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Hallen sind schon abgerissen Bürgermeister: Westfleisch-Pläne gut für Dissen

Von Stefanie Adomeit | 07.10.2015, 19:13 Uhr

Die Gausepohl-Schriftzüge sind abgeschraubt. Nur Schatten auf den Fassaden zeugen noch vom Vorbesitzer. Aus Gausepohl wird nun auch sichtbar Westfleisch. Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann ist froh, dass es auf dem früheren Gausepohl-Gelände weitergeht. „Westfleisch ist meines Erachtens das richtige Unternehmen dafür“, sagte er am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion.

Ansonsten hätte der Stadt dort auf lange Sicht eine Bauruine gedroht, so Nümann. Stattdessen soll der Standort jetzt erweitert werden. Einige Hallen wurden bereits abgerissen.

Die in Münster ansässige Westfleisch hatte die Rindersparte des insolventen Schlachtbetriebs Gausepohl im Februar dieses Jahres übernommen . Diese hatte nach Westfleisch-Angaben zuletzt einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro erwirtschaftet.

Neben der Rinderschlachtung gehörten weitere Unternehmen zum Geflecht der Gausepohl-Gruppe. Diese Firmen existieren auch nach der Pleite der Rindfleischsparte weiter – unter anderem die Gausepohl-Schweinesparte, die ihren Sitz in Gelsenkirchen hat.

 Die Pläne für Dissen sehen so aus, dass Westfleisch gemeinsam mit Danish Crown dort jährlich zunächst 355000 Sauen, später noch mehr schlachten, zerlegen und vermarkten möchte. Danish Crown ist eine Genossenschaft im Eigentum von rund 9000 dänischen Landwirten, hat einen Jahresumsatz von gut 7,6 Milliarden Euro und gehört zu den Top‐Drei-Fleischvermarktern weltweit. Die Westfleisch-Genossenschaft ist im Besitz von etwa 4200 Bauern vorwiegend aus Nordwestdeutschland.

Wie weit das Antragsverfahren für die geplanten Schlachtungen fortgeschritten ist und welche Umbauten für die Umstellung von der Rinder- auf die Sauenschlachtung notwendig sind, war von Westfleisch bis Mittwochabend nicht zu erfahren.

Ab Juni kommenden Jahres kann Westfleisch keine Sauen mehr beim Fleischverarbeiter Tummel in Schöppingen schlachten. Deshalb war das Unternehmen gezwungen, die Sauensparte an einen anderen Standort zu verlegen.

Die Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörde zu dem Gemeinschaftsprojekt „Westcrown“ der Nummer drei und der Nummer vier auf dem deutschen Fleischproduzenten steht noch aus.

 Marktführer Tönnies hat in Dissen mit dem Unternehmen Schulte-Wurst ebenfalls ein Standbein.

 Danish Crown ist in dieser Woche durch Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz erneut in die Kritik geraten . Insbesondere Subunternehmer Ingolf Röschmann wird vorgeworfen, Werkvertragsarbeiter zu zögerlich und schlecht zu bezahlen und sie menschenunwürdig und überteuert unterzubringen.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies reagierte auf die ARD-Recherchen mit den Worten: „Es ist grauenvoll und widerlich. Und ich finde, das ist eine Schande für unser Land, dass wir Menschen hierherholen, die hier arbeiten, schon kaum ihr Geld bekommen und dann unter solchen Bedingungen hier leben und wohnen müssen.“ Ein Pressesprecher des Unternehmens Danish Crown sagt in dem Report-Beitrag zu den gezeigten Szenen: „Das ist nicht okay.“ Die Firma werde die Vorwürfe in Bezug auf Bezahlung und Unterbringung überprüfen und mit Röschmann sprechen.

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