Serie „Mein Job und ich“ Eiscafé-Chefin aus Dörpen kommt mit Eis-Produktion kaum nach

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Dörpen. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht diesmal Giada Faraon, Betreiberin des Eiscafé Venezia aus Dörpen, über die traditionelle Herstellung von Eis, die Vorlieben der Eisfreunde in der Emsgemeinde und ihren Vater Renato.

Frau Faraon, bei den heißen Temperaturen in diesem Sommer: Kommen Sie überhaupt nach mit der Eis-Produktion?

In diesem Jahr ist es wirklich extrem, eine so gute Saison hatten wir seit vielen Jahren nicht mehr. Vor allem sonntags waren in diesem Jahr manchmal alle unsere fast 180 Sitzplätze belegt. Dann sind wir hier mit bis zu acht Mitarbeitern pausenlos beschäftigt, für mich sind das nicht selten 14-Stunden-Tage. Die letzte ähnlich gute Saison war 2014.

Produzieren Sie jeden Tag Eis?

Es gibt Sorten, da ist das notwendig. Vanille zum Beispiel, weil das für fast alle Eisbecher benötigt wird. Erdbeer- und Schokoladeneis ist ebenfalls stark gefragt. Bei insgesamt 26 Sorten, die wir im Angebot haben, sind aber natürlich einige dabei, die nur alle zwei oder spätestens alle drei Tage nachproduziert werden müssen. Fruchteis zum Beispiel. Ab dem dritten Tag wäre das Eis zwar noch verwertbar, es verliert aber langsam den Geschmack, und die Optik leidet.

Was sind außer den schon genannten Eissorten die Renner in Dörpen?

Die Sorte Wassermelone essen viele sehr gerne. Bei Kindern ist Zuckerwatte-Eis der Renner. Die ist pink und deswegen bei Mädchen sehr beliebt. Bei den Eisbechern gehören der Erdbeerbecher und Spaghetti-Eis zu den beliebtesten. Und den Kiwi-Erbeer-Becher bestellen viele.

Wie viele Kilo Früchte oder wie viel Liter Sahne und Milch verbrauchen Sie durchschnittlich in der Woche?

Da kommt einiges zusammen. In den heißen Sommerwochen wie jetzt etwa 50 Kilo Erdbeeren, etwa 150 Kiwi, ungefähr 500 Liter Milch und etwa 100 Liter Sahne. Für einige Sorten, zum Beispiel Nuss oder Kokos, nutzen wir Pasten und Pürees, die wir von einem Hersteller aus Italien bekommen. Wobei man sagen muss: Die Eisherstellung war früher, als mein Vater Renato beispielsweise in den 1980er-Jahren begonnen hat, echte körperliche Arbeit. Damals gab es auch nur acht Eissorten. Heutzutage laufen Eismaschinen vollautomatisch, wichtig ist natürlich, die Zutaten passend einzufüllen. Die Rezepte stammen überwiegend von meinem Vater.

Wie sieht denn Ihr typischer Tagesablauf aus?

Wir öffnen um 10 Uhr, ab etwa 9 Uhr beginnen meine beiden festangestellten Mitarbeiter Carlos Scarpitta und Miguel Dossantos und ich mit den Vorbereitungen: Einer kümmert sich meistens ausschließlich um die Eismaschine und stellt Eis her, einer schält und schneidet die Früchte, und einer geht einkaufen. Wir bekommen zwar viele Sachen, zum Beispiel Milch, Sahne, Joghurt, Zucker oder auch Früchte. Dennoch gehe ich Früchte häufig frisch kaufen. Denn dann weiß ich, dass ich die passende Frische, Größe und Menge habe, die wir hier brauchen. In der Mittagszeit koche ich in der Wohnung über dem Eiscafé für mich und meine beiden Angestellten, die hier Kost und Logis frei haben, wir essen gemeinsam, und ich räume noch die Küche auf. Am Nachmittag kümmere ich mich dann meistens um die Eisbecher. Abends muss dann aufgeräumt und geputzt der Bürokram erledigt werden.

Was macht eine Eiscafé-Besitzerin im Winter?

Urlaub und Erholung. Ganz ehrlich: Nach acht bis neun Monaten Saison von Februar bis Oktober mit zwölf bis 14 Stunden Arbeit täglich inklusive Wochenenden ist das auch nötig. Ich lebe dann in Laveno am Lago Maggiore im Norden Italiens, dort lebt auch meine Mutter Loretta. Auch Carlos Scarpitta, der aus Italien stammt, und Miguel Dossantos, der Portugiese ist, sind dann bei ihren Familien in den Heimatländern. Mitte Februar kehren wir dann meistens zurück.

War der Beruf der Eiscafé-Besitzerin schon immer Ihr Traumberuf?

Ja und nein (lacht). Ich habe meinen Papa Renato, der sich leider sehr früh von meiner Mama getrennt hat, schon als Kind regelmäßig in den Oster- und vor allem den in Italein langen Sommerferien in Deutschland besucht. Er besaß in den 1990er-Jahren noch drei Eisdielen, in Dörpen, Garrel und Molbergen. Ich habe ihm früh dabei geholfen, kannte sämtliche Abläufe und auch die Eisherstellung. Als er dann vor zehn Jahren das Haus an der Hauptstraße 54, in dem wir heute auch noch sind, gekauft hat und der Umzug anstand, er aber gleichzeitig gesundheitliche Probleme bekam, musste ich mich nach dem Abitur entscheiden. Ich habe mich dann gegen Amerika entschieden, wo ich Kriminologie studieren wollte, und für Dörpen. Bereut habe ich es bisher nicht, es läuft wirklich gut hier.

Einige Eiscafés verkaufen auch Kuchen oder Waffeln, Sie nicht. Wieso?

Ich finde, man sollte sich auf das konzentrieren, was man gut kann. Und ich bin ehrlich gesagt keine gute Kuchenbäckerin. Das können die Bäckereien hier vor Ort besser, und das ist auch gut so. Man muss sich auch nicht unnötig gegenseitig Konkurrenz machen. Die Bäckereien verkaufen ja auch im Regelfall kein Eis. Und tiefgekühlten Kuchen zu verkaufen möchte ich nicht. Im Februar, wenn wir nach dem Winter wieder öffnen, oder ab Mitte September bieten wir Waffeln und Crêpes an. Der Teig muss jeden Tag wegen der frischen Eier frisch gemacht werden. Für die Teigherstellung oder auch Zubereitung bleibt während der Sommersaison aber keine Zeit. Das verstehen die Kunden aber auch. Was es natürlich gibt, ist Kaffee und Cappuccino. Die Kaffeebohnen bekommen wir aus Italien von der Marke Manuel.

Wie sehr ist Ihr Vater Renato noch ins Tagesgeschäft involviert?

Er war zuletzt leider mehrfach im Krankenhaus. Aber wenn er das nicht ist, dann ist er fast täglich hier, setzt sich dann an einen Tisch am Rande der Bedientheke, schaut uns zu und gibt ab und zu Ratschläge. Das Tagesgeschäft habe ich weitgehend übernommen, die wesentlichen Entscheidungen treffe ich, zum Beispiel auch bei den Angestellten. Ganz abgeben und zurück nach Italien gehen möchte mein Papa aber eben nicht. Das ist auch in Ordnung so.

Es läuft die 30. Saison des Eiscafé Venezia in Dörpen. Wird das irgendwie gefeiert?

Ja. Mein Papa hat den Vorschlag gemacht, an einem Nachmittag Eis zum Preis von damals zu verkaufen. Deswegen werden wir am Mittwoch, 22. August, nachmittags drei Kugeln zum Preis von 1 Euro verkaufen.


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