Mediziner aus Heede ergreift Initiative Erstmals hausärztliche Urlaubsvertretung in Papenburg, Dörpen und Rhede

Meine Nachrichten

Um das Thema Dörpen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Dankbar für die Initiative von Dr. Hans-Peter Leemhuis (rechts) sind (von links) Hermann Wocken, Gerd Conens und Jan Peter Bechtluft. Foto: Gerd SchadeDankbar für die Initiative von Dr. Hans-Peter Leemhuis (rechts) sind (von links) Hermann Wocken, Gerd Conens und Jan Peter Bechtluft. Foto: Gerd Schade

Dörpen/Rhede/Papenburg. Rechtzeitig zu Beginn der Sommerferien 2018 ist es in einem Teil des nördlichen Emslandes erstmals gelungen, eine hausärztliche Urlaubsvertretung zu organisieren. Den Stein ins Rollen gebracht hat Dr. Hans-Peter Leemhuis aus Heede. Die beteiligten Kommunen sind begeistert und sichern Unterstützung zu.

Die Stadt Papenburg, die Samtgemeinde Dörpen und die Einheitsgemeinde Rhede bilden in der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) einen Planungsbereich für die hausärztliche Niederlassung. Auch hier war es bislang unter Medizinerkollegen so, dass es keine strukturierte Urlaubsvertretung gab, wie Leemhuis in einem Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. Die Nichtregelung bedeutete, dass es keine Information über Praxisurlaubszeiten beziehungsweise Vertretungsmöglichkeiten in Ferienzeiten und an Brückentagen gab. Leemhuis spricht in diesem Zusammenhang von einem „weißen Fleck“ auf der Landkarte in puncto Bürger- beziehungsweise Patienteninformation. Aber auch unter den Ärzten habe es immer wieder Unmut gegeben. „Allerdings hat niemand etwas unternommen“, so Leemhuis.

Wie der Mediziner weiter berichtet, hat ihm eine Service-Berichterstattung unserer Redaktion über die Öffnungszeiten der Bäckereien im nördlichen Emsland zu Pfingsten den entscheidenden Anstoß gegeben, selbst initiativ zu werden.

28 Fragen, 26 Antworten

Er startete eine Urlaubsabfrage an alle 28 Praxen in Papenburg, Dörpen und Rhede. Der Rücklauf war überwältigend. 26 Praxen antworteten. So entstand ein Überblick über die Urlaubszeiten. Leemhuis stellte eine Tabelle zusammen, die auf den Internetseiten der drei beteiligten Kommunen einsehbar ist ( www.papenburg.de, www.rhede-ems.de, www.doerpen.de). „So finden Patienten auf einen Blick rasch eine geeignete Vertretungspraxis“, sagt Leemhuis. Außerdem sollen die Vertretungen auf den Anrufbeantwortern der Praxen hinterlegt sowie in Aushängen bekannt gemacht werden. So ließe sich der Standardhinweis „Vertretung durch die Kollegen am Ort“ vermeiden.

Nur für Akutfälle

Wie Leemhuis weiter erklärt, können Ärzte dank der neuen Regelung Ressourcen für Vertretungspatienten einplanen. Überdies entspricht das Planungsgebiet der Urlaubsvertretung dem Notdienstbezirk. Leemhuis macht in diesem Zusammenhang gleichwohl deutlich, dass es bei den Vertretungspatienten natürlich nur um Akutsituationen wie beispielsweise Brechdurchfall gehen dürfe. „Ein Knie, das schon seit drei Wochen schmerzt, kann warten, bis der Hausarzt aus dem Urlaub zurück ist.“

Bei der Rundfrage für den Sommerferienfahrplan hat sich Leemhuis zufolge herausgestellt, dass während der Urlaubszeit ausreichend viele Praxen geöffnet sind. Das gilt nach seiner Auffassung auch für Hausbesuchspatienten, also für Kranke mit eingeschränkter Mobilität.

„Wertvoller Service“

Der Dörpener Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken (CDU) sowie seine Amtskollegen Gerd Conens (Rhede, parteilos) und Jan-Peter Bechtluft (CDU) zeigen sich von Initiative und Umsetzung angetan. „Das ist sensationell und ein wertvoller Service für unsere Bürger“, sagt Wocken und schwärmt von einem „Modellprojekt“, das es verdient habe, nicht nur emslandweit, sondern im kompletten Zuständigkeitsbereich der KVN, also in ganz Niedersachsen, und vielleicht sogar bundesweit Schule zu machen. Bechtluft machte vor allem die „fantastische Rücklaufquote“ bei der Befragung als das Geheimnis des Erfolges aus. Grund ist nach Auffassung der Verwaltungschefs, dass die Initiative von einem Medizinierkollegen und beispielsweise nicht von den Kommunen oder der Kassenärztlichen Vereinigung ausgegangen ist.

Auch KVN begeistert

Auch bei der KVN kommt die hausärztliche Urlaubsvertretung bestens an. „Wir finden das richtig gut“, sagt Dieter Krott, Unternehmensbereichsleiter und Mitglied der Geschäftsführung. Die Initiave ermögliche ein hohes Maß an Transparenz für den Patienten, die bisher fehle. Auch wenn Ärzte grundsätzlich dazu verpflichtet seien, bei der KVN anzuzeigen, wenn sie länger als eine Woche nicht da sind. „Wir unterstützen das Projekt“, so Krott.

In Papenburg, Dörpen und Rhede sind sich die Beteiligten derweil einig, dass das Modell keine Eintagsfliege bleiben soll. Mit Unterstützung der Kommunen sollen die Urlaubszeiten auch für Herbst, Winter und Frühjahr ab sofort regelmäßig abgefragt werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN