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Jesuskind erobert die Welt Internationale Krippenausstellung im Kuk-Haus Dissen

Von Anke Schneider | 01.12.2015, 13:41 Uhr

Es ist eine außergewöhnliche Ausstellung, die am Freitagabend im Kuk-Haus eröffnet wurden. Über 100 Krippen aus aller Welt sind dort zu sehen. Die heilige Familie steht offensichtlich in allen Erdteilen an Weihnachten im Mittelpunkt. In unterschiedlicher Ausführung – aber immer mit derselben Botschaft.

Eine Woche lang hatte das Krippen-Team des Glandorfer Vereins Kultour-Gut gemeinsam mit dem Krippenverein Osnabrück Emsland die Figuren im Kuk-Haus aufgestellt und die Ausstellungsfläche dekoriert. Weit über 1000 Christkinder, Marias, Josefs, Hirten und Könige haben die Dekorateure dabei in die Hand genommen. Sie kommen aus allen Erdteilen. Ob Polen, Griechenland, Spanien, Israel, Ägypten, China, Madagaskar, Uganda, Peru oder Mexiko – alle Krippen stellen die Heilige Familie dar. Manchmal in Ställen, aber auch im Freien, in Höhlen oder auf Booten.

Beeindruckende Geschichten

 Viele Krippen erzählen ganz beeindruckende Geschichten, die teilweise auf den Tafeln an den Krippen zu lesen sind. So gibt es eine Krippe aus Südtirol, die ein 95-jähriger Mann namens Leonard Steiger mit seinem Taschenmesser geschnitzt hat.

Zu Beginn der Ausstellung seröffnung hielten die beiden Kirchenvertreter Daniel Klare und Susanne Holsing eine kurze Andacht. Sie berichteten – angelehnt an die Herbergssuche von Maria und Josef - von Ereignissen in der Geschichte, in denen Menschen ihre Tore und Herzen für die Ärmsten der Gesellschaft öffneten. Daniel Klare erzählte von einer Begebenheit in Königsberg, in der ein reicher Gemüsebauer sein Grundstück einzäunte und mit einem großen Tor versah, um Bettler und Diebe fernzuhalten. Durch den Einsatz von Pastor Georg Weissel gelang es, dass der Mann das Tor öffnete und die Armen zu sich einlud. Weissel war es schließlich auch, der anlässlich der Einweihung der Königsberger Kirche den Text des Liedes „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ verfasste.

Herberge gegeben

Susanne Holsing schlug den Bogen in die Gegenwart und machte auf die aktuelle Flüchtlingssituation aufmerksam. „Da hat unsere Regierung etwas richtig gemacht“, sagte sie. Sie habe die Leute nicht abgewiesen, sondern ihnen eine Herberge gegeben. Auch in Dissen würde man auf die Flüchtlinge zugehen. „Wir haben inzwischen einen Sprachtreff ins Leben gerufen“, sagte sie. Die Pastorin forderte die Anwesenden auf, die Türen ihres Herzens für die Friedenbotschaft der Weihnachtsgeschichte zu öffnen.

Ausdruck von Frömmigkeit

Gerhard Lohmeier ging schließlich auf die Geschichte der Krippen ein. Sie seien in allen Ländern ein Ausdruck tief verankerter Frömmigkeit. Das Krippenbrauchtum sei sehr alt, so der Experte weiter. Franz von Assisi, Begründer des Bettelordens der Franziskaner, erfand 1223 das Krippenspiel, indem er die Geburt des Jesuskindes erstmals mit lebenden Menschen nachstellen ließ. Mitte des 16. Jahrhunderts waren es die Jesuiten mit ihrer Gegenreformation, die das Geschehen der Heiligen Nacht mit Figuren darstellten, um mit der bildgestützten Verkündung einen neuen Schwerpunkt zu setzen. 1782 seien die Krippen verboten worden und die Menschen fingen an, sich selber kleine Krippen zu bauen. „1782 gilt als Geburtsjahr der Hauskrippe“, sagte Gerhard Lohmeier.

Symbolik

Der Fachmann machte schließlich die Symbolik der Krippe deutlich und erzählte, dass die heiligen drei Könige die drei damals bekannten Erdteile Europa, Asien und Afrika repräsentieren. Die drei Hirten stellen die Lebensphasen des Menschen dar, weshalb sich unter ihnen oft ein alter Mann und ein Junge finden würden.

Mit der Ausbreitung des Glaubens und dank der Arbeit der Missionare habe die Krippe schließlich die ganze Welt erobert, sagte Gerhard Lohmeier.

Einheit der Botschaft

Jedes Land habe seinen Figuren seinen eigenen Anstrich gegeben. So finden sich beispielsweise an den afrikanischen Krippen Savannentiere rund um das heilige Paar, statt Ochse und Esel. „Die Geburt des Jesuskindes geschieht da, wo der Mensch lebt“, machte Lohmeyer deutlich, dass Weihnachten ein Ereignis ist, dass Zuhause geschieht, und nicht irgendwo. „So unterschiedlich die Art und Herkunft der Krippen auch ist, so einheitlich ist ihre Botschaft“, sagte der Krippenliebhaber.