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Streit ums Sorgerecht Ex-Frau in Dissen gewürgt? Verfahren eingestellt

Von Danica Pieper | 10.12.2015, 15:43 Uhr

Dass es zum Streit zwischen einem Mann aus Harsewinkel und seiner Ex-Frau aus Dissen kam, steht außer Frage. Ob der Angeklagte seine Frau jedoch tatsächlich würgte und am Handgelenk verletzte, oder ob sie auf ihn los ging, konnte das Amtsgericht Bad Iburg nicht abschließend klären. Die Beteiligten einigten sich schließlich darauf, das Verfahren einzustellen.

Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen den ehemaligen Eheleuten ist ein seit längerer Zeit andauernder Streit um das Sorgerecht für den gemeinsamen, sechsjährigen Sohn. Der Vater beklagte, dass seine Ex-Frau den Kontakt mit dem Jungen unterbinden wolle. Nachdem er seinen Sohn telefonisch nicht erreichen konnte, weil das Handy der Mutter angeblich nicht mehr funktionierte, habe er der 32-Jährigen nach einem gemeinsamen Wochenende mit dem Kind ein neues Handy überreicht – allerdings ohne SIM-Karte. Da die Mutter sich weigerte, eine SIM-Karte zu kaufen, sei es zum Streit gekommen. „Sie ging auf mich los und hat mich getreten und geboxt. Ich habe sie weggeschubst und das war’s“, erklärte der 39-Jährige. Er habe später von der Polizei erfahren, dass seine Ex-Frau ihn wegen Körperverletzung angezeigt hatte.

Bänderriss im Handgelenk

Die Ex-Frau des Angeklagten schilderte den Vorfall anders. Sie habe zwar den Kauf einer SIM-Karte abgelehnt, ihr ehemaliger Partner sei jedoch auf sie losgegangen. Er habe sie mit einer Hand am Hals gepackt und mit der anderen Hand ihr Handgelenk gegen ein Gitter im Eingangsflur des Dissener Mehrfamilienhauses gedrückt, sodass sie unter Luftnot gelitten und sich einen Bänderriss im rechten Handgelenk sowie ein Hämatom am Kopf zugezogen habe.

Hat der Sohn alles mitbekommen?

Gegenüber der Polizei hatte die Dissenerin angegeben, dass ihr Ex-Mann ihr Handgelenk gegen eine Wand im Flur geschlagen habe. Die Polizistin, die den Vorfall aufnahm, stellte eine Abschürfung an dem Gelenk fest. Sie konnte sich jedoch nicht erinnern, dass die Frau erklärt habe, gewürgt worden zu sein. Damals habe sie gesagt, dass der Sohn von der Tat nichts mitbekommen habe. Vor Gericht gab die Mutter an, dass der Sechsjährige die Tat zwar nicht mitangesehen, aber gehört habe.

„Kein Freispruch“

Die Verfahrensbeteiligten einigten sich schließlich darauf, das Verfahren einzustellen. „Das ist kein Freispruch“, erklärte der Richter dem Angeklagten. Im Wiederholungs-Fall werde es mit Sicherheit eine Entscheidung geben.