Neuer Zusammenschluss Tierärzte richten gemeinsamen Notdienst im nördlichen Emsland ein

Die Notdienste der Kleintierarztpraxen im nördlichen Emsland werden ab Juni gemeinschaftlich organisiert: Über die neuen Pläne berichten die Tierärztinnen Myriam von Lintel (links) und Nicola Schneider. Foto: Mirco MoormannDie Notdienste der Kleintierarztpraxen im nördlichen Emsland werden ab Juni gemeinschaftlich organisiert: Über die neuen Pläne berichten die Tierärztinnen Myriam von Lintel (links) und Nicola Schneider. Foto: Mirco Moormann

Börger. Insgesamt zehn Tierarztpraxen aus dem nördlichen Emsland haben sich zusammengeschlossen und ein neues Notdienstkonzept entwickelt. Dieses soll ab dem 1. Juni in Kraft treten.

Die optimale Versorgung rund um die Uhr von Hund, Katze sowie kleinen Heimtieren und Vögeln liege den Veterinären im Nordkreis am Herzen, wie die Tierärztinnen Nicola Schneider aus Börger und Myriam von Lintel aus Kluse im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilen. Insgesamt zehn Kollegen aus der Region beteiligen sich ab Juni daran und wollen so gemeinsam die Versorgung sicherstellen.

Bezirk erweitert

Für den neuen Notdienst wurde der Bezirk erweitert. Wie von Lintel und Schneider erklären, habe es bislang mehrere, kleinere Zusammenschlüsse von Praxen gegeben. Nun werde ein deutlich größerer Bereich – von Papenburg über Rhede und Heede bis über Lathen nach Hüven – abgedeckt. Im Mittelpunkt steht das tierärztliche Zentrum Berger in Heede mit der größten technischen und personellen Ausstattung. Sie übernehmen alle Nachtdienste von 22 Uhr abends bis 8 Uhr morgens und stehen 24 Stunden als Hintergrunddienst und Soforthilfe zur Verfügung. Aber auch dieses Zentrum hat nach Aussagen der Tierärtzinnen keine unbegrenzten Kapazitäten.

Immer eine Praxis im Dienst

Zusätzlich ist daher jeden Abend bis 22 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen tagsüber von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends eine der anderen angeschlossenen Praxen durchgehend dienstbereit. In wirklich dramatischen Notfällen würden die Haustiere so innerhalb von 20 Minuten versorgt. Dramatische Notfälle sind, so erklären es die Expertinnen, etwa ein Autounfall, Brüche von Gliedmaßen oder der Wirbelsäule, dramatische Vergiftungen oder eine Magendrehung. Also alles, was akut lebensbedrohlich, wirklich stark blutend oder sehr schmerzhaft ist.

Erst telefonisch melden

Wenn Tierbesitzer die Situation selbst nicht einschätzen könnten, kann der diensthabende Tierarzt vorerst telefonisch weiterhelfen. In allen anderen Fällen wie etwa kleinen Verletzungen, Durchfall, Husten, leichte bis mittlere Schmerzen – also allen Dingen, die an normalen Werktagen in die normale Sprechstunde fielen, kann wie gewohnt der Haustierarzt angerufen werden. Dort erfahren die Besitzer dann, welcher Tierarzt Notdienst hat.

Versorgung wird verbessert

Durch den Zusammenschluss werden die einzelnen Ärzte bei den Notdiensten entlastet, aber auch die Versorgung wird verbessert und effektiver, wie Schneider betont. Denn die Notdienste seien für einen einzelnen, selbstständigen Tierarzt mit Praxis, der womöglich auch Familie und Kinder hat, schwierig. Aber auch größere Praxen mit Assistenten stelle dies vor Herausforderungen. Das beginne schon bei der Mitarbeitersuche. Tierärztliche Mitarbeiter haben – anders als in der Humanmedizin – laut Arbeitszeitgesetz beschränkte Höchstarbeitszeiten und dazwischen mindestens elf Stunden ununterbrochene Ruhepausen. Am Ende entstünden laut des Bundes für praktische Tierärzte immense Unkosten: Ein 24-Stunden Notdienst an sieben Tagen der Woche kostet nach Aussage der Tierärzte 60.000 Euro im Monat.

80-Stunden-Dauerdienst

Ein Wochenenddienst in einer Einzelpraxis bedeute: Am Freitagmorgen beginnt ein normaler Arbeitstag. Von Freitagabend bis Montagmorgen läuft der Wochenenddienst (auch nachts) und am Montag ist bis zum Abend wieder ein normaler Arbeitstag. Das sei ein 80-Stunden-Dauerdienst für den Selbstständigen. Verursache er dann übermüdet einen Autounfall, habe er obendrein grob fahrlässig gehandelt und ist haftbar.

Längere Anfahrten möglich

Die Tierärzte im Nordkreis weisen grundsätzlich darauf hin, dass Tierhalter im Interesse ihres Tieres den Notdienst immer vorher anrufen sollten. Zudem wird um Verständnis gebeten, dass wenn in einer Praxis operiert wird, an Kollegen verwiesen wird oder ein Termin in zwei Stunden gegeben werden kann. Auch müsse für eine weniger dramatische, aber dennoch wichtige Verletzung oder Krankheit einmal weiter gefahren werden müssen. „Jeder ist bei einem Autounfall froh, wenn seinem Tier sofort geholfen werden kann, weil die harmlosere Verletzung nicht den OP blockiert“, heißt es seitens der Tierärzte unisono. Auch sind die Tierärzte laut tierärztlicher Gebührenordnung verpflichtet, im Notdienst erhöhte Gebühren abzurechnen. Diese müssen umgehend in bar oder per EC-Karte beglichen werden.

Das Wichtigste sei laut Aussage der Veterinäre im nördlichen Emsland, dass den Haustieren im Notfall 24 Stunden am Tag an sieben Tagen die Woche geholfen werden kann.


Folgende Praxen haben sich zusammengeschlossen:

Tierarztpraxis Zur Alten Ems, Rhede, Tel: 04964 / 914089

Tierarztpraxis von Lintel, Kluse, Tel: 04963 / 780

Tierarztpraxis Stolte, Lathen, Tel: 05933 / 903880

Tierarztpraxis Emstal, Lathen, Tel: 05933 / 4700

Tierarztpraxis Dr. Stieger, Papenburg, Tel: 04961 / 91440

Tierarztpraxis Dörtelmann-Bechler, Hüven, Tel: 05952 / 9699777

Tierarztpraxis Ahrens, Papenburg, Tel: 04961 / 985550

Tierärztliches Zentrum Dr. Berger, Heede, Tel: 04963 / 91140

Kleintierpraxis Katzenburg, Rhede, Tel: 04964 / 604646

Kleintierpraxis Am Mühlenberg, Börger, Tel: 05953 / 925464

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