Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Samstag noch einmal in GMHütte Ovationen für Haydns „Schöpfung“ in Dissen

Von Petra Ropers | 16.06.2018, 16:30 Uhr

Eine Zugabe nach einem Oratorium? Üblich ist das eigentlich nicht. Doch die begeisterten Zuhörer in der Dissener St.-Mauritius-Kirche ließen den Ausführenden nach den letzten Harmonien von Joseph Haydns „Schöpfung“ keine Wahl: Mit lang anhaltenden Ovationen forderten sie den klangvollen Bruch mit dem ungeschriebenen Gesetz.

Am Freitag feierte die Aufführung in Dissen ihre gelungene Premiere. Am Samstag bringen der Kammerchor Cantus firmus aus Georgsmarienhütte und das Orchester „pro musica“ aus Osnabrück das berühmte Oratorium in der König-Christus-Kirche Oesede erneut zu Gehör von 19.30 Uhr an, in der König-Christus-Kirche in Georgsmarienhütte, Kirchstraße 8 . Mit dem Chor und den Musikern begeisterten als Solisten die Sopranistin Hanna Zumsande, Tenor Max Ciolek, Christian Meyer-Perkhoff, Bass, sowie im Schlusschor Ulrike Wickel, Alt.

Klar intonierte Freude

Die musikalische Gesamtleitung lag in den Händen von Stefan Bruhn, der vor 22 Jahren Cantus firmus als ökumenischen und überregionalen Projektchor des Kirchenkreises Melle-Georgsmarienhütte gründete. Seither hat sich der Chor mit niveauvollen Aufführungen großer Vokalkompositionen weithin einen Namen gemacht. Mit der „Schöpfung“ präsentierten Sänger und Instrumentalisten nun ein Werk, mit dem Joseph Haydn gleich in mehrfacher Hinsicht neue Wege beschritt.

Denn als erster Komponist überhaupt wählte er die biblische Schöpfungsgeschichte zum Thema eines Oratoriums. Dabei trägt das Libretto deutlich humanistische Züge: Kein Sündenfall überschattet die reine, klare Freude über die Schöpfung Gottes. „Mit Würd‘ und Hoheit angetan, mit Schönheit, Stärk‘ und Mut begabt“ präsentiert sich vielmehr das erste Menschenpaar. Und so bewegt auch die Musik nicht mit dramatischen oder tragischen Momenten. Mehr aus Dissen im Netz 

Facettenreicher Ausdruck

Vielmehr ist es der Reichtum tonmalerischen Ausdrucks, der in vielen musikalischen Facetten und Klangfarben das Wunder der Schöpfung hörbar macht und den Zuhörer wieder neu zum Staunen anregt: Da lässt der Chor in ätherischem Pianissimo den Geist Gottes über dem noch ungeformten Wasser schweben. Doch unvermutet und nur auf ein einziges Wort des Schöpfers hin bricht plötzlich in einem strahlendem C-Dur-Akkord aus der Dunkelheit das Licht hervor. Immer mehr Leben bevölkert die Erde – mal quirlig wie die Fische, mal majestätisch dahinschreitend wie der Löwe. Mehr aus Georgsmarienhütte lesen Sie hier. 

Von einem Tag zum nächsten schreitet das Oratorium im Wechsel aus Rezitativen, Arien und Chorpartien fort. Dabei verstanden es die herausragend agierenden Solisten, den Soli, Duetten und Terzetten in aller Kunstfertigkeit der Komposition eine klangschöne Natürlichkeit zu verleihen. Feinfühlig setzte „pro musica“ dazu die differenzierte Tonsprache Haydns um – hier im vollen Orchesterklang, dort wieder nur mit einzelnen Instrumentengruppen.

Freudiger, vielstimmiger Jubel vereinte Chor und Orchester im Lob Gottes am Ende jedes Schöpfungstages. Der groß angelegte Schlusschor rundete im festlichen Zusammenklang aller Stimmen und Instrumente ein Werk ab, das in Erinnerung bleibt – musikalisch, aber auch inhaltlich. Denn Uriels, von Max Ciolek ausdrucksstark vorgetragene Warnung wirkt nach: „O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen, als ihr habt.“