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2020 ist Schluss Liveblog zum Nachlesen: Homann schließt seine Werke in der Region


Osnabrück. Der Theo-Müller-Konzern will das Homann-Werk in Dissen und Bad Essen-Lintorf schließen. Die Mitarbeiter wurden für Freitagmorgen um 10 Uhr in eine kurzfristig von der Geschäftsführung einberufenen Belegschaftsversammlung bestellt. Hier gibt es unseren Liveblog zum Nachlesen.


AUßERORDENTLICHE BETRIEBSVERSAMMLUNG BEI HOMANN

21. April 2017 07:00
Was sagen Betriebsrat Andreas Straede und Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann zu der Entscheidung des Konzerns? Im Gespräch mit unserer Redaktion beziehen sie Stellung.
 
Foto: Jörn Martens
Sarah Engel
21. April 2017 07:02
Für Homanns Angestellte ist die Nachricht eine Hiobsbotschaft. Doch der Konzern macht das, wofür er bekannt ist – und was man ihm nicht mal verdenken kann. Er rechnet. Lesen Sie hier den Kommentar unserer Kollegin Stefanie Adomeit zur Homann-Entscheidung.
Sarah Engel
21. April 2017 07:36
Für die Stadt Dissen kommt es in den vergangenen Monaten Schlag auf Schlag: Erst die alles andere als geräuschlose Schließung des Klinikums und jetzt das drohende Aus für den Homann-Standort.
Archivfoto: Swaantje Hehmann
 
Sebastian Philipp
21. April 2017 09:22
Die Entscheidung für ein neues zentrales Homann-Werk scheint gefallen zu sein – leider nicht auf Dissen. Dass der Feinkosthersteller nach einem neuen Standort sucht, war aber seit Monaten bekannt. Schon im Januar 2016 wurde öffentlich, dass Homann am jetzigen Standort offenbar an seine Grenzen stößt. „Der Werkskomplex ist historisch gewachsen, besteht aus modernen und älteren Gebäuden. Teile des Werks befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Wohnbebauung, wodurch es schon Ärger mit Emissionen gab“, sagte Bernhard Hemsing, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten seinerzeit im Gespräch mit unserer Redaktion. Um dort langfristig weiterproduzieren zu können, müssten hohe Auflagen erfüllt werden. Das könnte durch einen Neubau umgangen werden.
Sarah Engel
21. April 2017 09:25
Dissen hatte sich seitdem mächtig ins Zeug gelegt, um Homann in der Stadt zu halten. In den Fokus rückten dabei Flächen südlich der A33 im neuen Dissener Industriegebiet. Im Herbst machte der Rat den Weg frei für einen völlig neuen Homann-Standort – vorangegangen waren monatelange Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern.
 
Foto: Jörn Martens
Sarah Engel
21. April 2017 09:26
Im Juni 2016 gab es die erste schlechte Nachricht für Dissen: Homann schloss an seinem Hauptstandort eine von drei Fabriken. Die Produktion des betroffenen Werks für Spezialsalate wird auf die anderen beiden Fabriken in Dissen und auf andere Standorte der Gruppe verlagert. 70 Mitarbeiter sind betroffen.
 
