Serie „Mein Job und ich“ Luftgewehr-Techniker aus Lehe über Optimierung, den Faktor Mensch und Kosten

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Lehe. Auf die Reparatur und Wartung von Luftgewehren hat sich Feinwerkmechanikermeister Jürgen Gerdes aus Lehe spezialisiert. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht er über die optimale Einstellung, den Faktor Mensch und Kosten für ein gutes Gewehr.

Herr Gerdes, der Umgang mit Waffen dürfte nicht ungefährlich sein. Sind Sie schon einmal bei der Arbeit verletzt worden?

Nein, zum Glück nicht. Das Thema Sicherheit ist beim Umgang mit Waffen natürlich an oberster Stelle. Das erste, das ich mache, wenn ich eine Waffe in die Hand nehme, ist nachzusehen, ob sich eine Kugel im Lauf befindet. Auch wenn ich fast ausschließlich mit Luftdruckwaffe zu tun habe, möchte ich kein Diabolo aus nächster Nähe abbekommen.

Wie ist es dazu gekommen, ein Gewerbe im Bereich Schießsport aufzubauen?

Ich bin gelernter Feinwerkmechanikermeister, hab meine Ausbildung bei Brügmann in Papenburg gemacht und arbeite seit vielen Jahren für Nordland Papier in Dörpen. Vor etwa zehn Jahren habe ich mit dem Fußballspielen aufgehört und mit dem Sportschießen in der Schützenbruderschaft in Lehe begonnen. Das hat mich fasziniert, die Ruhe und Konzentration, die man für diesen Sport benötigt, gefallen mir.

Und wie kam es dann zu der Zusatzausbildung?

Über das Sportschießen im Verein habe ich erfahren, dass viele Besitzer von Luftgewehren für einen Service zum Beispiel nach Bremen oder weiter fahren. Ich habe mich dann mit den vier großen Herstellern Walther, Feinwerkbau, Anschütz, Diana und Steyr unterhalten und begonnen, Servicelehrgänge zu belegen, und die Zertifikate für die Reparatur und Wartung bekommen. Ohne diese ist eine professionelle Reparatur nämlich nicht möglich. Die Hersteller liefern einem auch nur dann Ersatzteile und Spezialwerkzeuge. Nach einer IHK-Prüfung zum Waffenhandel 2016 konnte ich dann mein Gewerbe erweitern. Jetzt darf ich auch mit frei verkäuflichen Waffen, die ab 18 Jahren zugelassen sind, handeln. Vor kurzem habe ich meine Werkstatt und das Ladengeschäft Ringstraße 140 vergrößert, weil die Nachfrage groß ist.

(Weiterlesen: Polsterer aus Papenburg über Ostfriesensofas, Qualität und Sonderwünsche)

Was sind die häufigsten Fragen und Reparaturwünsche, mit denen Kunden zu Ihnen kommen?

In dem System der Luftdruckwaffen setzt sich häufig Schaumstoff aus den Transporttaschen ab. Das führt zu einem schlechten Schussbild. Die Gewehre zerlege und reinige ich dann. Außerdem ist beim Sportschießen der richtige Druck und damit die Schussgeschwindigkeit entscheidend. In der Druckluftkartusche herrscht nach dem Befüllen im Regelfall ein Druck von etwa 200 bar, für eine optimale Funktion muss dieser zwischen 60 und 80 bar, je nach Hersteller, eingestellt werden, damit die Kugel eine Geschwindigkeit zwischen 168 und 175 Meter in der Sekunde erreicht. Um das einzustellen und zu messen, habe ich hier die notwendige Ausstattung. Außerdem tausche ich häufig Verschleißteile aus, Dichtungen und Federn zu Beispiel. Luftgewehre sind absolute Präzisionswerke, letztlich geht es immer um Optimierungen und das beste Schussbild zu erreichen.

Was können Gewehrbesitzer denn noch tun, um besser zu treffen?

Am wichtigsten ist natürlich immer noch der Mensch. Wenn es der Schütze nicht schafft, die Ruhe zu finden oder sich optimal zu konzentrieren, dann bringt, überspitzt gesagt, die beste Technik nichts, sondern nur viel Training. Dennoch gibt es natürlich Dinge, die an dem Gerät verbessert oder zusätzlich installiert werden können, die das Ergebnis verbessern können. Zum Beispiel am Schaft, Diopter, Griff, Auflagekeil oder die Munition.

Wie alt können Luftdruckwaffe werden, wenn sie gut gewartet wurden?

Die älteste Waffe, die ich einmal repariert habe, wurde 1953 gebaut. Das jüngste Modell stammte aus dem Jahr 2016. Das ist also ganz unterschiedlich. Das häufigste Problem bei älteren Modellen ist, Ersatzteile zu bekommen, weil die Hersteller deren Produktion oft irgendwann einstellen.

(Weiterlesen: Postbote aus Dörpen über Leckerli, Paketeflut und kleine Geschenk)

Verwenden Sie bei der Wartung Öl oder Fett?

Nein, niemals im Inneren der Waffe. Das kann sehr gefährlich sein, weil sich Öl oder Fett beim Schießvorgang entzünden könnten. Das kann zu Verletzungen führen.

Woher stammt Ihre Kundschaft vornehmlich?

Die meisten aus dem Emsland und Ostfriesland, in einer Umgebung von etwa 70, 80 Kilometern. Zu vielen Vereinen fahre ich auch hin, eine Überprüfung findet dann zum Beispiel am Trainingsabend des Vereins statt. Mir werden aber auch Gewehre von weiter weg zugesendet, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen.

Bieten Sie auch Trainings an?

Das ergibt sich oft von alleine, wenn Kunden die reparierten oder gekauften Gewehre testen. Dann schaue ich nach korrektem Stand, der Haltung der Luftdruckwaffe, dem Aufliegen oder dem Schuss. Da ich selber schon mit einigen bekannten Sportschützen, zum Beispiel Olympiateilnehmer Maik Eckhardt, trainiert habe, gebe ich das gelernte auch gerne an andere weiter.

Was kostet eine Luftdruckwaffe, wenn man Sie bei Ihnen kauft?

Das beginnt bei etwa 150 oder 200 Euro für gebrauchte Waffen. Eine gute, neue Sportwaffe kostet um die 1700 Euro. Meine Luftgewehr, mit der ich bei Turnieren antrete, kostet wegen verschiedener Extras etwa 3000 Euro.

Welche Munition empfehlen Sie Schützen?

Ich sage gern: Die Waffe sucht sich die passende Munition. Ich teste verschiedene Arten und Produktionsreihen mehrerer Hersteller. Dabei wird das Luftgewehr eingespannt und dann mehrere Schüsse auf einen Messrahmen mit Kugelfang abgegeben. Die Unterschiede beim Trefferbild bewegen sich in der Regel im Millimeterbereich, können aber entscheidend sein. Selbst Munition eines Herstellers der gleichen Baureihe können variieren, weil die verwendeten Materialien nicht immer 100-prozentig gleich sind. Ich empfehle am Ende dann die Munition, die das beste Trefferbild abgegeben hat.

Sie verkaufen in ihrem Geschäft auch Kleidung für Sportschützen. Was bewirken diese?

Bei den Schuhen geht es um einen möglichst sicheren Stand. Die Schießjacken und Hosen, geben dem Körper Stabilität und Halt. Das ist vor allem für Freihandschützen, also ohne Auflage des Gewehrs, interessant wird aber auch verstärkt beim Auflageschießen genutzt.

(Weiterlesen: Bau-Expertin aus Lathen über Machos, Sonderwünsche und Nachwuchssorgen)