Ärger über Fahrtkosten für Schulweg Darum wirft Kluser Ortsbrandmeister die Brocken hin

Meine Nachrichten

Um das Thema Dörpen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Persönlich nachgemessen hat Wilhelm Liesen den Schulweg seines zwölfjährigen Sohnes. Foto: Gerd SchadePersönlich nachgemessen hat Wilhelm Liesen den Schulweg seines zwölfjährigen Sohnes. Foto: Gerd Schade

Kluse. Mehr als 20 Jahre ist Wilhelm Liesen Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Kluse gewesen. Damit ist nun Schluss. Von einem auf den anderen Tag hat er die Brocken hingeworfen. Liesen sieht sich zu dem Rücktritt gezwungen. Mit der Feuerwehr, aus der der 51-Jährige gleich mit ausgetreten ist, hat die Demission aber nichts zu tun. Der Grund liegt ganz woanders, wie Liesen im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt.

Der dreifache Familienvater aus dem Kluser Ortsteil Ahlen ist sauer, weil der Landkreis Emsland für seinen zwölf Jahre alten Sohn, der seit dem Sommer die siebte Klasse des Gymnasiums Dörpen besucht, keine kostenlose Busfahrkarte mehr gewährt. Deshalb könne er sein Ehrenamt, das ihm stets Freude bereitet habe, nicht länger ausüben. Er brauche die Zeit jetzt, um das Fahrtgeld – rund 30 Euro im Monat – für seinen Sohn und gegebenenfalls für seine weiteren Kinder zu verdienen, argumentiert er.

„Sohn sozial ausgegrenzt“

Darüber hinaus sieht Liesen seinen Sohn sozial ausgegrenzt. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt Liesen. Der Zwölfjährige sei schließlich der einzige Schüler aus Kluse, dem die Busfahrkarte verwehrt werde. Begründung: Sein Schulweg ist zu kurz. Laut Satzung für die Schülerbeförderung im Emsland, die der Landkreis im Juni beschlossen hat, werden Fahrtkosten für Schüler der Jahrgänge sieben bis zehn nur dann erstattet beziehungsweise übernommen, wenn der Schulweg länger als 3,85 Kilometer ist. Für die Schuljahrgänge fünf und sechs gilt eine Entfernung von drei Kilometern.

235 oder 60 Meter zu kurz

Wie Kreissprecherin Anja Rohde, die auf die „klare Regelung“ in der Satzung zur Schülerbeförderung verweist, erklärt, beträgt die Adresse von Liesens Wohnung zum Gymnasium Dörpen exakt 3615 Meter, ist also 235 Meter zu kurz für eine kostenlose Beförderung. Wilhelm Liesen zweifelt die Angabe ein. Eine eigene Messung hat nach seinen Worten ergeben, dass lediglich 60 Meter fehlen. „Wenn mein Sohn zur benachbarten Oberschule ginge, wäre die erforderliche Distanz erreicht“, sagt Liesen.

Ausnahme möglich

Die Entfernungsregelung lässt aber auch eine Ausnahme zu. Rohde zufolge besteht sie laut Satzung begründet für den Fall, „wenn der Schulweg eine besondere Gefährdung für den Schüler darstellt“. In solchen Fällen könne ein Antrag auf Prüfung eines gefährlichen Schulwegs beim Landkreis gestellt werden. „Ein Gutachterausschuss, besetzt mit Vertretern von Polizei, des Kreiselternrats, der Straßenverkehrsbehörde sowie – je nach Straße – Vertretern von Gemeinde, Kreis und Land, entscheidet dann über diese Fälle.“ Es stehe den Erziehungsberechtigten frei, einen Antrag auf Anerkennung eines gefährlichen Schulwegs zu stellen.

Das hat Liesen nach eigenem Bekunden inzwischen getan. Denn aus seiner Sicht ist der Schulweg durchaus gefährlich, unter anderem weil der Radweg entlang der Ahlener Straße weitgehend im Dunkeln liege („zwei Kilometer ohne Straßenbeleuchtung“) und die Straße stark befahren sei. Große Hoffnung, dass der Antrag bewilligt werde, mache er sich aber nicht, sagt der 51-Jährige.

Bedauern bei der Samtgemeinde

Liesen beklagt überdies eine mangelnde Wertschätzung des Ehrenamtes. Seit 1984 gehörte Liesen der Feuerwehr an, seit 1997 war er Ortsbrandmeister.

Der Dörpener Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken (CDU) bedauert Liesens Schritt. „Seine Entscheidung hat nichts mit der Feuerwehr in der Samtgemeinde Dörpen oder mit der Samtgemeindeverwaltung zu tun. Dennoch blieb uns keine andere Möglichkeit, als seinen Entschluss zu akzeptieren“, erklärt Wocken auf Anfrage. Liesen sei ein sehr guter und engagierter Feuerwehrmann gewesen, „mit dem wir sehr gut und auch gerne zusammengearbeitet haben“. Voraussichtlich in der kommenden Woche wird ein neuer Ortsbrandmeister gewählt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN