Konzept in die Zukunft retten Hauptschule Dissen sorgt sich um Berufsorientierung

Die Hauptschule Dissen setzt alles daran, ihren Schülern den Berufseinstieg zu erleichtern. Nun befürchtet sie, dass das Pogramm nicht mehr fortgesetzt wird. Foto: Andrea PärschkeDie Hauptschule Dissen setzt alles daran, ihren Schülern den Berufseinstieg zu erleichtern. Nun befürchtet sie, dass das Pogramm nicht mehr fortgesetzt wird. Foto: Andrea Pärschke

Dissen. Seit Jahren vermittelt die Hauptschule Dissen erfolgreich Schüler in die Berufswelt. Dazu fährt die Schule ein umfassendes Programm. Doch wie geht es mit dem Berufsorientierungsprogramm weiter?

Etwas aufgeregt sind die Schüler schon, wenn sie zu Carolin Büßelberg, Stefanie Ramhorst und Natalie Gödeker hineingehen. Die Personalreferentinnen haben ihren angestammten Platz in den Räumen der Beucke Group und der Fuchs-Gruppe für einen Tag verlassen – und Posten in der Schulbibliothek bezogen: Denn bevor es für die Schüler der Hauptschule Dissen zum ersten Bewerbungsgespräch um einen Ausbildungsplatz geht, machen die Neuntklässler innerhalb des dreitägigen Projektes „Yes we can“ einen Testlauf an der Schule. Und das ist nur ein Teil des umfassenden Berufseinstiegstraining der Hauptschule, das in der Klasse sieben beginnt und neben dem praktischen Bewerbungs-Einmaleins auch Seminare zur Berufswahl und Selbstfindung enthält. „Wir arbeiten gerne mit der Hauptschule zusammen“, sagt Carolin Büßelberg von der Beucke Group. Denn so lernen die Firmen viele ihrer späteren Auszubildenden bereits bei Jobmessen, Praktika – und eben bei dem Bewerbungstraining kennen. Ein Vorteil für Schüler wie für Firmen.

Veränderte Rahmenbedingungen

Ein Vorteil, um deren Fortbestand sich Stefan Quermann und die kommissarische Schulleiterin zurzeit sorgen. Denn das Programm steht in zweifacher Hinsicht auf einer Schwelle: Zum einen aufgrund des schrittweisen Übergangs von Real- und Hauptschule zur IGS. Zum anderen nahm die Schule gemeinsam mit 200 weiteren niedersächsischen Schulen bislang immer an einem Berufsorientierungsprogramm des Bundesinstituts für Berufsbildung teil, wie Sebastian Schumacher, Pressesprecher des Kultusministeriums, berichtet: „Derzeit schließen Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit landesspezifische Vereinbarungen zum Übergang Schule zum Beruf ab“. Der Hauptschule Dissen liegt nun daran, dass das Berufseinstiegsprogramm trotz veränderter Rahmenbedingungen nahtlos fortgeführt werden kann. Mehr aus Dissen im Netz

Noch kein Konzept für die IGS

Ein fertiges Berufseinstiegs-Konzept für die IGS liegt derweil noch nicht vor. „Die Gespräche der Planungsgruppe laufen noch“, sagt Bianca Schöneich, Pressesprecherin der niedersächsischen Landesschulbehörde. Ähnlich äußert sich das Kultusministerium: „Es ist nicht zu erwarten, dass bereits vor Aufnahme des Schulbetriebs ein umfassendes Berufsorientierungskonzept vorliegt“, heißt es weiter in der Stellungnahme des Landesministeriums. Denn die Haupt- und Realschule laufen langsam aus, während der Betrieb an der IGS erst aufgenommen werde. Trotzdem seien die Chancen gut, „dass bewährte Bestandteile der dortigen Konzepte“ auch an der IGS übernommen würden.

Programm vor dem Abschluss

Die Projekte der siebten und achten Klasse sind vor allem von dem Wechsel des Programmträgers betroffen. Der Bund unterstützte für diese Jahrgangsstufen „Werkstatttage von zwei Wochen und eine vorgelagerte Potenzialanalyse“, wie Lucia Winter, Pressesprecherin des Bundesinstituts für Berufsbildung, erläutert. Dieses Programm soll in Zukunft nicht mehr vom Bund sondern vom Land Niedersachsen gesteuert werden. Die Vereinbarungen mit Niedersachsen stünden laut Pressesprecher des Kultusministeriums nun kurz vor dem Abschluss. Zunächst stehen alle Workshop-Anbieter, die bislang vom Bund gefördert wurden, noch zur Verfügung. Damit die Schulen auch zukünftig darauf zugreifen können, müssen die Programmanbieter neue Anträge beim Land Niedersachsen stellen.

Kontinuität wünschenswert

In der Vergangenheit ist es laut Quermann jedoch nicht immer ganz einfach gewesen, das bewährte Konzept durchzuführen. Denn viele Seminare von externen Bildungseinrichtungen – etwa in der neunten Klasse – werden vom Kultusministerium in einem Pool zusammengefasst. Dabei fallen immer wieder Seminare heraus und neue werden hinzugefügt. „Eine gewisse Kontinuität und Verlässlichkeit wäre hier wünschenswert“, so Stefan Quermann. So wird zurzeit das Seminar „Erwartungen der Arbeitswelt“ von Fuchs Konzepte und Personaler noch vom Land unterstützt. Ob dies auch im kommenden Jahr noch der Fall sei, wäre jedoch noch nicht sicher.


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