Fracht auf Lkw umdisponiert Beim Güterverkehrszentrum Dörpen fährt kein Zug

Zahlreiche Frachten umdisponieren  müssen in Dörpen Marina Terhorst, Holger Mescher und Martina Ströhl Foto: EdenZahlreiche Frachten umdisponieren müssen in Dörpen Marina Terhorst, Holger Mescher und Martina Ströhl Foto: Eden

Dörpen. Von den bis Montag andauernden Streiks der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) sind viele emsländische Fahrgäste betroffen. Doch auch den Güterverkehr in der Region hat es hart getroffen. Im Dörpener Güterverkehrszentrum (GVZ) herrscht zwar Betriebsamkeit, allerdings nicht am Verladeterminal für die Züge, die normalerweise täglich von und nach Süddeutschland fahren. Deutliche Mehrarbeit bereitet das Umdisponieren der liegen gebliebenen Güter auf Lastwagen. Auch leicht verderbliche Ware ist betroffen.

„Bei uns stehen die Räder still“, sagt Geschäftsführer Peter Fischer. Zumindest die der noch verbliebenen Eisenbahnwaggons. Es fällt ihm schwer, noch gelassen auf die Streiks zu reagieren. Aktuell steht seit Mittwoch ein mit 1000 Tonnen beladener Zug auf halber Strecke zwischen dem Emsland und Ludwigshafen. Wichtige Montageteile eines Harener Maschinenbauers kommen nicht rechtzeitig auf einer süddeutschen Baustelle an. Chemische Grundstoffe aus dem niederländischen Delfzijl erreichen nicht die Werke, sodass auch dort nicht gearbeitet werden kann.

Aber der Streik bedeute auch emotionalen Stress: Er und seine Mitarbeiter seien diejenigen, die den Druck der Kunden im vollen Ausmaß zu spüren bekämen, so Fischer. Im Verwaltungsgebäude laufen die Telefondrähte heiß. Erst waren es unzählige Kunden, die wissen wollten, ob ihre Ware rechtzeitig ankommen würde. Jetzt sind es laut Fischer viele Auftraggeber, die etwas über den Verbleib ihrer Ware erfahren wollen.

Kein leichtes Geschäft für Disponenten wie Martina Ströhl oder Holger Mescher. „Wir versuchen, Güter, die wir angenommen haben, auf Lastwagen umzustellen“, sagt Ströhl. Hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Speditionen verlangen derzeit mehr Geld für den Transport.

Eigentlich will Geschäftsführer Fischer die alleinige Disposition auf Lkw vermeiden und setzt auf die Trimodalität von Straße, Schiene und Wasser. „Kunden wollen Verlässlichkeit. Mit dieser Unsicherheit wird viel Vertrauen verspielt, das wir uns über Jahre aufgebaut haben“, sagt er. Enercon aus Aurich nutzt auch das GVZ. Der Windenergieanlagenhersteller ist laut Fischer allerdings weniger von den Streiks betroffen, da mit eigenen Loks, Wagen und Mitarbeitern eigene Transportverbindungen über das DB-Netz aufgebaut wurden.

Mehr Unabhängigkeit von der DB wünscht sich auch Fischer. Er würde sich einen Verbund zwischen der Emsländischen und der Bentheimer Eisenbahn sowie dem Unternehmen Enercon wünschen, um mit gemeinsamen Loks, Wagen und eigenen Mitarbeitern flexibler arbeiten zu können.

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