Müssten 700.000 Küken getötet werden? Vogelgrippe im Emsland: Warnung vor Transportverbot

Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) warnt vor einem allgemeinen Transportverbot von Geflügel im Landkreis Emsland. Foto: dpaDie Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) warnt vor einem allgemeinen Transportverbot von Geflügel im Landkreis Emsland. Foto: dpa

Osnabrück. Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) warnt vor dem Hintergrund des Auftretens der Vogelgrippe in der Samtgemeinde Dörpen vor einem allgemeinen Transportverbot von Geflügel im Landkreis Emsland. Dies hätte „drastische Folgen im Bereich Tierschutz“, so der Branchenverband, möglicherweise müssten täglich bis zu 700.000 Küken getötet werden.

In dem Schreiben an den Landkreis Emsland und das Landwirtschaftsministerium appelliert NGW-Vorsitzender Friedrich-Otto Ripke an die Behördenvertreter, bei den Reaktionen auf die Vogelgrippe „ausschließlich fachlich fundierte Entscheidungen zu treffen und sorgfältig abzuwägen“.

 “Schwerwiegende Folgen“

Dabei warnt Ripke vor „schwerwiegenden Folgen“ eines kreisweiten Transportverbots in der deutschen Geflügelhochburg Emsland.  Zuletzt hatten Behörden ein 72-stündiges Verbot für die Landkreise Cloppenburg, Leer und Ammerland verhängt, nachdem in Barßel der Erreger H5N8 bei Puten festgestellt worden war.

Keine Schlachtung über Weihnachten

 Ripke verweist darauf, dass ein Verbot so unmittelbar vor Weihnachten faktisch einen Transportstopp von 100 Stunden bedeuten würde, da die Schlachthöfe über die Feststage nicht arbeiten und folglich keine Tiere aus den Ställen transportiert werden könnten.

Drei Millionen Hähnchen betroffen

„Rund drei Millionen Hähnchen müssten viel zu lange in ihren immer enger werdenden Ställen bleiben und würden darüber hinaus ein Gewicht erreichen, welches den technischen Ablauf bei der Schlachtung drastisch erschweren oder gar unmöglich machen würde“, heißt es in dem Schreiben. Die Folge ist laut Ripke, dass die Tiere getötet und entsorgt werden müssten statt zu Lebensmitteln weiterverarbeitet zu werden.

700.000 Küken pro Tag

Der NGW-Chef weist zudem auf die besondere Problematik der Brütereien hin, die ihre Küken im Fall des Falles ebenfalls nicht ausliefern dürften. Laut Ripke schlüpfen allein im Emsland 700.000 Küken pro Tag. Auch sie müssten getötet und entsorgt werden.

Untersuchugen laufen

 Ob ein kreisweites Transportverbot verhängt wird, hängt maßgeblich von den Untersuchungen ab, die derzeit beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) laufen. Hier werden Proben aus 19 Betrieben mit insgesamt 180.000 Stück Geflügel unter die Lupe genommen. Mit ersten Erebnissen wird noch am Wochenende gerechnet.

Die Höfe liegen innerhalb einer Sperrzone von drei Kilometern, die um den betroffenen Hof in der Samtgemeinde Dörpen gezogen worden ist. Bereits jetzt gilt innerhalb dieser Zone ein Transportverbot. Zudem ist eine Beobachtungszone von zehn Kilometern eingerichtet worden. Darunter fallen 200 Betriebe mit gut vier Millionen Tieren.

Sollten die Proben Hinweise auf eine weitere Hinweise auf eine Ausbreitung von H5N8 bringen, würden die Bekämpfungsmaßnahmen ausgeweitet – etwa durch ein kreisweites Transportverbot.

Tötung der Enten angelaufen

Die Tötung der 10.100 Enten aus dem betroffenen Betrieb im nördlichen Emsland ist derweil angelaufen. Davon betroffen sind auch kleinere Hühnerbestände aus der Nachbarschaft des Hofes, die ebenfalls getötet werden.


Die Geflügelpest

Die Geflügelpest ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird oft auch als Vogelgrippe bezeichnet. Binnen weniger Tage kann der ganze Tierbestand erkranken.

Bei den Viren spielen die Subtypen H5 und H7 eine besondere Rolle. Sie können in einer niedrigpathogenen (krankmachenden) und einer hochpathogenen Form auftreten. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle - Hämagglutinin und Neuraminidase - abgekürzt.

Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Die Experten warnen vor Panik.

Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Menschen können sich bei intensivem Kontakt mit Geflügel anstecken. Infektionen mit bestimmten Varianten können tödlich verlaufen. So steckten sich weltweit seit 2003 weit über 600 Menschen mit dem Erreger H5N1 an; mehr als die Hälfte von ihnen starb an den Folgen. (dpa)

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