Konzern: Keine Stellungnahme Drei Jahre vor Schließung: Homann laufen Mitarbeiter weg

Von Stefanie Adomeit

In Schieflage: Viele Mitarbeiter haben sich bereits eine Stelle mit Zukunft gesucht und Homann verlassen. Foto: Michael GründelIn Schieflage: Viele Mitarbeiter haben sich bereits eine Stelle mit Zukunft gesucht und Homann verlassen. Foto: Michael Gründel

Dissen/Bad Essen. Seitdem Homann verkündet hat, Dissen und Bad Essen endgültig zu verlassen, laufen dem Feinkostriesen im Osnabrücker Land die Mitarbeiter davon. Viele haben sich nach Informationen unserer Redaktion bereits eine neue Stelle gesucht. Zeit für eine neue Strategie.

Schon im Juli gab es in einzelnen Abteilungen bis zu 20 Prozent Kündigungen. Die Weggänge beeinträchtigen den Produktionsablauf. Die Lebensmittelzeitung berichtet jetzt von einer neuen Methode, wie Homann vor allem hoch qualifizierte Mitarbeiter bei der Stange halten oder neu gewinnen will. Demnach sollen Marketing und Vertrieb, Finanzen und IT in eine Düsseldorfer Neugründung ausgelagert werden.

Stellen für Marketingassistenten wurden bereits mit dem Standort Düsseldorf veröffentlicht. Diese Jobs finden sich allerdings nicht im Karriereportal auf der Homepage von Homann.

Kein Kommentar aus Aretsried

Der Mutterkonzern, die Theo-Müller-Gruppe in Aretsried, will den Bericht über die Kündigungswellen in Dissen und Bad Essen und die neue Service-Gesellschaft in Düsseldorf nicht kommentieren. Sprecher Alexander Truhlahr sagte am Montag auf Anfrage unserer Redaktion nur: „Das sind interne Vorgänge. Bei diesem Thema stehen die Mitarbeiter im Fokus. Und die sind informiert.“ Auch der Betriebsrat möchte sich im Moment nicht zu dem Aderlass äußern. Uwe Hildebrand von der Gewerkschaft NGG war am Montag nicht erreichbar.

Gerade das Werk in Bad Essen-Lintorf leide unter dem Schwund. Im Osnabrücker Land behelfe man sich deshalb derzeit, so die Lebensmittelzeitung, mit befristeten Kräften und Leiharbeitern.

Enttäuschung über Sozialplan

Das zeigt, dass den Mitarbeitern die im Sozialplan verankerte Halteprämie von einem Monatsgehalt pro Jahr nicht reicht. Für viele waren der Sozialplan und die dort vereinbarten Abfindungen eine Enttäuschung. Der Vertrag sieht für Angestellte zwischen 50 und 60 Jahren als Abfindung 0,55 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit vor. Mitarbeiter, die jünger als 30 Jahre alt sind, sollen 0,4 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit bekommen.

Damit sank der Anreiz, den Betrieb aufrechtzuerhalten, offenbar massiv. Selbst langjährige Homänner kündigten an: „Ab jetzt werde ich Bewerbungen schreiben.“

Trotz Wechselprämie und Mietzuschuss

Betriebsratschef Andreas Straede wollte eine Kündigungswelle nach Bekanntwerden des Sozialplans ebenfalls nicht ausschließen und erklärte mit Blick auf die Geschäftsführung: „Da wird sie wohl noch etwas drauflegen müssen.“ Straede ging davon aus, dass nur 100 Mitarbeiter das Angebot annehmen werden, ab 2020 im 500 Kilometer entfernten Leppersdorf zu arbeiten. Daran änderten auch die Wechselprämie von 8000 Euro, ein Mietzuschuss von 300 Euro monatlich und das gleiche Gehalt wie in Dissen nichts.

Nach Informationen der Lebensmittelzeitung soll das neue Werk in Leppersdorf die Arbeit ein halbes Jahr vor der Schließung der vier bisherigen Standorte aufnehmen.

Leppersdorf braucht die Hälfte des Personals

Die Unternehmensgruppe Theo Müller hatte Ende Juni nach monatelangem Hin und Her mitgeteilt, dass die Werke in Dissen, Bad Essen-Lintorf, Bottrop und im thüringischen Floh-Seligenthal mit insgesamt 1550 Mitarbeitern bis 2020 geschlossen werden und die Produktion ins sächsische Wachau-Leppersdorf bei Dresden verlagert werden soll. Dort soll für 500 Millionen Euro ein neues Feinkostwerk für 800 Mitarbeiter entstehen. Somit wird Müller bei Homann die Hälfte des Personals abbauen. Der Molkerei-König erzielte 2015 mit 27000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro.