Franz Berger feiert Geburtstag Heeder mit Herz für Natur und Tiere wird 102

Von Gerd Schade

Die Ems-Zeitung liest Franz Berger auch mit 102 Jahren noch täglich – und zwar „von vorne bis hinten“, wie er sagt. Foto: Gerd SchadeDie Ems-Zeitung liest Franz Berger auch mit 102 Jahren noch täglich – und zwar „von vorne bis hinten“, wie er sagt. Foto: Gerd Schade

Heede. Der Schalk sitzt Dr. Franz Berger auch im hohen Alter noch immer im Nacken. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich sitzen bleibe“, sagt der Heeder, als er seinem Gesprächspartner die Hand gibt. Die andere legt er dezent auf seinen Rollstuhl. „Ich bin leider nicht mehr so gut zu Fuß“, erklärt Berger mit einem verschmitzten Lächeln. Aber ansonsten geht es ihm gut. Berger feiert heute die Vollendung seines 102. Lebensjahres.

Auf dem Wohnzimmertisch des langjährigen Tierarztes, der zu den ersten Veterinären gehört, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Emsland niederließen, liegt die Ems-Zeitung ausgebreitet. „Ich lese sie jeden Tag – und zwar von vorne bis hinten“, sagt Berger. Aus der Küche prescht Dackel Rowdy hervor. Neugierig beschnuppert der quirlige Vierbeiner den Besucher samt seiner Kameratasche. Dann dackelt er weiter.

„Früher hatte ich nur Jagdhunde“, erklärt Berger. Ein Blick an die Wohnzimmerwand verrät, warum. Diverse Jagdtrophäen zeugen von Bergers großer Leidenschaft neben der Tiermedizin. Seit seinem 15. Lebensjahr hat er nach eigenen Worten mehr als 300 Stück Rehwild geschossen – den letzten Bock erlegte er im Alter von 99 Jahren. „Das war für mich nichts Besonderes.“ Die Jagd und auch die Sehnsucht danach habe er nur aufgegeben, „weil ich schlecht laufen kann“. Im selben Jahr hat Berger auf Anraten seines Sohnes außerdem die Autoschlüssel für immer an den Nagel gehängt. Und doch geht es manchmal im Wagen des Nachbarn raus in die Natur. „Ich hatte schon immer ein Herz für die Natur und für die Tiere.“

Deswegen wollte der gebürtige Österreicher, der in dem Jahr, als die „Titanic“ unterging (1912), in der Nähe von Wien geboren wurde, von Anfang an Tierarzt werden. Im Alter von 23 Jahren machte Berger seinen Doktor und sich selbstständig. 1937 in Österreich eingezogen und die Offizierslaufbahn absolviert, sei er während des Zweiten Weltkrieges in Leipzig Assistent des damaligen Generalveterinärs gewesen. Der Krieg führte Berger nach eigenen Angaben nach Luxemburg, Holland, Frankreich, auf den Balkan sowie nach Bulgarien, Rumänien und Russland. Zuletzt stand er als Hauptmann einem Pferdelazarett vor.

Tierklinik aufgebaut

Dass sich Berger 1946 in Heede niederließ, ist einem Jagdfreund aus Westrhauderfehn geschuldet, den er während des Krieges kennenlernte. Die Tierklinik in Heede, die Berger einst aufgebaut hat, leitet heute sein Sohn Walter. Franz Berger selbst hat bis 1986 praktiziert. „Ich habe jedes Tier gerne behandelt“, sagt Berger, auch wenn er sich vor allem Pferden besonders verbunden fühlte. Ein Jahr zuvor starb seine Frau. Aus ihrer Ehe gingen drei Söhne hervor. Sie werden ihrem Vater heute ebenso gratulieren wie die acht Enkel. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als Berger anlässlich seines Geburtstages nichts Besonderes veranlasst hatte, feiert er diesmal wieder in einem etwas größeren Rahmen. So erwartet er neben der Familie, Bekannten und Freunden auch die örtlichen Jagdhornbläser, den Pastor und Vertreter der Gemeinde.

Das Geheimnis seines hohen Alters lässt sich für Berger selbst nach wie vor nur schwer ergründen. Er habe früher jahrelang geraucht, aber wenig Alkohol getrunken. Und weil er häufig auf Jagd war, sei er eben auch viel an der frischen Luft gewesen. Bei schönem Wetter genießt er die Sonne in seinem Garten. Und beim Essen darf es zunächst gerne deftig (Schweineschnitzel oder Nackensteak mit Kartoffeln und Salat) und zum Nachtisch etwas Süßes sein.

Boxen und Fußball

Wenn Franz Berger mit Zeitunglesen fertig ist, sieht er gerne fern. Die politische Großwetterlage interessiert ihn da nach eigenem Bekunden aber allenfalls am Rande. Beim Sport sieht es da schon anders aus. Boxen und Fußball haben es ihm angetan. Beim Fußball drückt er dem deutschen Rekordmeister Bayern München die Daumen – „es sei denn, es geht gegen eine österreichische Mannschaft.“


Nach Angaben der Kreisverwaltung wohnten im vergangenen Jahr im Emsland 31 Menschen, die 100 Jahre und älter sind. 14 Frauen und 4 Männer feierten 2013 ihren 100. Geburtstag und damit den Einzug in den „Hunderter-Klub“. Fünf Frauen und ein Mann (Franz Berger) wurden 101 Jahre alt. Fünf weitere Frauen vollendeten ihr 102., zwei gar ihr 104. Lebensjahr. Hinzu kommen 662 Emsländer, die im vergangenen Jahr 90 und 62 Bürger, die 95 Jahre alt wurden.