Geothermieprojekt nicht gefährdet Machbarkeitsstudie für Heede erst im Februar fertig

Der Ideengeber für das Geothermie-Kraftwerk, Oliver Kugland.Foto: Jürgen EdenDer Ideengeber für das Geothermie-Kraftwerk, Oliver Kugland.Foto: Jürgen Eden

Heede/Papenburg. Lassen die Bodenverhältnisse in Heede den Bau eines Geothermie-Kraftwerkes zu? Diese Frage sollte eigentlich noch vor Weihnachten beantwortet werden. Ideengeber Oliver Kugland von der Handrath-Gruppe aus Papenburg ist weiterhin optimistisch. Doch die Ergebnisse einer vom Land geförderten Machbarkeitsstudie werden nun erst im Februar präsentiert.

„Ja, es gibt zwar leichte Verzögerungen, die unseren Zeitplan nach einer Investitionsentscheidung jedoch nicht gefährden“, sagte Kugland auf Nachfrage. Ursächlich für die Verspätung der Ergebnisse sind nach seinen Worten mündliche Vereinbarungen mit einem Rohstoffförderer. Der hatte offenkundig zunächst Informationen über die Bodenverhältnisse zugesagt. Später wollte man sich daran allerdings nicht mehr erinnern.

Mehrere Unternehmen sammelten aber in den vergangenen Jahrzehnten bereits umfassendes Datenmaterial in der Region, um Felder für die Förderung von Gas- und Erdöl zu suchen. Mehr als 30000 Bohrungen hatte es in der Vergangenheit zur Untersuchung der Böden in den vergangenen 30 bis 40 Jahren gegeben. „Also gibt es auch entsprechendes Datenmaterial, sprich Informationen, die wir nicht mit unnötigen Bohrungen und entsprechenden Kosten erneut sammeln müssen“, so Kugland. Mit Wintershall wurde nach seinen Worten relativ schnell ein neuer Partner gewonnen, der nun diese Informationen zur Verfügung stellt. Derzeit werten Mitarbeiter des Garbsener Unternehmens „Geo Dienste“ die Daten aus.

Drei Megawatt Strom

Eine spannende Frage wird sich aus der Bohrtiefe ergeben. Unter guten Bedingungen könnte die Erdwärme aus einer Tiefe von rund 5000 Metern gefördert werden. Doch auch bei einer Tiefe von 7500 Metern sei das Projekt realisierbar, so Kugland. Strom mit einer Dauerlast von drei Megawatt und verlässliche Wärme mit einer Leistung von 21 Megawatt sollen auf dem rund 12000 Quadratmeter großen Kraftwerksgelände dann erzeugt werden. 20 Jahre blieben dann Zeit, die Prozesse so zu optimieren, dass der Betrieb auch ohne EEG-Umlage wirtschaftlich darstellbar sei, ist Kugland überzeugt.

Unterstützung kommt dazu von der Wissenschaft. So planen das Internationale Geothermie-Zentrum Bochum, aber auch die Hochschulen Osnabrück und Groningen, in einen derzeit im Bau befindlichen Gebäude der Kanne-Group Forschungsräume und Büros einzurichten. Außerdem soll die Heeder-Geothermie-Anlage als Pilotprojekt für weitere weltweite Vorhaben dienen. Das Land Niedersachsen hatte sich zu 90 Prozent an der rund 250000 Euro teuren Machbarkeitsstudie für ein Geothermie-Kraftwerk beteiligt. Projektentwickler für das Geothermiekraftwerk sind die Hanrath-Gruppe und die Kanne-Group aus Dersum. Die Investitionssumme wird mit rund 48 Millionen Euro beziffert.

Zum Hintergrund: Das geplante Heeder Referenzkraftwerk für Geothermie soll aus einer Tiefe von etwa 5,8 Kilometern 180 Grad warmes Wasser fördern und damit Turbinen für die Energieerzeugung antreiben. Der gewonnene Strom soll zur Nahversorgung von Industrie- und Gewerbebetrieben, aber auch zur dezentralen Versorgung von Wohngebieten verwendet werden. Die Wärme könnte zudem für energieintensive Unternehmen eingesetzt werden. Aber auch ein Zentrum für erneuerbare Energien mit Forschungs-, Entwicklungs- und Informationsmöglichkeiten soll langfristig betrieben werden. Angedacht ist, Investoren aus der ganzen Welt individuelle, aber schlüsselfertige Konzepte für Geothermie-Kraftwerke zu präsentieren. Denn in dem Zentrum werden Experten aus allen Bereichen der erneuerbaren Energien wie Solar, Wind, Biomasse und Geothermie angesiedelt, um einerseits die Bevölkerung über den neuesten Stand der Technik in Kenntnis zu setzen, aber auch um an den Projekten künftiger Investoren mitzuwirken.

Hilfreich für den ersten Projektschritt war Kuglands Lehrauftrag an der Hochschule Osnabrück-Lingen. Zehn Studenten hatten bereits an einer Fallstudie mitgewirkt, in der Heede als Standort für ein Geothermie-Kraftwerk untersucht wurde.

Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2015 sollen die Bauarbeiten für das Kraftwerk anlaufen. Mitte bis Ende 2017 könnte dort Energie erzeugt werden.