Werksleitung und Betriebsrat erfreut Jobabbau bei UPM in Dörpen ohne betriebsbedingte Kündigungen

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Dörpen. Beim vom finnischen UPM-Konzern geforderten Stellenabbau am Papierproduktionsstandort Dörpen kommen Werksleitung und Betriebsrat vor Ort ohne betriebsbedingte Kündigungen aus. Für den 116-Millionen-Umbau der Papiermaschine 2 muss der hintere Teil der Fabrikhalle um 13 Meter erhöht werden.

„Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, versichert der erst kürzlich für eine weitere Amtszeit wiedergewählte Betriebsratsvorsitzende Alois Soring im Gespräch mit unserer Redaktion. Offenbar habe man gute Angebote gemacht, fügt Werksleiter Klaus Reimann hinzu. Wie berichtet, sollte der im vergangenen Herbst und bis zum Jahr 2020 umzusetzende Abbau von 223 Stellen in der Papierfabrik mit vorzeitigen Übergängen älterer Mitarbeiter in die Rente erreicht werden. Soring zufolge wurden allen älteren Mitarbeitern (bis Geburtsjahrgang 1960) ein Angebot zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben unterbreitet. Dabei sollte es individuell um eine Kombination aus Altersteilzeit und Lebensarbeitszeitkonten gehen. Das Vermeiden betriebsbedingter Kündigungen hatten Werksleitung und Betriebsleitung vor Beginn der Verhandlungen als oberstes Ziel formuliert. Dieselbe Strategie wird beim Wegfall von 14 Jobs in der Dörpener Speditionsgesellschaft UPM Nortrans gefahren.

Dank der positiven Entwicklung bei den Verhandlungen können Reimann zufolge nicht nur Auszubildende, sondern auch bisher nur befristet angestellte Beschäftigte übernommen werden. „Das ist auch wichtig für den Altersdurchschnitt unserer Belegschaft“, sagt Soring. Am Ende müsse es darum gehen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Das sei ein Dauerthema in der Papierindustrie.

Weltweit wachsender Markt

In diesem Zusammenhang betont Bernd Eikens, Executive-Vizepräsident für Spezialpapiere bei UPM, dass sich der Konzern den Ruf erarbeitet habe, „absolut fair“ mit der Belegschaft umzugehen und dass Sozialleistungen beibehalten würden. Soring nickt zustimmend. „Für uns ist es äußerst positiv, zu einem starken Konzern zu gehören“, sagt er.

Im Zuge des anstehenden Umbaus der Papiermaschine 2, die ab Ende 2019 sogenanntes Glassinpapier produzieren soll, muss der hintere Teil der Halle, in dem die Maschine steht, auf einer Länge von 36 Metern von 15 auf 28 Meter erhöht werden. Glassin beschreibt ein dünnes, aber extrem festes Papier, das beispielsweise als Träger von Klebeetiketten oder in der Verpackungsindustrie benötigt wird. „Der Markt ist attraktiv und wächst weltweit“, sagt Eikens. Gleichwohl machen derartige Spezialpapiere – von denen es im Übrigen Hunderte verschiedene Sorten gebe – nur 5 Prozent der gesamten Papierproduktion aus. Allerdings spielten Entwicklungen wie der zunehmende Onlineversand (Etiketten) und der Trend zu Einpersonenhaushalten (kleinere Verpackungsgrößen im Lebensmitteleinzelhandel oder bei Pharmazieprodukten) eine immer größere Rolle. Darüber hinaus wirkt sich Eikens zufolge auch eine EU-Verordnung aus, wonach die Beschriftung auf Etiketten geringfügig größer zu sein habe.

Ein Produktwechsel

UPM sieht sich nach den Worten von Eikens in diesem Bereich „mit großem Abstand“ als Weltmarktführer. Bereits vor acht Jahren sei eine Papiermaschine in Finnland entsprechend umgerüstet worden. Von der Nachfrage überrascht, habe der Konzern in China eine weitere Maschine gebaut.

Nun stehe Dörpen vor einem riesigen Technologieschritt mit komplexer Veränderung. „Das ist ein richtiger Produktwechsel“, sagt Eikens. „Vergleichbar mit dem Schritt, als wir angefangen sind, unsere grafischen Papiere zu streichen“, ergänzt Betriebsratsvorsitzender Soring. Die Belegschaft freue sich auf die neue Herausforderung, zumal die Maschine in den vergangenen Jahren nicht immer voll ausgelastet war und zu Zeiten der wirtschaftlichen Krise vor zehn Jahren, mit der auch ein Einbruch der Papiernachfrage einhergegangen war, zeitweise sogar stillgestanden hatte. Soring lobt in diesem Zusammenhang die Flexibilität der Belegschaft. Er macht keinen Hehl daraus, dass „die Zeit der PM 2 mit dem bisherigen Produkt abgelaufen war“. Nun aber herrsche so etwas wie Aufbruchstimmung. Umgebaut wird bis auf die letzten vier bis sechs Wochen bei laufendem Betrieb.

Strategisch günstig

Der letzte große Umbau einer Papiermaschine in Dörpen liegt 13 Jahre zurück. Für 87 Millionen Euro wurde 2005 die Papiermaschine 3 ertüchtigt. Bis zu dem Jahr war der gebürtige Aschendorfer Eikens Leiter des Werkes.

Bei der Standortauswahl für den anstehenden Umbau kam Dörpen die strategische Lage zugute – fast so wie bei der Ansiedlungsentscheidung für die Papierfabrik vor mehr als 50 Jahren, wie Eikens sagt. Demnach lassen sich von Dörpen aus drei Großkunden von UPM in Polen, Luxemburg und Stuttgart gut anliefern.


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