Kein echtes Jubiläum, aber stolze Zahl 260 Jahre Beucke: Dissener Druckexperten wachsen


Dissen. „Das ist unser kleiner Ferrari, diese Maschine bedruckt 500 Meter in der Minute“, weist Lutz Beucke in einer Werkshalle auf einen Giganten aus Metall. Was vor 260 Jahren mit dem Einbinden von Bibeln am Dissener Kirchplatz begann, ist heute ein Hightech-Unternehmen im Industriegebiet mit 100 Millionen Euro Umsatz, immer noch in Dissen.

Gerade wird hier der Boden für eine 30 Meter lange, neue Tiefdruckrotation bereitet – im wahrsten Sinne des Wortes. „Das Gefälle darf drei Millimeter nicht überschreiten“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Lutz Beucke vor einer großen freien Fläche in dem 18.000 Quadratmeter großen Betrieb in der Garte. Der Aufbau der Maschine aus Lengerich wird zweieinhalb Monate dauern, Kostenpunkt inklusive Installation: fünf bis sechs Millionen Euro.

Die Neue schafft bis zu elf Farben. Jede wird einzeln gedruckt und trocknet, bevor die nächste fließt. Wenn es um Lebensmittelverpackungen geht, müssen natürlich auch die Farben lebensmittelecht sein. Jeder Hersteller hat eigene, der Kekshersteller sein Gelb, Kaubonbons ihr Rot.

Druckfarben mit der Muttermilch aufgesogen

Beucke hat sechs Tiefdruckrotationen, und die sind auch notwendig. Große Kunden erwarten das für die Absicherung ihrer Produktion. Nichts schlimmer, als wenn eine Maschine ausfällt und keine Bonbons mehr in die passende Folie eingewickelt werden können. Auch zwei- und dreilagige Verpackungen, Duplexe und Triplexe, kann Beucke bedrucken. Bei der Suche nach einem sogenannten Backup-Partner war das Unternehmen vor einigen Jahren bei Rahning in Bünde fündig geworden. Jetzt übernehmen die Niedersachsen den ostwestfälischen Betrieb.

Firmenchef Lutz Beucke hat die Druckfarben mit der Muttermilch aufgesogen. In siebter Generation leitet der 58-Jährige das Unternehmen mit einem 100-Millionen-Euro-Umsatz, das sich auf Druckveredlung und die Verarbeitung flexibler Verpackungen spezialisiert hat. An seiner Seite steht die achte: Tochter Josephin Beucke, erste Frau in der Leitung, ist nach einem Studium in Internationalem Management für Projektmanagement und strategische Ausrichtung verantwortlich und sagt: „Mein Herz schlägt für Verpackung“. Lutz Beucke, nach eigener Aussage totaler Zahlen-Daten-Fakten-Mensch, freut sich über die Begeisterung, sagt aber auch: „Die Verantwortung ist auch eine Bürde.“

In drei Schichten

Im 260. Jahr seiner Geschichte beschäftigt Beucke gut 500 Mitarbeiter in drei Schichten. Innerhalb eines Jahres sollen 30 Fachkräfte hinzukommen: „Tiefdrucker zu finden ist aber gerade äußerst schwierig“, deshalb hofft Beucke auf den Lückenschluss der Autobahn 33 und bildet verstärkt selbst aus.

Hauptsächlich mit Süßwarenverpackungen macht der Betrieb sein Geschäft, „kritisch ist die Zigarettenindustrie“, sagt Lutz Beucke. Die Konkurrenz sei angriffslustig und sitze in der Türkei, in Polen, Russland und Tschechien. „Die unterbieten uns deutlich, haben wesentlich geringere Kosten für Material und Lohn und weniger Auflagen.“ Material kauft auch Beucke auf dem Weltmarkt, in Indien, Dubai und Ägypten.

Eigene IT-Abteilung

Dabei haben Beuckes südliche Temperaturen in Dissen gar nicht gern. Farben mögen keine Hitze. Entzündet sich doch ein Feuer, wird Kohlendioxid automatisch freigesetzt.

Eine Halle weiter lagern 15.000 Druckrollen, die alle schon einmal im Einsatz waren. Die Rollen sind zwar nicht endlos nutzbar, der Abrieb kann aber mit einer neuen Verchromung für eine gewisse Zeit ausgeglichen werden. Programmiert werden alle Aufträge in der eigenen IT-Abteilung.

Um 1900 schlug der Familienbetrieb für Rau und Homann Margarine in Pergament ein. Auch die Kriegsjahre habe man recht gut überstanden, erzählt Lutz Beucke, teilweise hatte die Firma da schon 300 Mitarbeiter. In den 80ern verabschiedete man sich vom Akzidenzdruck, von Trauerkarten und Hochzeitseinladungen.

Seit zwölf Jahren bietet Beucke in Brandenburg an der Havel Flexodruck an. Den Offset-Druck wurde im August aufgegeben. Und 2018 wird ein Zukauf von 2015 in Alfeld geschlossen, der vor allem für die Süßwarenindustrie produzierte: „Wir integrieren das Unternehmen in unseren Dissener Betrieb“, erklärt Lutz Beucke. Er hätte gerne mehr der Mitarbeiter nach Niedersachsen geholt, doch die 140 Kilometer Entfernung nach Alfeld seien vielen zu weit.

Jedes Druckverfahren hat sein eigenes Unternehmen unter dem Dach der Beucke und Söhne Verwaltungs-GmbH mit zwei Gesellschafterstämmen. Geht es nach Josephin und Lutz Beucke, gerne für die nächsten 260 Jahre. Mehr aus Dissen im Netz


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