Statt Hoferbe oder Offizier Heeder Pastor Johannes Brinkmann ist seit 70 Jahren Priester

Auch im Alter von 95 Jahren noch als Priester aktiv: Pastor Johannes Brinkmann in Heede.Auch im Alter von 95 Jahren noch als Priester aktiv: Pastor Johannes Brinkmann in Heede.
Anna Heidtmann

Heede. Johannes Brinkmann ist 1951 zum Pastor geweiht worden und nun mit 95 Jahren der älteste aktive Priester des Bistums Osnabrück. Über seine 70 Jahre im Dienst für Gott und die Menschen weiß er einiges zu erzählen.

70 Jahre Priester – dieses besondere und sehr seltene Jubiläum feiert am 30. November 2021 Pastor Johannes Brinkmann aus Heede. Dass sein Lebensweg ihn einmal zum Priestertum führen sollte, sei nicht immer klar gewesen.

„Mit 17, 18 Jahren, als der Zweite Weltkrieg tobte, war ich noch nicht so weit. Ich hatte noch Flausen im Kopf und wollte Offizier werden“, erinnert sich der 1926 in Lingen geborene Geistliche. Zu einem kurzen Einsatz an der Front kam es in den letzten Kriegstagen. „Wir wurden beordert, den Alliierten entgegenzugehen“, erinnert sich der Ruhestandspfarrer. Auf der Höhe von Hamm sei es zu einem Aufeinandertreffen mit den Panzern des Kriegsgegners gekommen.

Nachts über jede Menge Zäune und Gräben gesprungen

„Wir waren nur Kanonenfutter“, erzählt Brinkmann. Schon bald sei der Befehl zum Rückzug erfolgt. „Ich bin in meinem ganzen Leben nicht über so viele Zäune und Gräben gesprungen wie in dieser Nacht“, beschreibt der 95-jährige den Abmarsch seiner Gruppe, die sich in den darauffolgenden Tagen immer mehr auflösen sollte.

„Mein Onkel wollte aus mir einen Bauern und Hoferben machen.“Pastor Johannes Brinkmann


Der damals 19-jährige Soldat kam bei Verwandten in der Nähe von Bad Iburg unter. Auf dem Hof des Onkels und der Tante, die kinderlos waren, arbeitete er als landwirtschaftlicher Gehilfe. „Mein Onkel wollte aus mir einen Bauern und Hoferben machen, und meine Tante sah in mir einen guten Ehemann für die angenommene Tochter“, schmunzelt der Kleriker. Die Rechnung sei allerdings nicht aufgegangen. 

Als der Krieg zu Ende und die größte Gefahr vorüber war, habe er immer mehr die Nähe Gottes gespürt. „Ich war dankbar, dass ich heil aus dem Krieg heraus gekommen war und niemanden hatte erschießen müssen, so der Pensionär. Immer öfter habe er sich gefragt „Was sollst du - und nicht - was willst du werden?“. „So kam ich auf den richtigen Dreh und sagte ,Ja' zu dem, was ich spürte“, erzählt der Geistliche.

Es folgten ein Theologiestudium an der Universität Münster, das Priesterseminar und die Priesterweihe am 30. November 1951 in Osnabrück. „Meine Magennerven spielten total verrückt, so aufgeregt war ich“, erinnert sich Pastor Brinkmann an seinen Weihetag. 

Sammlung Brinkmann
Johannes Brinkmann bei seiner Primizfeier am 8. Dezember 1951 in der Propsteikirche St. Vitus in Meppen

Einen Weihespruch für sein priesterliches Wirken hatte er damals nicht. Sein Gnadenjubiläum stellt er indes unter das Leitwort „Ich will dir danken, Herr, aus ganzem Herzen.“ (Psalm 9,2). Gottes Ruf habe ihm zu einem erfüllten Leben geführt. 

Zu den Stationen seines langen Priesterlebens zählt der Jubilar seine Wirkungsstätten als Kaplan, Pfarrer sowie als Diözesan-Frauenseelsorger. Seit vier Jahrzehnten, und damit mehr als die Hälfte seines Priesterdaseins, lebt und wirkt der Geistliche in Heede. 19 Jahre lang als hauptamtlicher Pfarrer und seit dem Jahr 2000 als Ruhestandspfarrer. 

Entwicklung der Priesterzahlen im Bistum Osnabrück

Die Zahl der Priesterweihen war nach Auskunft des Bistums Osnabrück in den 1950er Jahren sehr hoch, teilweise über zwei Dutzend Weihen in einem Jahrgang. Danach flachten die Zahlen wieder ab. Eine weitere Spitze war dann in den 1980er Jahren. Danach sank die Zahl der Weihekandidaten rapide. Im Bistum Osnabrück fanden 2019 erstmals keine Priesterweihen statt. 2020 wurden zwei Priester geweiht, 2022 wird es einer sein.

Selbst heute ist Pastor Brinkmann noch ein gefragter Seelsorger und Beichtvater. Viele seiner priesterlichen Wegbegleiter hat er überlebt. Vor einigen Jahren sei auch er schwer krank gewesen und habe damit gerechnet, dass er sterben würde. „Ich freute mich sogar darauf, aber dann kam ich doch wieder“, lächelt Brinkmann. „Fast so wie bei einem Konzert, bei dem es am Ende eine Zugabe gibt.“

Die Entscheidung, Priester zu werden, hat Pastor Brinkmann trotz des ständigen Wandels in der Katholischen Kirche zu keiner Zeit bereut. „Wenn jemand Priester werden will, dann muss er den Willen Gottes für sich hören können und ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele folgen, so wie ich es getan habe“, erklärt der Heeder Geistliche. 

Aufhebung des Zölibats ist keine Lösung

Seiner Meinung nach ist die Aufhebung des Zölibats keine Lösung, um dem dramatischen Priesterschwund zu begegnen und Missbrauch zu verhindern. Damit falsche Selbsteinschätzungen in Bezug auf ihre Berufung und Eignung verhindert werden, befürwortet der Ruhestandspfarrer vielmehr eine psychologische und persönliche Begleitung der Anwärter für das Priesteramt.


„Ich habe keine Wünsche mehr, Gottes Wille soll geschehen.“Pastor Johannes Brinkmann


Pastor Brinkmanns Wunsch für die Katholische Kirche: „Dass bei allem Wandel die Kirche sichtbar bleibt, die Jesus gegründet hat, die katholisch ist, auch wenn sie kleiner wird und nicht Volkskirche bleibt.“ Für die Kirche in seiner Wahlheimat Heede wünscht er sich, „dass Heede weiterhin eine Gebetsstätte bleibt, wo viele Menschen Glauben, Trost und Hoffnung erfahren“. Und für sich selbst? „95 Jahre alt werden und immer noch seelsorgerisch tätig sein können, das ist eine Gnade“, sagt der Jubilar. „Ich habe keine Wünsche mehr, Gottes Wille soll geschehen.“

Anna Heidtmann
Pastor Brinkmann hofft, dass die Gebetsstätte in Heede noch lange erhalten bleibt.

Am 2. Adventssonntag, 5. Dezember 2021, feiert die Kirchengemeinde um 10.45 Uhr in der Marienkirche das Festhochamt anlässlich des Gnadenjubiläums von Pastor Brinkmann. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen wird die Feier auch in die Petrus-Kirche übertragen und kann ebenfalls über den Livestream des You-Tube-Kanals „Pfarreiengemeinschaft Maria Magdalena“ mitgefeiert werden.


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