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„Nicht 40 Jahre mit gleichem Standard“

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Das Interview mitDaniel Fischlin, technischer Projektleiter für das von der Schweizer BKW geplante Kohlekraftwerk in Dörpen, hat folgenden Wortlaut:

Eine Forderung der Bürgerinitiative „Saubere Energie Dörpen“ und der CDU in Dörpen ist die Einhausung des Kohlelagers und der Transportwege. Wie ist der Stand der Dinge?

Definitiv: Wir werden das gesamte Kohlelager und die Transportwege einhausen. Das müssten wir nicht so machen, und das ist auch mit Mehrkosten von einigen Millionen Euro für das Projekt verbunden. Aber die Gespräche mit den Bürgern haben uns bewusst gemacht, dass mögliche Kohlestäube für Ängste sorgen. Wir hoffen, dass dadurch auch die Akzeptanz für das Gesamtprojekt ein wenig befördert wird.

Wie groß werden die eingehausten Flächen sein?

Es gibt die Möglichkeit der Hallen, wir denken aber eher an den Bau von Silos. Dafür gibt es zwei Varianten: ein Silo mit einem Durchmesser von 50 Metern und 60 Meter Höhe und einem Fassungsvermögen von 80000 Tonnen oder ein Kreislager mit einem Durchmesser von 120 Metern und 30 bis 40 Meter Höhe. Diese Form der Einhausung ist nicht neu, es gibt in Europa bereits erfolgreiche Beispiele dafür.

Es gibt die Vorgabe, nur Kohlesorten zu verwenden, die einen bestimmten Schwermetallgehalt nicht überschreiten. Inwieweit geben die Kraftwerksplaner hier eine Zusage?

Auch hier kann ich eindeutig antworten: Wir werden uns bei den Genehmigungsbehörden eindeutig verpflichten, nur Kohle mit einem genau bestimmten Maximal-Schwermetallgehalt zu verwenden.

Hat das auch Auswirkungen darauf, aus welchen Regionen die Kohle nach Dörpen transportiert werden müsste?

Das kann ich so nicht sagen. Ich gehe davon aus, dass die Kohle aus vielen Bereichen kommt und dann entsprechend gemischt wird.

Beim Thema Emissionen hat die CDU Dörpen von Ihnen verlangt, die gesetzlich festgelegten Grenzwerte deutlich zu unterschreiten. Wie interpretieren Sie diese Forderung, und wird mehr unternommen, als gesetzlich erforderlich ist?

Wir haben uns verpflichtet, die gesetzlichen Emissionshöchstgrenzen um 50 Prozent im laufenden Betrieb zu unterschreiten. Das wird in der Betriebsgenehmigung so festgeschrieben. Das bedeutet für Feinstaub 10 statt 20 Milligramm pro Normkubikmeter, für Schwefel 70 statt 200 und NOX 80 statt 200 und für Quecksilber eine Senkung der Höchstgrenze von 0,03 auf 0,015. Wir sind damit am heute technisch machbaren absoluten Maximum angekommen, was die Reduzierung dieser Werte betrifft. Die Werte für Schwefel- und Stickoxid, Feinstaub und Quecksilber sind als Tagesmittelwerte definiert. Wenn eine Komponente im Rauchgaspfad ausfällt, wird sofort reagiert. Ich will an dieser Stelle auch ruhig deutlich machen, dass unsere Maßnahmen zur Senkung der Emissionswerte und der Einhausung der Kohle das gesamte Projekt zwischen vier und fünf Prozent teurer werden lassen.

Die Kosten nehmen Sie nun in Kauf?

Ja. Wir können doch nicht als Firma hier herkommen und sagen, dass wir eine der besten Anlagen bauen wollen und dann auf solche Investitionen verzichten. Und mit Blick auf die Zukunft: Die Genehmigung für den Kraftwerksbetrieb wird für uns verpflichtend enthalten, dass wir bei der massiven Veränderung von Standards und Techniken dafür Sorge tragen müssen, diese auch in Dörpen einzusetzen. Im Übrigen erwarte ich auch, dass die Europäische Union in den kommenden Jahren noch striktere Vorgaben zum Thema Feinstaub machen wird. Kurzum: In Dörpen wird nicht ein Kraftwerk 40 Jahre lang mit dem gleichen Standard betrieben werden. Deshalb haben wir auch– wie schon mehrfach gesagt – in der Planung die Nachrüstung einer CO2 -Abspaltung vorgesehen. Diese ist Teil der Ausschreibung für die Lieferanten der Komponenten.

Die Menschen der Region beschäftigt auch die Frage, welche Folgen ein Störfall im Kraftwerk haben könnte, beispielsweise beim Versagen der Filteranlagen?

Wir werden von behördlicher Seite durch die Genehmigungen verpflichtet, unsere Messwerte rund um die Uhr online zur Verfügung zu stellen. Damit ist eine maximale Kontrolle gewährleistet. Wir könnten es uns gar nicht erlauben, auch nur eine Stunde mit einer Komponente, die ausfällt, das Kraftwerk weiterfahren zu lassen.

Und wie sieht es mit einer Nachrüstung der Kraft-Wärme-Koppelung für die Anbindung der Papierwerke aus?

Wir treffen alle Voraussetzungen, dass diese Anbindung jederzeit möglich ist.

Ebenso hat die CDU Dörpen die Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit eines Fernwärmenetzes gefordert. Wie weit sind hier die Überlegungen?

Wir haben ermittelt, dass ein solches Netz technisch machbar ist. Im ersten Schritt wäre eine Versorgung der öffentlichen Gebäude denkbar, im zweiten Schritt auch von Privathaushalten, beispielweise in Neubaugebieten. Damit könnten dann auch Privathaushalte von einer preisgünstigen Energieversorgung profitieren. Wir werden jetzt eine detaillierte Machbarkeitsstudie vornehmen.

Schauen wir auf das Zeitfenster. Bis wann erwarten Sie die nächsten Weichenstellungen?

Wir hoffen, dass wir bis zum Jahresende den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan vorliegen haben. Anschließend wird es dann die öffentlichen Erörterungstermine nach Bundesimmisionschutz-Verfahren (BimSch) geben, die sicherlich wieder für Diskussionen sorgen könnten. Was den gesamten Zeitplan betrifft, gehe ich heute davon aus, dass die Inbetriebnahme nicht wie geplant 2014 erfolgen könnte, sondern erst 2015.

Was würde es eigentlich bedeuten, wenn die Planungen durch die Gemeinde jetzt abgebrochen würden. Gibt es in den Verträgen Passagen, wie hoch eine Regressforderungen durch Ihr Unternehmen bei einer Ablehnung der Bauleitplanung sein könnten?

Nein. Die Gemeinde hat immer klargemacht, dass sie sich bis zur endgültigen Entscheidung alle Optionen offenhalten will. Auf das Risiko, dass am Ende doch eine Ablehnung des Projektes erfolgen könnte, haben wir uns als Unternehmen trotz erheblicher Planungskosten, die bis heute bereits entstanden sind, eingelassen.

Zum Abschluss eine persönliche Frage, die auf die Vorwürfe an die Schweizer zielt, hier eine „Dreckschleuder“ zu bauen, statt bei sich in der Heimat. Würden Sie eigentlich in der Nähe eines Kohlekraftwerkes leben wollen?

Ich habe ein Jahr in China in der Region gelebt, die mit dem deutschen Ruhrgebiet vergleichbar ist. Da habe ich ganz andere Lebensverhältnisse erlebt. Ich habe keine Bedenken gegen unser Kraftwerk in Dörpen. Und zum Zweiten: Ich komme aus Luzern. Dort haben wir jedes Jahr im Sommer Probleme mit den Ozonwerten. Ich hätte also kein Problem, hierher zu ziehen, zumal ich auch immer wieder staune, wie grün das Emsland ist. Ich sehe keine Gefährdung, auch wenn ich mir sicher bin, dass die Mitglieder der Bürgerinitiative meine Worte zu diesem Thema wieder als zynisch empfinden werden, weil die Diskussion um unser Projekt extrem emotionalisiert ist. Mich macht es sehr nachdenklich, wie hier teilweise miteinander umgegangen wird. In dem Gästebuch auf der Gemeindeseite waren schon verdammt harte Sachen formuliert. Ich hätte mir beidseitig mehr Respekt gewünscht, da ich Respekt voreinander bei allen unterschiedlichen Sichtweisen für einen der wichtigsten Bestandteile einer funktionierenden Demokratie halte.


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