Agrarreform greift ab 2015 Im Nordkreis gibt es im Winter mehr grüne Äcker

Meine Nachrichten

Um das Thema Dörpen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Neuerungen im Zuge der Agrarreform stellte Otto Pieper von der Landwirtschaftskammer vor. Foto: Hermann HinrichsDie Neuerungen im Zuge der Agrarreform stellte Otto Pieper von der Landwirtschaftskammer vor. Foto: Hermann Hinrichs

Dörpen. Auf die Landwirte im Nordkreis kommen zahlreiche Neuerungen zu. Ab dem kommenden Jahr müssen auch sie die Vorgaben der Agrarreform der Europäischen Union in die Tat umsetzen, wenn sie weiter in den Genuss von Prämien kommen wollen. Ein Effekt wird sein, dass der Anbau von Zwischenfrüchten Auftrieb erhalten wird, um die geforderten fünf Prozent „ökologische Vorrangfläche“ nachweisen zu können.

Dass der Informationsbedarf bei den Landwirten riesig ist, haben zwei Versammlungen in Lorup und Dörpen gezeigt, zu denen der Landvolkverband und die Landwirtschaftskammer eingeladen hatten. Rund 600 Landwirte nahmen daran teil. Schließlich laufen die Anbauplanungen für das kommende Jahr bereits. Und die müssen schon mit den neuen Vorgaben im Einklang stehen.

Die bedeutendste Neuerung für die Praxis auf den Feldern ist das sogenannte „Greening“. Laut Otto Pieper von der Landwirtschaftskammer stehen hier der Dauergrünlanderhalt, die Kulturartenvielfalt und ökologische Vorrangflächen im Fokus. So müssen Bauern, die mehr als 15 Hektar Ackerland bewirtschaften, künftig fünf Prozent ihrer Fläche als ökologische Vorrangfläche bereitstellen. Dafür haben sie mehrere Möglichkeiten. Sie können beispielsweise Flächen einfach stilllegen oder Hecken, Baumreihen und Feldgehölze als Vorrangflächen angeben. Zudem gibt es die Möglichkeit, durch den Anbau von Zwischenfrüchten diese Vorgabe zu erfüllen. Dabei gilt dann, dass 3,33 Hektar einem Hektar Vorrangfläche entsprechen.

Karl Uhlenberg, Leiter der Außenstelle Aschendorf der Landwirtschaftskammer, ist sich sicher, dass die Landwirte im nördlichen Emsland von dieser Möglichkeit regen Gebrauch machen werden. Allerdings müssen sie beim Anbau auf mineralische Düngung und Pflanzenschutz verzichten. Gülle und Mist hingegen stehen nicht auf der Verbotsliste.

Was viele Betriebe schon immer getan haben, aber mithin nicht mehr alle, ist der Anbau von mindestens drei verschiedenen Feldfrüchten. Künftig gilt für alle Höfe mit mehr als zehn Hektar Ackerland, dass eine Feldfrucht, beispielsweise Mais oder Kartoffeln, nicht mehr als 75 Prozent der gesamten Anbaufläche einnehmen darf. Wer mehr als 30 Hektar Ackerland bewirtschaftet, muss verpflichtend auch noch eine dritte Frucht anbauen, die einen Anteil von mindestens fünf Prozent hat. Am wenigsten Probleme dürfte der Erhalt des Dauergrünlandes bereiten, denn dieses darf in Niedersachsen schon jetzt nur mit Genehmigung umgebrochen werden.

Was bekommen die Landwirte dafür? Die Agrarreform sieht weiterhin die Zahlung von Prämien pro Hektar vor, die jährlich neu beantragt werden müssen. Die können allerdings durchaus unterschiedlich ausfallen. So beträgt die Basisprämie in den beiden kommenden Jahren 190 Euro und sinkt dann bis 2019 auf 175 Euro ab. Für das „Greening“, an dem der Landwirt allerdings teilnehmen muss, werden 2015 87 Euro gezahlt. Junglandwirte erhalten zusätzlich 44 Euro pro Hektar. Zudem gilt für alle Betriebe die sogenannte Umverteilungsprämie. Demnach gibt es für die ersten 30 Hektar ein Aufschlag von 50 Euro und für den 31. bis 46. Hektar von 30 Euro. Ein Junglandwirt könnte somit im kommenden Jahr für die ersten 30 Hektar auf eine Prämie in Höhe von 371 Euro je Hektar kommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es noch 366 Euro, die jeder Landwirt pro Hektar Fläche erhalten hat.

Karl Uhlenberg von der Landwirtschaftskammer riet den Landwirten eindringlich dazu, im kommenden Jahr zunächst den „einfachen Weg“ zu wählen, um Erfahrungen zu sammeln und so Schwierigkeiten zu vermeiden. Die nun vorgeschriebene dreigliedrige Fruchtfolge sieht Uhlenberg schlicht als notwendig an. Überdies liege es in der Verantwortung der Landwirte, „ihr Erbe unbelastet weiterzugeben“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN