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Verbesserungen für Frauen und Männer Das wollen Gleichstellungsbeauftragte in der Region Osnabrück

Von Stefanie Adomeit | 27.12.2016, 15:33 Uhr

„Die Gleichstellungsbeauftragte soll dazu beitragen, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu verwirklichen.“ So steht es in der niedersächsischen Verwaltungsbibel, dem Kommunalverfassungsgesetz. Wie das konkret aussieht, erzählen Iburgs Gleichstellungsbeauftragte Irene Wellmann und die des Landkreises Monika Schulte.

In Bad Iburg kümmert sich Irene Wellmann hauptamtlich, mit einer Arbeitszeit von 30 Stunden, um die Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie teilt ihre Arbeitszeit ungefähr in zwei Drittel für die Gleichstellung und ein Drittel für das Familienservicebüro auf. Hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte gibt es im Südkreis auch in Hasbergen und Georgsmarienhütte, alle übrigen sind ehrenamtlich aktiv.

Querschnittaufgabe

Wenn Irene Wellmann ihr Aufgabenspektrum auffächert, kann das dauern, denn Gleichstellungsbeauftragte haben eine Querschnittaufgabe. Innerhalb des Rathauses ist sie an allen Entscheidungen beteiligt, die die Gleichberechtigung betreffen, vor allem an Personalangelegenheiten. Sie ist bei Schulungen und Dienstbesprechungen dabei, kümmert sich um eine geschlechtergerechte Sprache in Schriftstücken der Stadt. „Ich bin für Frauen und Männer zuständig“, betont Wellmann ausdrücklich. Das betrifft primär die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, nicht nur im Rathaus, sondern für alle Bad Iburger. Dabei geht es um Mutterschutz und Kinderbetreuung, Teilzeitbeschäftigung und Gleichbehandlung. „Wir möchten Verbesserungen für Eltern erreichen.“

Bedenkliche Schönheitsideale

Ein weiteres Feld ist die Prävention, egal ob es um bedenkliche Schönheitsideale oder das Risiko K.O.-Tropfen geht. Dafür organisieren die Gleichstellungsbeauftragten Info-Veranstaltungen, Kabarett-Auftritte und Fahrten, um in Kontakt zu den Frauen zu kommen. Sie setzen Aktionsprogramme des Landes wie das Leitthema „Älter, bunter, weiblicher“ um und bilden ein enges Netzwerk. „Aktuell kümmern wir uns um das Thema Gesundheit.“ Ansprechpartnerin ist Wellmann auch beim Gewaltschutz. Hier arbeitet sie mit Beratungsbüros wie der Kriseninterventionsstelle, der Frauenberatungsstelle und dem Jugendamt zusammen. „Ein wichtiges Ziel ist es, Öffentlichkeit herzustellen. Wir hoffen, dass sich so mehr Frauen mit ihren Problemen bei uns melden.“

Ehrenamt ist Ehrenamt

All diese Aufgaben hätten auch ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte, erklärt Monika Schulte, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, „aber sie haben eben längst nicht die gleichen Möglichkeiten, weil sie nur ein paar Stunden tätig sein könnten. Ehrenamt ist Ehrenamt. Damit kann man nicht das leisten, was vielleicht notwendig wäre“. Und wenn es nur um die regelmäßige Teilnahme an wichtigen Ausschusssitzungen des Rates gehe. Es sei wichtig, als Kommune nach innen und außen deutlich zu machen, dass einem die Stelle und ihre Besetzung wichtig sind. Eine Frau zu finden, sei früher einfacher gewesen, als weniger Frauen arbeiten wollten oder mussten. So hatten mehr Zeit für ein Ehrenamt. Nach Veränderungen im Unterhaltsrecht und bei der Rentenberechnung sei es heute die Regel, dass die Frauen einen Beruf ausübten.

Hauptamtlich geht auch

Deshalb freut sie sich, dass die Städte GMHütte, Bersenbrück, Bramsche und Melle hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte auch dann beschäftigten, als es zwischenzeitlich für Kommunen dieser Größe kein Muss war. Quakenbrück braucht künftig auch eine hauptamtliche Kraft, die Stelle werde jetzt ausgeschrieben, so Schulte. Auch Bad Iburg, Belm und Hasbergen würden freiwillig hauptamtliche Kräfte einsetzen.

Wichtig für Schulte: „Wir möchten Rollenbilder aufweichen, die von Männern und Frauen“, damit ganz selbstverständlich auch Männer mehr als die üblichen zwei Monate Elternzeit nehmen. Meistens müssten Frauen, selbst die in Führungspositionen, den Spagat zwischen Familie und Job aushalten, tragen sie doch fast immer die Hauptlast der Familienarbeit: „Es geht ums Miteinander“, findet Schulte, „wir möchten die Situation für beide erleichtern, damit sich niemand zwischen Job und Familie entscheiden muss“.