Ein Artikel der Redaktion

Hammer erhoben? Cannabisplantage im Keller: Dissener vor Gericht

Von Danica Pieper, Danica Pieper | 20.01.2017, 13:21 Uhr

Dass der Dissener in seinem Keller Cannabis anbaute, darüber gab es vor dem Amtsgericht Bad Iburg keinen Zweifel. Streitig ist allerdings noch, inwieweit der 24-Jährige Polizisten bei der Hausdurchsuchung mit einem Vorschlaghammer bedrohte.

Die Cannabisplantage im Keller des Angeklagten soll laut Anklageschrift 35 Pflanzen umfasst haben, was 330 Gramm Marihuana entspricht. Weitere gut 60 Gramm Marihuana fanden die Beamten im Wohnzimmer des Disseners. Während der Durchsuchung habe der 24-Jährige unter anderem Pflanzen und Tabletten nach den Polizisten geworfen und diese mit einem Vorschlaghammer bedroht. Außerdem habe er geäußert, ihnen die Nase abbeißen zu wollen. In der Wohnung hätte der Beschuldigte noch weitere Waffen wie ein Fallmesser, eine Präzisionsschleuder sowie eine Schreckschusspistole aufbewahrt. Daneben warf die Staatsanwaltschaft ihm vor, der Schwester eines Bekannten eine Nachricht geschickt zu haben, in der er androhte, ihren Bruder lebendig zu verbrennen, sollte er ihn „in die Finger kriegen“. Bei einem Treffen mit der jungen Frau habe er diese Drohung wiederholt, während seine Freundin einen Benzinkanister geschwenkt habe. Ein ähnlicher Fall in Dissen 

Angeklagter teilweise geständig

Der Dissener räumte den Betrieb der Cannabisplantage ein. Mit 14 Jahren habe er angefangen, Marihuana zu konsumieren: „Irgendwann habe ich dann darüber nachgedacht, das selbst zu machen, weil es mir zu teuer wurde.“ Die Pflanzen seien ausschließlich zum Eigenkonsum gedacht gewesen. Etwa sechs bis acht Gramm habe er pro Tag geraucht. Der Verteidiger stellte einen Filmriss aufgrund des Drogen- und Alkoholkonsums seines Mandanten in den Raum, dieser konnte sich jedoch gut an die Hausdurchsuchung erinnern. Die Situation sei eskaliert, weil seine Freundin sich nicht hätte ungestört anziehen dürfen und die Polizei einige tote Pflanzen in der Wohnung sicherstellen wollte: „Das war eine unnötige Provokation mir gegenüber.“ Er habe einen Vorschlaghammer, der als Türstopper diente, aus dem Schlafzimmer geholt und die Polizisten aufgefordert, auf ihn zu schießen. Erhoben habe er den Hammer aber nicht. Sein Mitbewohner habe ihn beruhigt, woraufhin er den Beamten die Plantage gezeigt und sich entschuldigt habe.

Starke Stimmungsschwankungen

Ein 59-jähriger Polizist sagte aus, dass der Angeklagte sich zunächst sehr kooperativ gezeigt habe, seine Stimmung aber plötzlich umgeschwenkt sei. Er habe den Hammer erhoben und sei aufs Sofa gesprungen, sodass seine Kollegin ihre Waffe gezogen habe. „Wir haben ihn runter geredet und auf einmal war er wieder ganz ruhig“, so der Beamte. Der Dissener habe sich darüber geärgert, dass die Polizei die vertrockneten Pflanzen aus der Wohnung mitnehmen wolle. „Er hat gesagt: ‚Ihr wollt mir was anhängen‘“, berichtete der Polizist. Nach dem Vorfall mit dem Hammer habe er den Beamten die Plantage im Keller gezeigt und sogar geholfen, die Pflanzen hinauszutragen. Der 59-Jährige hatte nicht den Eindruck, dass der Dissener unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol stand. Ein zweiter Beamter bestätigte die Darstellung seines Kollegen. Mehr aus Dissen im Netz 

Freundin und Mitbewohner widersprechen Polizei

Der Mitbewohner schilderte den Vorfall anders: Der zweite Polizist habe versucht, den Dissener zu schlagen, woraufhin dieser ihn auf das Sofa gezogen habe. Den Hammer habe der 24-Jährige zwar in der Hand gehabt, aber nicht erhoben. Erst nach mehrfacher Nachfrage des Gerichts und des Verteidigers erklärte der Zeuge, nicht ausschließen zu können, dass sein Mitbewohner den Hammer doch hob: „Ich habe einen Moment nicht hingeschaut.“ Auch die Freundin des Angeklagten war überzeugt, dass dieser den Hammer nur über den Boden hielt. Die Polizisten seien von der Aktion unbeeindruckt gewesen, keiner von ihnen habe seine Waffe gezogen.

Bedrohliche Nachricht

Was den Fall der bedrohten Schwester betrifft, machte der Angeklagte keine Angaben. Die 19-Jährige erweckte zunächst den Eindruck, von ihrer polizeilichen Aussage zurücktreten zu wollen, indem sie mehrfach erklärte, das Vernehmungsprotokoll zwar unterschrieben, aber nicht gelesen zu haben. Sie wiederholte dann allerdings vor Gericht, dass der Dissener per Facebook-Nachricht gedroht habe, ihren Bruder anzuzünden. Sie habe ihn daraufhin an seiner Wohnadresse konfrontiert. An den genauen Wortlaut der Unterhaltung konnte sie sich nicht mehr erinnern, aber sie wusste noch, dass die Freundin des Beschuldigten einen Benzinkanister aus dem Fenster gehalten habe. „Ich habe ihn provoziert“, betonte die junge Frau. Die Frage einer Schöffin, ob sie Angst vor dem Angeklagten habe, verneinte sie.

Verhandlung wird fortgesetzt

Angesichts der Unterschiede in den Zeugenaussagen entschied sich das Gericht dafür, eine weitere Polizistin sowie einen Mitarbeiter der Stadt Dissen zu vernehmen, die ebenfalls bei der Durchsuchung dabei waren. Die Verhandlung wird dazu fortgesetzt.

Weitere Beiträge über Gerichtsverfahren in der Region finden Sie hier