden. Die insgesamt fünf Tiere, darunter nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Ludwig Schmitz sowohl Mini- als auch Hängebauchschweine, waren von einem Förster in Alt-Wahn entdeckt worden. Sie haben vorübergehend eine Bleibe bei einem Landwirt in Sögel gefunden. Eigentumsansprüche können nach wie vor beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung des SG Sögel, Telefon 05952/2060, geltend gemacht werden.


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