Suche über Facebook Mutter aus Dissen verzweifelt: Wer hat Zoes Rehabuggy gestohlen?


Osnabrück/Dissen. Kathrin Grunert aus Dissen ist wütend und verzweifelt. Der Spezialbuggy ihrer Tochter mit Down-Syndrom wurde gestohlen. Ohne den Wagen ist die alleinerziehende Mutter aufgeschmissen. Doch auf Hilfe von Polizei und Versicherung braucht sie kaum zu hoffen.

Als Kathrin Grunert am Samstagmorgen vor anderthalb Wochen den Hausflur im Erdgeschoss betrat, war das wie ein kleiner Schock: Keine Spur vom Rehabuggy ihrer fünfjährigen Tochter Zoe, für den die alleinerziehende Mutter aus Dissen so lange hatte kämpfen müssen.

Zoe hat das Down-Syndrom. Normalen Wagen für Kleinkinder ist sie längst entwachsen. Der Rehabuggy kann die 20 Kilo des Mädchens tragen – und verhindert mit seinen Spezialgurten, dass es sich aus dem Wagen befreien und auf die Straße springen kann. „Durch ihre Behinderung kann meine Tochter Gefahren überhaupt nicht einschätzen. Außerdem wittert sie jede Gelegenheit, um wegzulaufen“, erklärt Kathrin Grunert. (Weiterlesen: Kasse lehnt Erstattung für Helmtherapie ab)

Jeder Ausflug ein Kraftakt

Ohne den Buggy wird jeder Ausflug mit Zoe und ihrem dreijährigen Bruder Noah zum Kraftakt für die Alleinerziehende, die keinen Führerschein und kein Auto hat. Ihre Tochter trägt sie auf dem Rücken, der durch die Belastung wieder zu schmerzen begonnen hat. Manchmal muss sie den Dreijährigen gleichzeitig noch auf den Arm hieven. (Weiterlesen: Setzte Osnabrücker Busfahrer Pfefferspray gegen Familie ein?)

Die Rückenprobleme waren der Grund, warum Grunert überhaupt einen Spezialbuggy von der Krankenversicherung bewilligt bekam, wie sie selbst schildert. Standardmäßig gehöre das Hilfsmittel nicht in den Leistungskatalog, doch die Versicherung zeigte sich kulant.

1600 Euro kostet der Rehabuggy von Zoe. Noch einmal 500 Euro kommen für Spezialgurte hinzu. Foto: Kathrin Grunert

Warum war der Wagen nicht angeschlossen?

Nun ist der Wagen weg. Gestohlen aus dem Hausflur des Mehrparteienhauses an der Straße „am Kirchplatz“, in dem Grunert mit ihren beiden Kindern wohnt.

Die Haustür sei geschlossen, aber nicht abgeschlossen gewesen, glaubt die Mutter. Den Buggy habe sie nicht mit einem Schloss gesichert. Mit zwei Kindern sei es unmöglich, den Buggy in den Keller zu schleppen und dort einzuschließen. Ihn im Flur ans Geländer zu ketten, sei aus Brandschutzgründen verboten.

Keine Hoffnung in die Hausratsversicherung

Wenn sie Pech hat, muss die Mutter der Versicherung den Wagen ersetzen. Allein der Buggy koste in der Neuanschaffung 1600 Euro. Hinzu kämen noch einmal geschätzt knapp 500 Euro für die Spezialgurte. „Als ich die Preise gesehen habe, bin ich erst mal hintenrübergefallen“, so die Mutter.

In ihre Hausratsversicherung setzt sie nicht allzu große Hoffnung. Die Police greife nur bei Einbruchdiebstählen oder Raub – doch weder wurde Grunert bedroht, noch wurde das Haus aufgebrochen. „Daraus, dass der Buggy nicht angekettet war, wird man mir einen Strick drehen“, glaubt Grunert. Die Alleinerziehende erstattete Anzeige bei der Polizei. Aber auch von den Beamten erwartet sie nicht allzu viel Hilfe.

Die Polizei kann kaum helfen

Tatsächlich seien die Ermittlungsmöglichkeiten in solchen Fällen sehr gering, sagt Frank Oevermann von der Osnabrücker Polizei – auch wenn der Täter in der Nachbarschaft vermutet werde. „Kein Staatsanwalt der Welt erlässt auf dieser Grundlage einen Durchsuchungsbeschluss“, so der Polizeisprecher. Wenn es keine konkreteren Hinweise auf den Täter gebe oder der Wagen wieder auftauche, werde Grunert vermutlich einen Einstellungsbescheid zum Verfahren bekommen.

Die Dissenerin ergriff deshalb selbst die Initiative. Auf Facebook bat sie Zeugen in einem öffentlichen Beitrag, sich zu melden – mit überwältigender Resonanz, wie sie selbst sagt. Mehr als 1200 Mal wurde ihr Post geteilt und damit weiterverbreitet.

Leihangebote statt Zeugenhinweise

Doch einen konkreten Hinweis auf den Täter oder den Verbleib ihres Buggys erhielt die Mutter nicht. Stattdessen aber immerhin: Leihangebote für Lastenbuggys. Ohne Spezialgurte helfen die Grunert zwar nur bedingt weiter. „Aber ich fand es ganz toll, wie empathisch die Leute reagiert haben.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN