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Mit Freund um Geld gestritten Hilteraner von Körperverletzung freigesprochen

Von Danica Pieper | 17.12.2015, 13:26 Uhr

Im Streit um ein Darlehen soll ein Hilteraner einem Freund aus Dissen zunächst ins Gesicht geschlagen und dann auf ihn eingetreten haben, als dieser am Boden lag. Vor dem Amtsgericht Bad Iburg bestritt der Mann die Tat – und die Zeugen bestätigten seine Angaben. Der Richter sprach den Angeklagten daraufhin frei.

Der Hilteraner bestritt nicht, dass es zwischen ihm und dem Geschädigten in einer Dissener Schmiede zu einer Auseinandersetzung gekommen war. Einige Monate zuvor hatte er seinem langjährigen Freund 500 Euro geliehen, nachdem diesem angeblich 20000 Euro aus einem Safe gestohlen worden waren. Da der Dissener das Geld jedoch nicht zurückzahlte, suchte er ihn in der Schmiede auf, in der er sich regelmäßig mit der Nachbarschaft trifft. Schnell sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen, bei der der Dissener dem Angeklagten gedroht habe, ihm „eine Bierflasche durchs Gesicht zu ziehen“. Außerdem habe er ihn beschuldigt, seinen Fahrzeugschlüssel aus dem geparkten Auto gestohlen zu haben, damit er nicht mehr wegfahren könne. „Er kam mir ganz nah und hat mich an die Wand gedrückt“, erklärte der 50-Jährige. Daraufhin habe er ihn zu Boden gestoßen, jedoch nicht auf ihn eingetreten. Mehr aus Dissen im Netz 

Streit mit Handy gefilmt

Die Freundin des Disseners sagte aus, dass der Angeklagte sehr aufgewühlt in die Schmiede gekommen sei und den 47-Jährigen sofort auf das geliehene Geld angesprochen habe. Sie und ihr Partner hätten dann die Schmiede verlassen wollen, aber festgestellt, dass jemand den Autoschlüssel abgezogen hatte. Sie hätten daraufhin den Angeklagten zur Rede gestellt, der erwidert habe, dass er den Schlüssel erst zurückgeben werde, wenn er sein Geld bekomme. Die 41-Jährige setzte sich zunächst einige Minuten ins Auto, bevor der Streit zwischen ihrem Freund und dem Hilteraner so laut wurde, dass sie schließlich in die Schmiede zurückkehrte. Der 50-Jährige habe auf ihren Partner eingetreten, sodass sie dazwischen gegangen sei. Nebenbei filmte sie die Situation mit ihrem Handy. Das Video zeigte allerdings keine Tritte oder Schläge, dafür war zu hören, wie sie die Angeklagten aufforderte, die Schmiede zu verlassen.

Prellungen und Zahnverlust

Der Dissener erklärte, dass es zwischen ihm und seinem ehemaligen Freund zum Streit gekommen sei – erst wegen des Geldes, dann wegen des Schlüssels. „Ich hatte den Eindruck, dass er mich vor der Nachbarschaft lächerlich machen wollte“, so der 47-Jährige. Der Angeklagte sei auf ihn losgegangen und habe ihn ins Gesicht geschlagen, woraufhin er zu Boden gegangen sei. Anschließend habe er noch mehrfach auf ihn eingeschlagen und eingetreten, wodurch er Prellungen erlitten habe und zwei Zähne herausgebrochen seien. Ein Krankenhausattest bestätigte die Verletzungen.

Angriff abgewehrt

Drei Nachbarn des Geschädigten, darunter auch der Eigentümer der Schmiede, waren ebenfalls anwesend. Sie alle erklärten, dass der Dissener auf den Hilteraner losgegangen sei und dieser ihn abgewehrt habe. Der 47-Jährige sei durch den Stoß zu Boden gegangen, aber gleich wieder aufgestanden. Tritte oder Schläge habe es nicht gegeben.

Freispruch gefordert

Nach diesen Aussagen war die Staatsanwältin überzeugt, dass sich der Vorfall nicht so zugetragen hat wie in der Anklageschrift vorgebracht. Der Beschuldigte habe den Dissener zwar weggestoßen, das sei jedoch gerechtfertigt gewesen. Sie forderte Freispruch. Dem schloss sich der Verteidiger an. Er fügte an, dass die Nachbarn alle mit dem Dissener und teilweise auch mit dem Hilteraner befreundet seien: „Das macht sie umso glaubwürdiger, da sie weder zur einen noch zur anderen Seite tendieren.“

Richter glaubt Angeklagtem

Auch der Richter erklärte, dass sich nicht zweifelsfrei feststellen lasse, dass der Angeklagte für die Verletzungen des Disseners verantwortlich ist: „Sie haben das anders dargestellt und ich habe keinen Anlass, ihnen das nicht abzunehmen“, erklärte der Vorsitzende und sprach den Hilteraner frei.