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Polizisten bedroht Cannabisplantage im Keller: Bewährung für Dissener

Von Danica Pieper, Danica Pieper | 25.01.2017, 13:44 Uhr

Ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung lautete das Urteil des Amtsgerichts Bad Iburg gegen einen Dissener, der in seinem Keller eine Cannabisplantage angepflanzt hatte. Der 24-Jährige hatte außerdem mehrere Polizisten mit einem Vorschlaghammer bedroht.

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte der Dissener eingeräumt, Eigentümer der Cannabisplantage zu sein und mehrere Waffen wie eine Schreckschusspistole und ein Fallmesser in seiner Wohnung aufbewahrt zu haben. Streitig war die Frage, ob der Angeklagte die Polizisten und den Verwaltungsbeamten, die seine Wohnung auf Drogen durchsuchten, mit erhobenem Hammer bedroht hat. Der 24-Jährige gab zu, den Vorschlaghammer in die Hand genommen zu haben, er habe ihn jedoch nicht erhoben. Auch seine Freundin und sein Mitbewohner meinten, dass der Beschuldigte den Hammer nur über den Boden hielt. Zwei Polizeibeamte hingegen sagten aus, dass er den Hammer definitiv erhob.

Polizistin zog Dienstwaffe

Auch eine weitere Polizistin bestätigte, dass der Angeklagte den Hammer erhob. Wie auch ihre Kollegen sagte sie aus, dass der Dissener sich zunächst kooperativ gezeigt habe, jedoch plötzlich ausgerastet sei, als die Beamten drei vertrocknete Cannabispflanze konfiszieren wollten. „Für mich sah es so aus, als ob ein Angriff unmittelbar bevorstand“, erklärte die 27-Jährige. Sie habe die Situation als so bedrohlich empfunden, dass sie sogar ihre Dienstwaffe zog. Ihre Kollegen konnten den Dissener schließlich überzeugen, den Hammer wegzulegen. Im Anschluss habe er sich wieder sehr ruhig und kooperativ gezeigt. Die Plantage, die die Beamten nach dem Vorfall im Keller sicherstellten, umfasste 35 Pflanzen.

Neutraler Zeuge sah erhobenen Hammer

Auch der Verwaltungsbeamte der Stadt Dissen, der als neutrale Zeuge bei der Durchsuchung zugegen war, erklärte, dass der Angeklagte den Hammer über den Kopf gehoben hatte. Nach diesem Vorfall habe der 24-Jährige hingegen „ganz nett“ berichtet, wie man die Cannabispflanzen pflegen muss. „Da musste man auch keine Angst mehr haben“, so der Beamte. „Hatten Sie in der Wohnung Angst?“, fragte der Vorsitzende Richter. „Ja“, sagte der 35-Jährige.

Staatsanwältin: „Bedrohlicher Eindruck“

Die Staatsanwältin war überzeugt, dass der Angeklagte den Hammer gegen die Beamten erhoben hat. Auch hatte sie keinen Zweifel daran, dass er einer Dissenerin gedroht hat, ihren Bruder anzuzünden, was ebenfalls in die Anklage eingeflossen war. Für den 24-Jährige spreche, dass er im Wesentlichen gestanden habe und bisher erst einmal wegen eines Straßenverkehrsdelikts vorbestraft ist. Negativ bewertete sie den Griff zum Hammer: „Sie haben einen ganz erheblichen bedrohlichen Eindruck gemacht.“ Sie plädierte für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Verteidiger sieht verminderte Schuldfähigkeit

Der Verteidiger hatte in den Raum gestellt, dass sein Mandant aufgrund seines Drogenkonsums nur vermindert schuldfähig war. Ein Sachverständigengutachten lehnte das Gericht jedoch ab, da keiner der Zeugen Ausfallerscheinungen bemerkt hatte. Der Anwalt bezweifelte, dass sein Mandant den Hammer wirklich erhoben hat, zudem habe er nie den Vorsatz gehabt, gegen die Polizisten vorzugehen. Er forderte eine Bewährungsstrafe von maximal achtzehn Monaten, abzüglich der sechs Monate, die der 24-Jährige vor dem Verfahren in Untersuchungshaft verbracht hat.

250 Arbeitsstunden

Das Schöffengericht ging leicht über den Antrag der Staatsanwältin hinaus und verurteilte den Dissener zu 21 Monaten Haft auf Bewährung. Die Entscheidung, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, sei „nicht so einfach“ gewesen, erklärte der Vorsitzende Richter. Das Gericht habe jedoch die Hoffnung, dass die U-Haft ein Warnschuss für den Angeklagten war. Der 24-Jährige erhielt zudem die Auflage, 250 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisen: „Vielleicht hilft das Ihnen ja dabei, vom Marihuanakonsum wegzukommen“, meinte der Richter.

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