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Dr.-Schloymann-Straße Ein Dissener Arzt voller Tatkraft und Leidenschaft

04.07.2014, 09:51 Uhr

Seit den 1980er- Jahren erinnert im damals neu gebauten Wohngebiet im Norden Dissens die Dr.-Schloymann-Straße an den Sanitätsrat Dr. Hermann Schloymann (1854–1918). Zu seiner Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war er der einzige Arzt in Dissen, der sich mit Hingabe und Einsatzbereitschaft für das Wohlergehen seiner Patienten einsetzte.

Hermann Schloymann gehörte einer alten Familie von Dissener Ärzten an, deren Wirken schon seit der Zeit nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 nachgewiesen werden kann. Sein Vater Dr. Carl Friedrich Schloymann (1807–1877) war Mitbegründer des Badewesens im Nachbarort Bad Rothenfelde. Der langen Tradition seiner Familie folgend, wurde auch Hermann Schloymann Arzt in seiner Heimatstadt.

Als 1903 der Dissener Unternehmer Fritz Homann anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums den Bau eines Krankenhauses finanzierte, wurde der als überaus begabt anerkannte Mediziner Hermann Schloymann dessen Chefarzt. Das Krankenhaus hatte regen Zulauf, unter anderem, da man zu dieser Zeit dank Krankenversicherung den Arztbesuch aus finanziellen Gründen nicht mehr scheuen musste.

Wie viel Leidenschaft Schloymann für seinen Beruf empfunden haben muss, zeigen unter anderem seine flexiblen Arbeitszeiten. Auch außerhalb der normalen Sprechzeiten stand seine Tür den Patienten jederzeit offen. Oftmals behandelte Hermann Schloymann zudem am Sonntag, denn für viele Menschen war der Weg zum Arzt weit, und sie kamen für den Gottesdienst in den Ort.

Auch jenseits der Räume seiner Praxis kümmerte sich Schloymann um seine Patienten. Um zu ihnen zu gelangen, nutzte er seine Kutsche. Damit das zu jeder Zeit möglich war, gab es für Pferde und Wagen gleich neben dem Wohnhaus von Schloymanns Familie einen Stall. Mit Unterstützung eines Kutschers war so ein schnelles Anspannen und zügiges Fahren möglich. Die Fahrt zu den Patienten gestaltete sich – insbesondere in den Wintermonaten, wenn nur der Pferdeschlitten benutzt werden konnte – wegen der meist unbefestigten Straßen häufig schwierig. Doch Schloymann nahm auch Fahrten bei Wind und Wetter auf sich, wenn es darum ging, den Kranken schnell zu helfen. „Dr. Hermann Schloymann hatte eine Tatkraft, die man nur bewundern kann“, so Rosemarie Rieke, Vorsitzende des Heimatvereins Dissen, der sich damals für die Benennung der Straße nach dem Dissener Arzt einsetzte.

Neben der Straße erinnert heute noch das frühere Wohnhaus der Familie Schloymann in der Straße „Am Zuckerbrink“ an die ehemalige Dissener Arztfamilie. Dieses war Schloymann und seiner aus Herford stammenden Frau Emilie 1885 von den Eltern geschenkt worden. Hier lebten beide gemeinsam mit ihrer Tochter Mathilde und Hermann Schloymanns unverheirateter Schwester Hedwig. 1918 starb Hermann Schloymann im Alter von 64 Jahren.