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Optimismus in Bramsche, Zittern in Dissen Schicksalsstunde für zwei Klinik-Standorte im Osnabrücker Land

30.06.2014, 19:39 Uhr

Hopp oder top: In zwei Wochen will das Land in der Frage, ob die Krankenhausstandorte in Bramsche und Dissen eine Zukunft haben, endlich Farbe bekennen. Der Planungsausschuss beim niedersächsischen Sozialministerium tritt am 16. Juli in Hannover zusammen, um Empfehlungen für das Investitionsprogramm zu geben. In der Tuchmacherstadt wird dem Termin mit großem Optimismus entgegengesehen. Dagegen lauten für das Südkreis-Klinikum die Alternativen: Entweder Rettung oder es droht perspektivisch das Aus .

Denn während das zum Niels-Stensen-Verbund zählende Krankenhaus in Bramsche auf ein Geriatrie-Konzept setzt, das einen Betrieb ohne Verluste ermöglichen würde, ist ein solcher Schwerpunkt, der für schwarze Zahlen sorgt, für Dissen noch nicht in trockenen Tüchern. Hier ist nur sicher: Es muss auch bei einem positiven Entscheid in jedem Fall abgespeckt werden, um eine wirtschaftliche Tragfähigkeit zu gewährleisten.

Die Bramscher Trümpfe: Kurz vor dem Tag X will sich Werner Lullmann, der Geschäftsführer des Niels-Stensen-Verbundes, zwar offiziell an Spekulationen nicht beteiligen und betont immer wieder: „Wie die Entscheidung fällt, wissen wir auch nicht.“ Aber dann lässt er doch durchblicken, man habe das Konzept der katholischen Klinikgruppe „in Hannover wohl ganz charmant gefunden“. In nüchternen Gesprächen seien alle Szenarien durchgespielt worden, mit Ausnahme der Modalitäten einer möglichen Schließung des Standortes“.

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Den Optimismus teilt man offenbar auch in politischen Kreisen in Bramsche. Von „mit aller Vorsicht“ gesagt „positiven Signalen“ ist parteiübergreifend zu hören. Filiz Polat, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Bramsche, spricht diplomatisch von „guten, konstruktiven Gesprächen“, was Bramsche angehe. „Alle halten sich den 16. Juli frei“, sagt der Fördervereinsvorsitzende Siegfried Schulz, dessen Informationen ebenfalls den Tenor erkennen lassen, „dass es Bramsche nicht trifft“.

Das Konzept, dessen „Charme“ offenbar Hannover überzeugt hat, sieht eine konsequente Ausrichtung des Bramscher Krankenhauses in Richtung Alters- und dem Aspekt Suchtmedizin vor . Welche Bereiche dies außer der klassischen Geriatrie umfassen könnte, möchte Lullmann vorerst aber noch im Unklaren lassen. In Bramsche werden bereits jetzt multimorbide Patienten nach einem ganzheitlichen Konzept weiterbehandelt, in das neben Ärzten und Pflegekräften auch Ergo- und Physiotherapeuten und Sozialarbeiter eingebunden sind. Das Mittelzentrum Bramsche selbst verfügt über knapp 300 Pflegeheimplätze allein im Stadtgebiet, schon jetzt aber kommt ein Großteil der geriatrischen Patienten aus dem gesamten Einzugsbereich der Niels-Stensen-Kliniken. Und der geht bis in das angrenzende Nordrhein-Westfalen. Bramsche punktet darüber hinaus mit einer großen Facharztdichte.

Allerdings dürfte auch bei einer für Bramsche positiven Entscheidung das Haus wohl nicht bleiben, wie es zurzeit den Bürgern der Tuchmacherstadt vertraut ist. Ungewiss ist vor allem, in welchem Ausmaß die Chirurgie vor Ort erhalten bleibt. Eine Basisversorgung ist hier allerdings Voraussetzung für die Genehmigung einer Geriatrie.

Das Dissen-Szenario: Im Südkreis sind sich alle Beteiligten im Klaren, dass es ein Kraftakt wird, vom Planungsausschuss, in dem neben dem Land unter anderem Krankenkassen, Krankenhausgesellschaft oder Arbeitnehmer-Vertreter sitzen, ein positives Votum für Dissen zu erreichen. „Wir wollen über Los kommen“, lässt Stefanie Hörning, CDU-Fraktionschefin und stellvertretende Vorsitzende des Albertine Fördervereins Klinikum Osnabrücker Land, keinen Zweifel an der Entschlossenheit, für den Erhalt des Hauses zu kämpfen. Knapp 39000 Unterschriften sind für den Erhalt des Standorts im Ministerium in Hannover übergeben worden.

„Die Mobilisierung der Bevölkerung hat Eindruck hinterlassen“, ist Bürgermeister Hartmut Nümann überzeugt. Für ihn steht fest: „Wenn es die Landespolitiker ernst damit meinen, dass die wohnortnahe Krankenhausversorgung auf dem Lande in der Krankenhausplanung seinen Niederschlag findet, dann muss es Mitte Juli ein positives Votum geben.“

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Doch ein Termin mit Staatssekretär Jörg Röhmann im Klinikum hat deutlich gemacht, dass die Aufgabe schwierig wird. Der ließ nach Pfingsten keinen Zweifel, das aus Ministeriumssicht Betten abgebaut werden müssen und ein entscheidendes Kriterium für Investitionen sei, dass der Betrieb der Einrichtung anschließend ohne ein Minus erfolgen könne. Die Dissener wissen, dass vom Klinikum Osnabrück, dass Anfang 2011 das Klinikum Osnabrücker Land mit den Standorten Dissen (128 Betten) und Georgsmarienhütte (48 Betten) von der Diakonie erworben hat, über kurz oder lang keine weitere Übernahme von Verlusten zu erwarten ist. Ungelöst ist auch die Frage, wie der sich zwischen rund vier und sieben Millionen bewegende Eigenanteil für eine Einhäusigkeit in Dissen finanziert werden soll – die Stadt Osnabrück, die das Engagement in Dissen schon rund neun Millionen gekostet hat, sieht beim Versorgungsauftrag auch den Landkreis in der Pflicht.

Als Lösung könnte sich für das Land auch anbieten, statt in Dissen groß zu investieren einen Anbau an die Schüchtermann-Klinik in Bad Rothenfelde zu unterstützen und dort eine Notfall-Versorgung für den Südkreis anzudocken. Eines ist sicher: So wie bisher geht es nicht weiter.

Insgesamt droht nach Schätzungen in Deutschland mehr als 250 Krankenhäusern wegen akuter Geldnot das Aus.