Baby kommt in Wohnzimmer zur Welt Juna hatte es besonders eilig: Ungeplante Hausgeburt in Dörpen

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Zufrieden, entspannt und erfreut über die fixe Geburt der kleinen Juna im eigenen Wohnzimmer sind ihr Vater Dominik Kapper, Mutter Sarah Bloem und Hebamme Sandra Wildermann-Geuken. Foto: Maike PlaggenborgZufrieden, entspannt und erfreut über die fixe Geburt der kleinen Juna im eigenen Wohnzimmer sind ihr Vater Dominik Kapper, Mutter Sarah Bloem und Hebamme Sandra Wildermann-Geuken. Foto: Maike Plaggenborg

Dörpen. "Da!", sagt Sarah Bloem aus Dörpen und zeigt auf den Boden vor der Eckcouch in ihrer Wohnung. Das ist die Antwort auf die Frage, wo sie ihr Kind bekommen hat. Es war nicht geplant, am Ende aber mehr als gewollt. Dabei gibt es heute kaum noch Hausgeburten.

Es stehen noch alle Zeichen auf eine recht frische Geburt im Haus von Bloem und ihrem Lebensgefährten Dominik Kapper. Draußen hängt noch die Wäscheleine mit den Stramplern und einem Bettlaken. "Herzlich willkommen, Juna!", steht da drauf. Dazu zwei Störche, einer kommt von der Clique, sagt Kapper.

Foto: Maike Plaggenborg

Drinnen dekoriert noch eine Windeltorte den Esstisch am Geburtsort des kleinen Mädchens. Zehn Tage ist Juna nun alt, und dass sie auf dem Boden im Wohnzimmer zur Welt kommt, war nicht vorgesehen, ein Krankenhausaufenthalt allerdings auch nicht. Bloem wollte von vornherein nur einen ambulanten Aufenthalt, das Hospital also nach der Geburt wieder verlassen. 

Foto: Maike Plaggenborg

Aber es kam anders. Gegen drei Uhr in der Nacht platzt ihre Fruchtblase. "Dann ging es langsam los mit den Wehen", sagt die 29-Jährige. Große Gedanken macht sie sich da noch nicht. Auch bei ihren vorherigen beiden Kindern habe sich alles ziemlich hingezogen. Gegen 4.30 werden die Wehen stärker. Kapper und Bloem denken schon nicht mehr an eine Autofahrt ins Krankenhaus. In dieser Nacht sind es etwa minus sieben Grad, Glätte nicht ausgeschlossen. Viel zu riskant. Stattdessen ruft Bloem ihre Hebamme an. Sandra Wildermann-Geuken macht sich aus Aschendorf auf den Weg. Um kurz nach fünf kommt sie an, um 5.22 Uhr kommt das Baby.

Zuhause frei bewegen

Für Bloem war die Geburt im heimischen Wohnzimmer zwar nicht geplant. Im Nachhinein aber sagt sie, dass es zuhause eine "ganz schöne Atmosphäre" war. Man fühle sich wohl und sei entspannt. Auch für Kapper, der nun zum ersten Mal Vater geworden ist, war es ein schönes Erlebnis. Seine Frau habe sich zuhause frei bewegen können. Im Krankenhaus seien die Mütter an Orte gebunden, etwa an die Wanne oder das Bett. Dort werde man obendrein von einer fremden Hebamme betreut, ergänzt Bloem. "Im Krankenhaus ist man auch in guten Händen, aber so ist es schöner."  

Hebamme Sandra Wildermann-Geuken mit er kleinen Juna. Foto: Maike Plaggenborg

Bloem würde es bei einem nächsten, dem vierten Kind am liebsten genauso wieder machen. Und mit derselben Hebamme. Das allerdings ist unrealistisch. Wildermann-Geuken ist eine von den vielen Hebammen, die keine Hausgeburtshilfe mehr leisten, seit die Beiträge für die Haftpflichtversicherung explodiert sind. Ausnahmen gelten, so wie bei Bloem und Kapper. "In Notfällen sind wir durch die Berufshaftpflicht versichert", sagt Wildermann-Geuken. Und Juna war ein Notfall – wenn auch nur zeitlich betrachtet.

Foto: Maike Plaggenborg

Die Aschendorferin würde das aber gerne wieder häufiger erleben. "Ich hab jahrelang Hausgeburtshilfe gemacht", sagt sie. Heute würden Mütter in einem Umkreis von 40 bis 80 Kilometern gerade eine Hebamme finden, die das noch leisten könne. Die Beitragszahlungen liegen derzeit bei 8500 Euro jährlich und steigen in 2020 auf 9000 Euro. "Wir müssen gesponsert werden", sagt Wildermann-Geuken und betont: "Frauen dürfen den Geburtsort frei wählen" – soweit die rechtliche Situation. Aber wegen der hohen Prämien gehe es nicht. "Das ist so schade."

Arzt könnte eingreifen, "um ein Riesenunglück zu verhindern"

Ein weniger großer Befürworter von Hausgeburten allerdings ist Dr. Franz Koettnitz, Chefarzt der Gynäkologie am Marien Hospital Papenburg Aschendorf. Wie er sagt sind sie, "was die Ungestörtheit und die Intimität des Vorganges betrifft, eine ganz tolle Sache." Aber: "Eines kann Hausgeburt nicht, egal wie gut eine Hebamme ist, die dabei ist: eine ganz geringe Zahl von Notfällen so beherrschen, dass Mutter und Kind absolut sicher durch die Geburt kommen." Koettnitz verneint Hausgeburten wegen dieser "ganz wenigen Fälle", stellt sich aber idealerweise eine "Situation wie bei einer Hausgeburt, aber im Krankenhaus" vor. Hebamme und Mutter sollten dabei alleine sein, wie er sagt. Im Notfall könne ein Arzt dann "innerhalb von Minuten" eingreifen, "um ein Riesenunglück zu verhindern".


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