Taxifahren zu teuer Kranke Dissener Rentnerin beklagt lange Fußwege zur Haltestelle

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Fühlen sich im Regen stehen gelassen: Heidemarie Carl (links) und die Seniorenbeauftragte Dissens, Angelika Scheurell, beklagen das dünne Haltestellennetz in der Stadt. Foto: Horst TroizaFühlen sich im Regen stehen gelassen: Heidemarie Carl (links) und die Seniorenbeauftragte Dissens, Angelika Scheurell, beklagen das dünne Haltestellennetz in der Stadt. Foto: Horst Troiza

Dissen. Die Dissenerin Heidemarie Carl beklagt das dünne Haltestellennetz in ihrer Stadt und erhält Unterstützung von der Seniorenbeauftragten Angelika Scheurell. Die 74-jährige Rentnerin Carl, die mehrmals wöchentlich zur medizinischen Behandlung in die Nachbargemeinden muss, hat von ihrer Wohnung am Nordrand 1,4 Kilometer zu Fuß bis zur nächsten Haltestelle zurückzulegen.

Ob die Sonne lacht, es regnet oder schneit: Wenn Heidemarie Carl in den Bus steigen will, hat sie jedes Mal 1,4 Kilometer zu marschieren. So weit ist es nämlich von ihrer Wohnung in der Straße Zur Steinegge bis zum nächsten Bushalt „Krümpel“. Was selbst jüngere Menschen auf Dauer als beschwerlich ansehen würden, ist für die schwer erkrankte Rentnerin inzwischen zu einer Strapaze geworden. „Es ist ja nicht nur der Weg zur Haltestelle hin, sondern später auch der Rückweg, der ja auch vor mir liegt“.

Ältere und Kranke

Das Problem der fernen Haltestelle ist für Dissens Seniorenbeauftragte Angelika Scheurell nichts Neues. „In manchen Teilen der Stadt sind Bushaltestellen dünn gesät. Besonders Ältere und Kranke sind davon betroffen, oftmals längere Wegstrecken zu Fuß zurücklegen zu müssen“, weiß sie. Das Problem trete vor allem in älteren Siedlungen auf, wo auch deren Bewohner inzwischen das Seniorenalter erreicht haben. Als Beispiel nennt sie ihren Wohnort Aschen, aber auch Bewohner des Seniorenzentrums Dissen am Heidländer Weg beklagten sich über die langen Wege bis zur nächsten Haltestelle.

„Ich finde die Diskussion ärgerlich, alte Menschen sollten doch ihren Führerschein abgeben. Und dann? Sind denn kilometerlange Fußwege zur Teilnahme am ÖPNV eine lohnenswerte Alternative?“, fragt Scheurer. Und das Argument, in einem solchen Fall doch näher in die Innenstadt zu ziehen zu können, kann sie auch nicht mehr hören. „Wir wissen doch alle, dass die Mieten im Zentrum immer höher steigen. Wer eine nur niedrige Rente bekommt, kann doch nur am Stadtrand wohnen, wo die Mieten noch bezahlbar sind“.

Witwenrente

Das ist bei Heidemarie Carl der Fall. Sie beklagt sich darüber, dass sie mit ihrer niedrigen Witwenrente nicht jedes Mal Taxi fahren kann. „Das kostet mich 5,80 Euro für eine Fahrt, das kann ich mir doch gar nicht leisten“. Eine Haltestelle irgendwo im Bereich des Nordrings – das würde schon helfen.

Das Problem ist auch der Stadtverwaltung bekannt. „Aber was sollen wir denn machen? Die Einrichtung von Haltestellen ist Sache der ÖPNV-Betreiber“, sagt Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann. Man habe sich schon mit dem Modell des Rufbussystems wie in GMHütte beschäftigt , bei dem Kleinbusse per Telefonanruf geordert werden können, mehrere Fahrgäste aufnehmen und zur nächstgelegenen Haltestelle fahren. „Aber ein solches System kostet richtig Geld. Das können wir doch als Kommune im Moment gar nicht bezahlen“, so Nümann.

Ehrenamtliche Fahrer

Trotzdem, untätig bleiben Stadt und Politik nicht. Das Problem ist bereits im Rat besprochen, aber noch nicht abschließend diskutiert worden. Man habe, so Nümann, bereits mit einem örtlichen Busunternehmen gesprochen, das Pläne ausarbeiten und diese im Herbst vorstellen will. „Eine andere Möglichkeit wäre, dass das Land einen Bus sponsert und hier Ehrenamtliche den Fahrdienst übernehmen. Doch dazu werden 20 bis 25 Fahrer benötigt – ob das zu bewerkstelligen wäre?“. Mehr aus Dissen im Netz

Wie auch immer, eine Lösung muss gefunden werden, meint die Seniorenbeauftragte. In den nächsten Jahren wird sich die Anzahl älterer Menschen mehr und mehr erhöhen, und damit auch die jener mit Bewegungsbeeinträchtigungen und Erkrankungen. Auch diese hätten ein Anrecht auf Mobilität.


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