100. Todestag des Friedrich Freiherr von Dincklage Jahrhunderte alte Geschichte in Steinbild auf Gut Campe

Meine Nachrichten

Um das Thema Dörpen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Steinbild. Am 21. Februar vor hundert Jahren ist Friedrich Freiherr von Dincklage gestorben. Der königlich preußische Generalmajor war außerdem auch Schriftsteller. Geboren wurde er auf Gut Campe im Kluser Ortsteil Steinbild. Auch die Geschichte des Gutes selbst reicht hunderte von Jahren zurück.

Hermann Eberhard Freiherr von Dincklage holt Alben hervor, die aus längst vergangenen Tagen stammen. Es sind Sammlungen seines Urgroßvaters Friedrich Freiherr von Dincklage(-Campe). Darin: persönliche Einladungen von Kaiser Wilhelm II, Eintrittskarten für Theater, Fotos von einer Jagd vom Beginn der 1890er Jahre. Und das sind nur Auszüge. Einiges ist zusammengekommen im Leben des Generalmajors, der 1918 im Alter von 79 Jahren stirbt. Er ist 16 Jahre alt, als er die militärische Laufbahn einschlägt. Das berichtet Heimatforscherin Brunhilde Grönniger im Band zehn der blauen Reihe „Emsländische Geschichte“ aus dem Jahr 2003. Er wird damals – 1855 – in das hannoversche Kadettenkorps aufgenommen, nachdem er in Steinbild zunächst durch Hauslehrer unterrichtet wird und Gymnasien in Weener und Bückeburg besucht.

Eine Militär-Karriere: Kadett, Leutnant, Oberleutnant, Generalmajor

Zwei Jahre später ist er Kadett, weitere zwei Jahre darauf erhält er das Leutnantspatent und wird 1865 zum Oberleutnant befördert. Zuvor kämpfte er in der Exekutiv-Armee des Deutschen Bundes in Holstein gegen die Dänen, heißt es weiter in dem Buch – Stichwort Deutsch-Dänischer Krieg: Österreich und Preußen besiegen Dänemark damals. Ebenfalls beteiligt war Friedrich Freiherr von Dincklage an einer Schlacht bei Langensalza 1866, wechselte darauf in den preußischen Dienst nach Osnabrück und wurde Rittmeister und Schwadronschef, bevor er 1870/1871 am Krieg gegen Frankreich teilnimmt, schreibt Grönniger weiter. Er bekommt das Eiserne Kreuz II. Klasse, wird 1872 Ehrenritter des Johanniterordens und 1890 Rechtsritter. „Das Jahr 1891 brachte die Beförderung zum Generalmajor“, so Grönniger. 1892 bekommt er nach seinem Abschiedsgesuch den „Charakter als Generalleutnant“.

Jagd, Marine und Militär sind Hauptthemen der Geschichten und Bücher

Friedrich Freiherr von Dincklage gibt sein Leben dem Militär, unterstützt aber auch soziale und wohltätige Einrichtungen. Für das Erlebte braucht er aber offenbar ein Ventil. Ab 1889 – da ist er 50 Jahre alt – schlägt er einen Weg als Schriftsteller ein. Neben heiteren Künstlergeschichten, wie Grönniger schreibt, veröffentlicht er Novellen und Prosastücke, in denen es insbesondere um Militär, Jagd, Marine, Pferdezucht und den preußischen Hof geht. Seine Bücher haben Titel wie „Deutsche Reiter in Südwest. Selbst-Erlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika“ (1908) oder „Anker geschlippt – Geschichte eines Marineoffiziers“ (1896), das etwa im Internet aus dem Ausland zu bekommen ist. „Um die Jahrhundertwende war er ein gern gelesener Erzähler mit großer Leserschar, wobei er als glühender Anhänger der Monarchie der herrschenden nationalen und militärischen Begeisterung literarischen Ausdruck verlieh“, schreibt Grönniger in „Emsländische Geschichte“. Schreiben gehört damals zur Familie von Dincklage. „Die ganzen Geschwister waren schriftstellerisch begabt“, sagt Hermann Eberhard Freiherr von Dincklage. Auch die ältere Schwester Clara schreibt, ebenso die im Emsland bekannte Emmy von Dincklage.

Heimat in Steinbild, Osnabrück und nahe Berlin

Friedrich Freiherr von Dincklage ist noch da, nicht nur in Dokumenten und Material von Heimatforschern, sondern auch auf dem Gut Campe. Dort verbringt er die Sommer seit dem Ende seines Militärdienstes, die Winter in Halensee bei Berlin. Sein Zuhause ist viele Jahre lang auch Osnabrück. Sein Konterfei in Öl hängt noch heute in Steinbild an der Wand, die wie die übrigen Wände im Hauptgebäude des Guts erst frisch renoviert wirkt. Den Bildern dagegen – neben Friedrich hängt das Bild seiner Ehefrau Frieda von Mengersen – ist die Vergangenheit deutlich anzusehen. Des Majors Abbild hat zwei Löcher, seit der Zweite Weltkrieg zu Ende ist. Sie stammen von polnischen Besatzern, wie Anna-Franziska Freifrau von Dincklage, Ehefrau von Hermann Eberhard, berichtet. Beide leben heute mit ihrem Sohn Frederik auf dem Gut. „Er ist der Hofnachfolger“, sagt Hermann Eberhard Freiherr von Dincklage. „Das stand von Anfang an fest“, sagt Frederik. Der 26-Jährige sei seit Kindesbeinen dabei. Die von Dincklages betreiben Ackerbau und Hähnchenmast. Auch 50 Hektar Forstwald gehören zum Gut.

Gut Campe ab 1978 aus „Dornröschenschlaf“ geholt

Von 1963 bis 1978 steht das Gut leer. „Ich habe in der Zeit in Fresenburg gelebt“, sagt Hermann Eberhard Freiherr von Dincklage. Seine Mutter heiratet damals neu. Der Vater stirbt, als der heutige Freiherr acht Jahre alt ist. Das Gut haben er und seine Frau Anna-Franziska „von null auf“ aufgebaut. „Der Hof war total verfallen“, sagt der 64-Jährige. Im Dornröschenschlaf sei es gewesen. 25 Jahre ist er alt, als er ihn mit seiner Ehefrau wieder zum Leben erweckt. Dabei stand der Hof auf der Kippe. „Meine Mutter hat das Gut gerettet“. Sie habe ihre persönlichen Lebensumstände zurückgestellt. „Sie wollte das Gut erhalten ohne weitere Landverluste“ und verkaufte nicht.

Wie auch sein Vater vor ihm hat der Freiherr auch er eine „Nicht-Adlige“ geheiratet. Für seinen Vater hieß das damals: „Da war er aus dem Kreis ausgeschlossen“. Auch für Hermann Eberhard Freiherr von Dincklage tut dieser Aspekt heute nichts zur Sache: „Wir führen hier ein ganz normales Dasein wie jeder andere auch.“


Friedrich Freiherr von Dincklage wird am 25. Juli 1839 auf Gut Campe in Steinbild geboren. Der evangelisch-lutherische Generalmajor war Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse. Später betätigte er sich als Schriftsteller. Er starb noch vor Ende des Ersten Weltkrieges am 21. Februar 1918 in Berlin. Nach Ende seiner Militärzeit verbringt er die Winter in Halensee bei Berlin, die Sommer auf dem Gut in Steinbild. Es wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von Hermann von Campe, genannt Westerholt, errichtet, wie es in der Digitalen Westfälischen Urkunden-Datenbank heißt. Von 1403 bis 1611 bestanden nach einer Erbteilung unter Brüdern zwei Güter Campe. Haus I gelangte 1534 durch Erbschaft an die Familie von Brawe zu Schleppenburg, Haus II durch Kauf an die von Baumbach zu Homburg. 1611 vereinigte Heinrich von Brawe beide Güter wieder in einer Hand. Durch Erbschaft kam Campe 1695 nach dem Aussterben der männlichen von Brawe an die von Dincklage, in deren Besitz das Gut noch heute ist.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN