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Wippinger Bürger bei Landrat Burgdorf 3508 Unterschriften: Der Wolf sorgt für Angst im Emsland

Von Mascha Abeln | 11.06.2021, 17:48 Uhr

Einen Ordner voller Unterschriften haben Kathrin und Johannes Hempen sowie ihre Begleiter am Freitag in Meppen an Landrat Marc-André Burgdorf übergeben. Damit soll ein Antrag auf Abschuss der Wölfe bei Wippingen unterstützt werden.

Kathrin und Johannes Hempen nutzen gemeinsam mit sechs weiteren Mitbürgern aus Wippingen die Unterschriftenübergabe im Kreishaus auch dazu, um über die Situation in ihrem Heimatort zu sprechen. Denn inzwischen mache man sich dort nicht mehr nur um die Nutztiere sorgen: "Wir trauen uns nicht, unsere Kinder auf unserem Hof herumlaufen zu lassen - der Riss im Mai fand direkt an unserem Grundstück statt", beschreibt Kathrin Hempen die Situation auf dem Hof der Familie.

Und auch den anderen geht es ähnlich: Während Landwirt Christian Koers berichtet, dass er und viele andere ihre Kühe derzeit trotz des sommerlichen Wetters lieber im Stall ließen, anstatt sie einer eventuellen Gefahr im Freien einer zusetzen, haben andere ihre Kinder, die mit dem Rad zur Schule fahren, mit Trillerpfeifen ausgestattet oder lassen sie gar nicht mehr alleine nach draußen.

Mehr als 3500 Unterschriften in neun Tagen gesammelt

3508 Unterschriften, die den Landkreis zum Handeln auffordern, habe man in lediglich neun Tagen gesammelt, wie Kathrin Hempen erläutert: "Nicht nur die Wippinger selbst haben unterschrieben, sondern auch viele Menschen aus Nachbarorten." Denn: Das Problem beschränke sich nicht auf Wippingen, sondern betreffe auch andere Gemeinden im Umfeld der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD 91), die ebenfalls vermehrt Wolfsichtungen in Wohngebieten vermeldeten.Nabu: Bislang kein Fall, bei dem ein Mensch angegriffen wurde

Der Regionalverband des Nabu bezieht in einer Pressemitteilung Stellung zu dem Thema: „Grundsätzlich können wir die Ängste der Anwohner verstehen“, so Erhard Nerger, Vorsitzender des Nabu Emsland /Grafschaft Bentheim. „Wölfe sind beeindruckende Tiere, vor denen man auch Respekt haben kann und muss. Tatsächlich hat es jedoch bisher in Deutschland seit der Wiederbesiedlung durch den Wolf aber noch nicht einen einzigen Vorfall gegeben, bei dem ein Mensch angegriffen wurde“, erklärt Nerger weiter.

Ähnlich ordnete der Wolfsberater Hermann Fehnker das Geschehen in Wippingen während des Gesprächs im Kreishaus ein, wenngleich er die Sorgen der Anwesenden ernst nahm und weitere Aufklärungsarbeit leisten will. So sei es nicht ungewöhnlich für einen Wolf, sich Häusern und Gärten zu nähern. Unnatürlich werde es erst, wenn er sich auch Menschen nähere.

Wolfberater und Landrat: Vergrämen statt Abschuss

Die Vergrämung des Wolfs sehen Wolfsberater Fehnker und Landrat Burgdorf daher als das Mittel der Wahl für ein aktives Wolfsmanagement vor Ort. Dies bedeute, so Landrat Burgdorf, dass geeignete Personen vor Ort mit Gummigeschossen ausgestattet werden, um den Wolf aus dem Gebiet der Menschen zu vertreiben, und begründet diesen Weg so: "Da eine Entnahme, also ein Abschuss, ein Nachkommen neuer Wölfe zur Folge haben kann, ist das Vergrämen die nachhaltigere Alternative."

Kameras werden aufgestellt

Um die Voraussetzungen für das Vergrämen zu erfüllen, fuhr Fehnker direkt im Anschluss mit einem weiteren emsländischen Wolfsberater nach Wippingen, um dort Kameras an geeigneten Orten aufzustellen. Diese sollen den Wolf in der Nähe der Wohngebiete zeigen und senden ihre Bilder direkt an das zuständige Ministerium nach Hannover. Die Vergrämungsmaßnahmen könnten dann, so der Wolfsberater, voraussichtlich schon in etwa zwei Wochen beginnen.

Kundgebung am Samstag

In Wippingen selbst will man indes weiter aktiv auf das Thema aufmerksam machen: Die von Landwirten gegründete Vereinigung "Land schafft Verbindung" lädt am Samstag, 12. Juni 2021, zu einer Kundgebung um 16 Uhr auf dem Schützenplatz ein.