Serie „Mein Job und ich“ Discobesitzer aus Dörpen über Ausgehverhalten, Alkohol und das Aufhören

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Dörpen. Er ist im nördlichen Emsland und auch darüber hinaus bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“: Seit fast 30 Jahren betreibt Klaus-Otto Stricker in Dörpen die Diskothek Stricker. In der Serie „Mein Job und ich“ spricht der 55-Jährige über den Wandel in seiner Branche, Alkoholmissbrauch bei Gästen und über das Aufhören.

Herr Stricker, im Emsland und der Region haben in den vergangenen Jahren mehrere Diskotheken geschlossen. Das Stricker gibt es immer noch. Warum ist das Ihrer Ansicht nach so?

Auch bei uns ist der Pro-Kopf-Umsatz je Gast rückläufig, und geöffnet ist nicht mehr wie früher an jedem Wochenende, sondern nur noch an etwa 30 öffentliche Tagen im Jahr zwischen September und Mai im Wechsel mit dem Steffens in Neulehe. Der Kneipenbetrieb läuft weiterhin von freitags bis sonntags. Es reicht halt nicht mehr, so wie früher, einfach die Türen aufzusperren und die Leute kommen. Man muss den Leuten immer wieder etwas neues bieten, in den Laden und in Veranstaltungen investieren, es aber auch nicht übertreiben, um den Charakter der Diskothek zu erhalten, das Image nicht aufs Spiel zu setzen und Kosten im Rahmen zu halten.

Warum gehen die Menschen nicht mehr so häufig in eine Diskothek als früher?

Die Smartphones haben vieles verändert. Sie binden zum einen Geld, das früher vielleicht zum Ausgehen genutzt wurde. Sie haben aber auch das Ausgehverhalten verändert. Durch Smartphones und soziale Medien verabreden sich junge Leute oft kurzfristig. Früher war es notwendig, in eine Disco zu gehen, um Freunde zu treffen. Heute verabredet man sich spontan, trifft sich privat oder geht nicht selten auf mehrere Veranstaltungen. Die Gäste bleiben also nicht mehr so lange wie früher oder kommen sehr spät zu uns. Wir sind aber dennoch mit dem Betriebsergebnis am Jahresende zufrieden.

Kommen die Ideen für die Mottopartys ausschließlich von Ihnen?

Nein, ganz und gar nicht. Ich unterhalte mich gerne mit jungen Mitarbeitern oder meiner Tochter Janina darüber, was gerade veranstaltungstechnisch angesagt ist. Janina wohnt zwar inzwischen in Hamburg, ist aber dennoch häufig an den Wochenenden im Emsland. Außerdem sind mit der Zeit natürlich viele Kontakte zu Eventagenturen oder Veranstaltern entstanden. Trends zu erkennen und gerade angesagte Künstler frühzeitig zu buchen, ist mit die größte Herausforderung, damit Veranstaltungen heute gut funktionieren. Mit Empire in Dörpen arbeiten wir bei Licht-, Bühnen- und Soundtechnik schon seit mehr als 15 Jahren zusammen. Die eigentliche Planung der Veranstaltung bleibt aber in den Händen von meiner Frau Petra und mir. Damit auch die Kosten im Rahmen bleiben.

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Was ist am Veranstaltungsabend selber Ihre Hauptaufgabe?

Da gibt es eigentlich keinen festen Platz. Weil ich im Regelfall der erste bin, der kommt und der letzte bin, der geht, greife ich überall da mit an, wo es gerade nötig ist. Ich bin jedenfalls keiner, der sich im Büro versteckt und wartet, bis alles vorbei ist. Immer im Vordergrund zu stehen, mag ich allerdings auch nicht wirklich (lacht).

So wie Ihre Mutter Margret, die über Jahrzehnte die Theke in der Kneipe geschmissen hat?

Meine Mutter war die Seele des Betriebs, sie hat das Stricker zu dem gemacht, was es heute ist. Sie wohnte mit meinem Vater ja auch direkt über dem Betrieb, war eine echte Vollblut-Wirtin. Ihr Umgang mit Menschen war phänomenal. Von ihr habe ich enorm viel gelernt. Ihr Tod im April 2017 war ein großer Verlust.

Ihr Vater Klaus senior war Lehrer und der erste Landrat des Landkreis Emsland. Sie haben sich für das eher unstete Leben als Gastronom entschieden. Wie fand er das damals?

Das war nie ein Streitthema zwischen uns. Gastronomie gehörte durch meine Mutter immer mit zur Familie. Ich glaube, keinen Nachfolger für den Betrieb zu haben, wäre für die Familie schlimmer gewesen.

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Die Disko Stricker liegt Mitten in Dörpen neben der Kirche. Sorgt nicht regelmäßig Lärm für Ärger mit den Nachbarn?

Ein Problem sind eigentlich nur die tiefen Bass-Töne. Die Anwohner wissen, dass sie uns anrufen können, wenn es zu laut wird. Dann sind wir gefordert zu handeln und dürfen das nicht ignorieren, das hat sich denke ich gut eingespielt. Es sind halt gewachsene Strukturen. Ich glaube zum Beispiel auch: Ein Stricker irgendwo im Industriegebiet würde nicht funktionieren.

Wo gefeiert wird, wird meist auch Alkohol getrunken. Bei Ihnen kosten Bier und Mischgetränke 1,50 oder zwei Euro. Verleitet das nicht Gäste, übermäßig zu trinken?

Wer übermäßig alkoholisiert ist oder sogar irgendwo einschläft, für den rufen wir ein Taxi. Das sehen wir als Fürsorgepflicht dem Gast gegenüber an. Bei uns finden Ausweiskontrollen statt, unter 18-Jährige bekommen einen speziellen Stempel, können an der Theke nur Bier und Softgetränke bestellen und müssen natürlich auch früher gehen. Ich finde übrigens Kontrollen von Behörden, egal ob in Sachen Jugendschutz, Hygiene oder bei baulichen Dingen, völlig in Ordnung. Das gehört einfach dazu. Dabei gibt es aber auch sehr selten Probleme bei uns. Im übrigen ergeben sich die Preise über den Markt, sie sind auch bei Mitbewerbern nicht anders. Wenn wir deutlich mehr verlangen würden, aber es würde niemand mehr kommen, ist auch keinem geholfen. Weder uns, noch den Gästen.

Denken Sie mit 55 Jahren schon ans Aufhören? Wird Ihre Tochter Janina den Betrieb übernehmen?

Ans Aufhören denke ich noch nicht. Solange mir es Spaß macht und sich der Betrieb lohnt, mache ich weiter. Ich denke aber, dass wir die letzte Generation sein werden. Janina lebt und arbeitet wie bereits erwähnt in Hamburg, arbeitet und studiert im Bereich Marketing/PR, Gastronomie kam für sie nie in Frage. Diese Entscheidung ist für meine Frau und mich auch völlig okay.

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