Herde von Landtagsvizepräsident Busemann Schafe in Dörpen gerissen: War es ein Wolf?

Aus einer Herde Bentheimer Landschafe, die in Dörpen weidet, sind acht Tiere gerissen worden. Symbolfoto: Tobias Böckermann/ArchivAus einer Herde Bentheimer Landschafe, die in Dörpen weidet, sind acht Tiere gerissen worden. Symbolfoto: Tobias Böckermann/Archiv

Dörpen. In einer Schafherde in Dörpen sind acht Tiere gerissen worden. Ob ein Wolf dafür verantwortlich ist, wird derzeit geprüft. Bei der Herde handelt es sich um Bentheimer Landschafe. Sie gehören dem Dörpener CDU-Landtagsabgeordneten und Landtagsvizepräsidenten Bernd Busemann.

Busemann bestätigte am Mittwoch auf Anfrage entsprechende Informationen unserer Redaktion. Demnach ereignete sich der Vorfall bereits Anfang Oktober.

Wie Busemann, der nach eigenen Angaben seit 30 Jahren das im Bestand bedrohte Bentheimer Landschaf züchtet, berichtete, wurden fünf Muttertiere und drei Lämmer getötet. „Alles spricht für einen Wolfsriss“, meinte der Politiker und berichtet von durchgebissenen Kehlen und weiteren blutigen Spuren. „Ein Hund schafft so etwas nicht“, zeigt sich der Züchter überzeugt. Der zuständige Wolfsberater und das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landeswirtschaftsbetriebes für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWKN) seien informiert. Das Wolfsbüro prüfe den Vorfall. Ein Ergebnis liege aber auch nach nunmehr drei Wochen nicht vor, sagte Busemann. „Eilt ja auch nicht, wir können ja warten, bis der Wolf die ganze Herde gefressen hat“, meinte der Politiker, der als Gegner der Ausbreitung des Wolfes gilt, süffisant.

Fall wird untersucht

Eine NLWKN-Sprecherin bestätigte am Nachmittag auf Nachfrage, dass der Fall gemeldet sei. Über Resultate könne sie aber noch nichts sagen. In der aktuellen Übersicht des NLWKN über Nutztierschäden sind die Schafe aus Dörpen allerdings bereits aufgelistet. Die Tabelle weist der Behörde zufolge alle gemeldeten Fälle von toten und verletzten Tieren in Niedersachsen aus, bei denen der Wolf als Verursacher gemäß der sogenannten „Richtlinie Wolf“ vom Wolfsbüro geprüft wurde. In der Richtlinie sind Ausgleichszahlungen für die Halter geregelt.

Die Herde in Dörpen besteht nach Busemanns Darstellung aus 70 bis 80 Muttertieren, die pro Jahr im Durchschnitt 1,5 Lämmer zur Welt bringen. Seine Schafe weiden auf knapp 20 Hektar „bester Natur“ zwischen Küstenkanal- und Emsbrücke. Bei der Fläche handele es sich um ein Landschaftsschutzgebiet, teils mit FFH-Status und Wald.

„Jungtier lebte noch“

„Bis zum 30. September zählte die Herde insgesamt 112 Tiere“, berichtet Busemann. Als er am 1. Oktober um 9 Uhr nach den Tieren gesehen habe, habe er schon von der Pforte aus die ersten drei toten Muttertiere und ein Lamm entdeckt. Das Jungtier sei „aufgebrochen“ gewesen, habe aber noch gelebt. Eine Tierärztin habe es eingeschläfert. In der versprengten Herde habe er später die weiteren Kadaver gefunden.

Busemann zufolge hat sich der Fall in Dörpen inzwischen herumgesprochen und sorge für Verunsicherung. Nach seinen Worten machten Gerüchte von weiteren Rissen an Rehkitzen und sogar einem Jungrind die Runde. „Bestätigt ist das aber nicht“, betonte der Züchter.

Immer mehr Meldungen

Falls es tatsächlich ein Wolf war, der seine Tiere gerissen hat, könne er sich durchaus vorstellen, dass es sich um ein Exemplar handelt, das sich wegen des Moorbrandes auf dem Bundeswehrschießgelände (Wehrtechnische Dienststelle 91) ein anderes Revier gesucht habe.

(Weiterlesen: Erstes Wolfsrudel seit 200 Jahren im Emsland nachgewiesen)

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte über Wolfssichtungen und (vermeintliche und tatsächliche) Risse von Nutztieren durch den Wolf.


Wölfe in Deutschland ernähren sich nach Angaben des NLWKN vor allem von Wildtieren wie Rehen, Wildschweinen und Rothirschen. Es können aber auch Nutztiere wie insbesondere Schafe, Ziegen und Gatterwild vom Wolf erbeutet werden.

Wenn beim Fund eines toten Nutztieres auf einer Weide der Verdacht besteht, dass ein Wolf beteiligt sein könnte, sollte laut NLWKN umgehend der zuständige Wolfsberater informiert werden. Die Wolfsberater dokumentieren den Fall mithilfe standardisierter Protokolle, machen Fotos und nehmen DNA-Proben. Sie schicken die Unterlagen an das Wolfsbüro des NLWKN, wo die Dokumentation ausgewertet und die DNA-Proben zur Untersuchung an ein Forschungsinstitut weitergeleitet werden.

Anhand aller vorliegenden Informationen stellt der NLWKN fest, ob ein Wolf Verursacher des gemeldeten Schadens ist und informiert den betroffenen Tierhalter bzw. die betroffene Tierhalterin schriftlich über das Ergebnis der Untersuchung.

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