Grabungsergebnisse bewertet 2500 Jahre alte Spuren in Walchum „einzigartig“

Von Wilhelm Schweers

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Walchum. Archäologische Funde im Walchumer Nordesch belegen eindeutig, dass in Walchum bereits vor 2500 Jahren Menschen gelebt haben. Im Heimathaus berichteten jetzt die Archäologin und Grabungsleiterin der Firma Denkmal 3-D aus Vechta, Claudia Maria Melisch, und Kreisarchäologin Andrea Kaltofen vor mehr als 100 Bürgern über die Ergebnisse der Ausgrabungen in Walchum.

Die Gemeinde hatte ein etwa fünf Hektar großes Areal im Nordesch zwischen dem Heimathaus und der Dersumer Straße als Baugebiet ausgewiesen. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben für den Schutz alter Kulturgüter müssen diese Flächen vor Baubeginn auf eventuelle archäologische Funde untersucht werden. Bei einer ersten Untersuchung im September 2013 wurden Anzeichen von Besiedlungen und Brandbestattungen gefunden. Daraufhin wurden vom 4. November bis zum 24. Januar weiterführende archäologische Ausgrabungen durchgeführt.

Melisch und Kaltofen bewerteten die Ergebnisse aus der zweimonatigen Bodenuntersuchung als „beeindruckend“ und Walchum als besonders wichtige Fundstelle. Die Strukturen der Grabanlage bezeichneten sie als einzigartig im norddeutschen Raum. Man vermute, dass es sich hier um den südwestlichen Ausläufer einer größeren Siedlung handele. Das Ende der ersten Siedlung datierten die Archäologen auf circa 400 n. Chr. und den Beginn der Eschbewirtschaftung auf etwa 1000 n. Chr. Dazwischen klaffe eine Lücke, über die man keine genauen Kenntnisse habe. Kaltofen berichtete, dass die Fundstelle in Walchum das dritte bekannte Gräberfeld im Emsland sei und dadurch die Wissenslücke über die Siedlungen aus der römischen Kaiserzeit ein bisschen kleiner werde.

Die in Parzellen abgesteckten Flächen wurden nach und nach bis zu einer Tiefe von 1,50 Metern freigelegt. Am Bischofsweg entdeckten die Archäologen ein Gräberfeld. Runde Verfärbungen im Boden deuteten auf Pfosten und damit auf eine Einfriedung eines geplanten Friedhofes hin.

Bei den Gräbern handelt es sich um Feuerbestattungen in Urnen aus Ton oder auch in organischen Behältnissen wie Leder, Stoff oder Holz, datiert auf ca. 500 bis 300 v. Chr. In Walchum wurden sechs Urnen sichergestellt. In einer Urne befand sich ein Tonbecher mit einer Totenbeigabe – vielleicht ein religiöser Brauch für die Reise ins Jenseits.

Die Urnen befanden sich zwischen den zahlreichen Eschgräben. Die Gräben sind durch die Düngung des Eschbodens entstanden. Im Mittelalter haben die Bauern abgestochene Gras- oder Moorplaggen in die Viehställe eingebracht, und der dadurch entstandene Dung wurde in bis zu 40 Zentimeter tiefe Gräben im Eschboden mit dem Eschsand vermischt und als Dünger verstreut.

Außer den Urnen wurden in Walchum sieben Hügelgräber in Kreis- oder schiefen Rechteckstrukturen mit neun Leichenbrandkonzentrationen und menschlichen Knochenresten gefunden, datiert auf das 1. Jahrhundert n. Chr. Diese Gräber wurden jedoch ebenfalls im Mittelalter durch die landwirtschaftliche Bearbeitung zerstört.

Im nördlichen Teil des Areals förderten die Archäologen schwarzbraun verfärbte runde und längliche Flecken zutage. Durch weitere Untersuchungen konnten sie eine Ansiedlung aus der römischen Kaiserzeit mit Wirtschaftsgebäuden, Hausstellen, Einfriedungen, Feuerstellen und Gruben nachweisen. Bei den Gebäuden lassen Struktur und Tiefe der Pfosten auf eine zweigeschossige Bauweise schließen.

Römer-Münzen aus Trier

In den Hausstellen wurden sieben Münzen aus der römischen Kaiserzeit gefunden. Die älteste datiert aus 26 n. Chr. Zwölf Münzen wurden zwischen den Jahren 263 und 265 in Trier geprägt. Außerdem wurden ein Schmuck-Fingerring, ein Eisennagel, zwei Musketenkugeln sowie eine rötliche Glasperle mit gelbem Perlauge gefunden. Ein weiterer Fund ist eine bronzene Schale, die möglicherweise den Schild eines römischen Soldaten zierte.

An Haushaltsgeräten entdeckten die Grabungsexperten einen Abstandshalter (für Töpfe) und einen Spinnwirtel aus Ton, der als Schwunggewicht bei der Verspinnung von Wolle benutzt wurde. Außerdem fand man Reste von Lavagestein, die einmal als Getreidemühle dienten. Der nächstgelegene Fundort für Lavagestein ist in der Eifel. Zudem ließen sich aus mehr als 1000 geborgenen Tonscherben – drei Scherben waren verziert – zwei Gefäße teilweise rekonstruieren. Zahlreiche Zähne von Schweinen und Rindern runden die Liste der Funde und Befunde ab.

Die Funde werden in Vechta restauriert und konserviert und dann im Kreismuseum in Meppen archiviert.

Ein Zusammenhang zwischen den Menschen im Gräberfeld und der Siedlung der römischen Kaiserzeit lässt Melisch zufolge ohne weitere wissenschaftliche Untersuchungen ebenso wenig herstellen wie ein Bezug zum heutigen Ort Walchum. Die Archäologin ist aber fest davon überzeugt: „Was wir hier gefunden haben, kann nicht alles sein.“


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