Jubiläum mit Konzert Wippinger Kirchenchor kann auch Tote Hosen

Von Gerd Schade


Wippingen. Was haben die Toten Hosen und Helene Fischer mit dem Kirchenchor St. Cäcilia Wippingen zu tun? Mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Denn der traditionsreiche Chor versteht sich nicht nur auf klassisches geistliches Liedgut, sondern auch auf weltliche Werke – und zwar auf moderne wie „Atemlos“ (Fischer) und „Tage wie diese“ (Hosen). Das werden die 38 Sänger anlässlich des 125-jährigen Bestehens ihres Chores am Samstag, 20. September, beweisen.

Ab 19 Uhr veranstaltet der Chor in einem Festzelt auf dem Platz vor der St.-Bartholomäus-Kirche eine Mischung aus Kommers und Konzert. Mit dabei sein werden nicht nur drei befreundete Chöre aus Spahnharrenstätte, Renkenberge und Lathen, sondern auch Gerd Meyer (65) und Wilfried Düthmann (66). Sie sind die dienstältesten Sänger im Jubelchor.

Düthmann und Meyer traten vor 44 Jahren gemeinsam in den Chor ein. „Musik war schon immer mein Hobby“, sagt Meyer. Seit 25 Jahren musiziert er zudem in der Schützenkapelle, 18 Jahre als Trompeter und 7 als Sänger. Im Chor singt Meyer bis heute Kirchenchorklassiker wie „Lobt den Herrn der Welt“ und „Die Himmel rühmen“ besonders gern. Das sind für ihn sozusagen Evergreens mit Gänsehautcharakter.

Düthmann erinnert daran, dass der Chor auch schon damals neue Sänger gebraucht habe. Bis zum Jahr 2000 war die Truppe ein reiner Männerchor. Weil er sich mangels Nachwuchses als solcher aber nicht mehr hätte aufrechterhalten lassen, wurde aus dem Männerchor ein gemischter Chor. Inzwischen sind die Frauen in der Überzahl (24).

Nicht ohne Pastors Segen

Wer heute bei den Sängern mitmischen will, hat es leicht. Er oder sie ist herzlich zu einem der Probenabende (montags ab 19.30 Uhr) im Gemeindehaus eingeladen und auf Wunsch dabei. „Das war nicht immer so“, sagt Gerd Meyer. Früher habe erst der Pastor darüber befunden, ob der Anwärter beziehungsweise dessen Leumund des Chores auch würdig war.

Damals setzte sich die Sängergemeinschaft vornehmlich aus Landwirten und Handwerkern zusammen. „Wir hatten im Prinzip keine Schichtarbeiter, weil sie bei Proben und Auftritten zu häufig gefehlt hätten“, erklärt Düthmann. Lediglich bei besonders guten Sängern habe man hin und wieder eine Ausnahme gemacht.

Die aktuelle Männerriege bezeichnet die Dirigentin Rowsitha Bühn als durchweg „sehr starke Sänger“. Überhaupt bescheinigt die Lathenerin, die 2006 die Nachfolge von Gerd Holtermann antrat, der die Sänger 48 Jahre führte, dem Chor ein „sehr hohes Leistungsniveau“. Und doch komme auch der Spaß nicht zu kurz. „Ein lustiger Chor, der aber auch gut arbeiten kann“, beschreibt Bühn die Wippinger Sänger. „Die Gemeinschaft muss stimmen. Und die ist 100-prozentig. Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel“, sagt Gerd Meyer.

Freude am Singen, Geselligkeit und Harmonie sind die drei Attribute, die für Meyer und Düthmann das Mitwirken im Chor bis heute ausmachen. „Und man vergisst den Alltagsstress“, fügt Roswitha Bühn hinzu.

Der Chor gestaltet Gottesdienste mit und tritt bei goldenen und silbernen Hochzeiten, Jubiläen und runden Geburtstagen auf. Die Sänger kommen so auf bis zu 15 Auftritte pro Jahr.

Dass es heute wie für viele andere Chöre, Vereine und Gruppen in der Region auch für sie schwierig ist, Nachwuchs zu rekrutieren und langfristig an sich zu binden, wissen die Wippinger. „Aber unser Chor wird wenigstens nicht kleiner“, sagt Bühn.