Team aus Osnabrück forscht Wissenschaftler untersuchen: Wie alt ist Heede wirklich?

Ein Team mehrerer Wissenschaftler untersucht derzeit den Boden im Umfeld der "1000-jährigen Linde" in Heede – auf der Suche nach der "Motte" und der "Schärpenburg". Foto: Mirco MoormannEin Team mehrerer Wissenschaftler untersucht derzeit den Boden im Umfeld der "1000-jährigen Linde" in Heede – auf der Suche nach der "Motte" und der "Schärpenburg". Foto: Mirco Moormann 

Heede. Ein Team mehrerer Wissenschaftler ist derzeit in Heede unterwegs auf der Suche nach zwei alten Bauwerken. Sie durchsuchen den Boden an der sogenannten 1000-jährigen Linde nach der "Schärpenburg" und einer "Motte" – um danach zu bestimmen, wie alt der Ort wirklich ist.

Eine genaue Bestimmung des Alters der Emskommune gibt es nicht. Erste Erwähnungen gehen zurück, "etwa auf das Jahr 900", sagt Otto Flint, stellvertretender Bürgermeister und Heimatforscher aus Heede, beim Ortstermin an der alten Linde. Im Mittelalter haben dort die "Schärpenburg" und eine "Motte" gestanden, eine Art Festung und ein Wehrturm. 

Genauere Daten und auch einen möglichen Standort der alten Gebäude wollen die Wissenschaftler Malte Schwickert und Andreas Stele von der Universität Osnabrück liefern. Der Historiker und der Geograph sind mit einem Team nach Heede gekommen, um in einem ersten Schritt gemeinsam den Boden zu untersuchen. 

Mit einem speziellen Bohrer entnehmen Malte Schwickert (links) und Andreas Stele die Bodenproben. Foto: Mirco Moormann


Bei der Magnetprospektion wird die Fläche mit einem Spezialgerät abgelaufen und so "in den Untergrund geschaut", wie Stele sagt. Mithilfe der Technik können Steine, Ziegel und Metallstücke entdeckt werden. "Im Idealfall finden wir eine Holzkonstruktion", sagt Stele weiter und blickt auf die Fläche hinter dem Gebäude des Schützenvereins. Dort soll eine "Motte", ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude, gestanden haben. 

Nachdem die Fläche erfasst worden ist, wird per Computer ein sogenanntes Magnetogramm erstellt, auf dem sich die Wissenschaftler Hinweise auf historische Gebäude erhoffen. In ihre Untersuchungen fließen zudem historische Schrift- und auch Bilddokumente mit ein. So gibt es eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1937, auf dem ein schwarzer Fleck zu sehen ist, der für den Standort einer Motte spreche, so Schwickert. Zusammen ergibt sich so ein genaueres Bild. Die Wissenschaftler wagen auch den Eingriff in den Boden. 


Andreas Stele zeigt einige Bohrproben, die ausgewertet worden sind. Foto: Mirco Moormann


Bei Bohrungen werden Proben aus der Erde entnommen. Falls dabei tatsächlich Anomalien in Form von Überbleibseln aus der Vergangenheit gefunden werden, die auf eine Besiedlung oder Bebauung hinweisen, werden diese im Anschluss genauer untersucht. Hierfür kann auch auf die Radiocarbonmethode zurückgegriffen werden, wie Stele, dessen Forschungsschwerpunkte in der Geoarchäologie und Geophysik liegen, betont. 



Doch die Suche gestaltet sich nicht so einfach. Wie Schwickert betont, ist das Areal am Schuckenbrockgraben im Laufe der vergangenen Jahrhunderte genutzt und überformt worden. Deshalb müsse man sich durch die Schichten der Zeit arbeiten, um bei einem Fund auch das richtige Alter Heedes bestimmen zu können. Sollte sogar ein größerer Fund gemacht werden, könnten auch weiterführende archäologische Grabungen anstehen.

 

Behutsam nimmt Andreas Stele (links) mit Malte Schwickert eine Probe aus einer Bohrung, die mit der Radiocarbonmethode untersucht werden soll. Foto: Mirco Moormann


Hilfe aus der Luft bekommen die Forscher aus Osnabrück dabei von einem Kollegen aus den Niederlanden. Der Geologe Harm Bartholomeus von der Uni Wageningen wird am 18. April mit einer speziellen Drohne über dem Gebiet kreisen – und dabei die Topografie der Landschaft genau erfassen. Aus diesen Lasermessungen entsteht wiederum ein mehrdimensionales Modell, dass Aufschlüsse über mögliche alte Gebäude bringen soll. 

Besonders bei der Suche nach der "Schärpenburg", deren mögliche Überreste in einem Waldstück hinter der alten Eiche vermutet werden, soll die Drohne helfen. Dort kann, so Stele, aufgrund des starken Bewuchses, die Magnetprospektion nur bedingt angewandt werden. Bei der "Schärpenburg" handelt es sich laut Otto Flint aber nicht um eine Burg im klassischen Sinn. Es sollen mehrere Gebäude, arrangiert um ein Herrenhaus, gewesen sein. Die Errichtung geht auf das 11. oder 12. Jahrhundert zurück, eine Erweiterung könne gegen 1500 gebaut worden sein. 

"Schärpenburg" 1673 zerstört

Bekannt ist, dass sie im Jahr 1673 bei einem Angriff der Niederländer zerstört und nicht wieder errichtet wurde. Auch die Motte könnte diesem Angriff zum Opfer gefallen sei, so Schwickert, der sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit der Biographie von sogenannten Konfliktlandschaften wie auch in Heede befasst. Erst nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen sind, rechnen die Wissenschaftler bis zum Herbst mit einem Ergebnis. Sofern nutzbare Exponate in der Erde gefunden werden, könne dann feststehen, wie alt Heede ist. 

Bürgermeister Antonius Pohlmann ist gespannt auf das Ergebnis. "Wir befinden uns in einem Vakuum und wollen es endlich wissen." Sein Dank gilt aber schon jetzt den Wissenschaftlern, die "eine sehr spannende, aber auch komplizierte Arbeit machen", so der Bürgermeister. 


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