500 Millionen Euro will Homann angeblich in einen Standort investieren. Neben Dissen konkurrierten auch andere Orte um die Gunst des Feinkostherstellers. Versmold und Borgholzhausen sollen sich mit einem interkommunalen Gewerbegebiet um eine Ansiedlung bemüht haben. Die besten Karten scheint aktuell das sächsische Leppersdorf zu haben. Dort produziert die Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der Homann gehört, bereits Molkereiprodukte.
Sarah Engel
21. April 2017 09:26
Wie die Sächsische Zeitung berichtet, steht derzeit im Gemeinderat Wachau eine Änderung des „Bebauungsplans Gewerbegebiet Leppersdorf“ zur Diskussion. Müller plant demnach eine dichtere und höhere Bebauung des Werksgeländes, was darauf hindeuten könnte, dass die Homann-Feinkostproduktion tatsächlich dorthin verlagert werden soll.
Sarah Engel
21. April 2017 09:32
Guten Morgen! Wir sind für Sie in Dissen vor Ort. Um 10 Uhr soll es hier eine außerordentliche Betriebsversammlung geben. Am Haupttor ist jedoch noch alles ruhig.
Sebastian Philipp
21. April 2017 09:34
Guten Morgen auch von mir! Langsam kommen die ersten Mitarbeiter zur Betriebsversammlung beim Dissener Werk Homann. Viele von ihnen haben von der Werksschließung erst durch die Berichterstattung der NOZ erfahren und gehen mit einem mulmigen Gefühl auf das Betriebsgelände.
Andrea Pärschke
21. April 2017 09:38
Eingetroffen ist soeben auch Rainer Spiering von der SPD. Er wolle an der Betriebsversammlung teilnehmen. Ob er reingelassen wird?
Sebastian Philipp
21. April 2017 09:48
Doch SPD-Mann Rainer Spiering wurde nicht hineingelassen, er ist ziemlich aufgebracht. Der Bundestagsabgeordnete wurde an der Tür abgewiesen. Ihm sei sogar mit der Polizei gedroht worden. "Das habe ich so noch nicht erlebt!"
Sebastian Philipp
21. April 2017 09:51
Immer mehr Menschen kommen bei Homann in Dissen an. Foto: Jörn Martens
Sarah Engel
21. April 2017 09:54
Rainer Spiering ist vor Ort aufgewachsen und in Dissen zur Schule gegangen. "Ich habe gestern davon erfahren und bin immer noch total schockiert. Das steckt eine Stadt wie Dissen nicht so einfach weg." Der SPD-Mann wirft der Homann-Konzernmutter eine "Amerikanisierung" vor: "Wie hier mit Arbeitnehmern gespielt wird, geht gar nicht!"
 
Foto: Jörn Martens
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:10
Gleich sprechen wir mit Bürgermeister Hartmut Nümann, bei dem das Telefon heute nicht stillsteht.
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:11
Dissens Bürgermeister Nümann fällt das Lachen heute schwer.
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:22
Der Bürgermeister hat heute natürlich einen Termin nach dem anderen. Trotzdem hat er Zeit für unser Reporterteam. "Das ist ein schwieriger Tag für Dissen, auch wenn die letzte Entscheidung ja vielleicht noch nicht gefallen ist, sagt Nümann.
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:24
Er hatte gestern durch die Medien von der Entwicklung erfahren. Kurz darauf habe ihn aber auch ein Homann-Mitarbeiter informiert. Der Bürgermeister zeigt sich trotz aller Bestürzung optimistisch: "Wir werden neue Unternehmen in Dissen ansiedeln!"
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:24
"Es ist ein Schlag", sagt Helene Neufeld von Lenas Grill, dem Imbiss direkt vor den Toren Homanns. Ihr Mann arbeitet seit 26 Jahren in dem Werk, das Ehepaar ist in der Stadt fest verwurzelt. "Es wäre sehr schade, wenn Homann Dissen verlässt, auch für mich persönlich."
Andrea Pärschke
21. April 2017 10:26
Inzwischen kommen erste Mitarbeiter aus der Betriebsversammlung. Nun steht fest: Homann verlässt Dissen. Die Mitarbeiter wissen seit heute offiziell Bescheid.
Andrea Pärschke
21. April 2017 10:30
Gewerkschaftsmitglied Uwe Hildebrand kommt aus der Betriebsversammlung: Er ist aufgebracht, hat erst gestern Abend von den Plänen Homanns erfahren und ist heute zur Betriebsversammlung gefahren. Bei der Bekanntgabe der Pläne durfte er sich nicht äußern.
Andrea Pärschke
21. April 2017 10:33
Wie es mit den Mitarbeitern weitergeht und welche Perspektiven ihnen geboten werden, kann Uwe Hildebrand nicht sagen. Das sei Gegenstand weiterer Verhandlungen, so der Gewerkschaftsmann.
Andrea Pärschke
21. April 2017 10:34
In Dissen ist Homann heute natürlich DAS Stadtgespräch. Sabine aus Dissen hat mehrere Bekannte, die bei Homann arbeiten. Für sie ist es heute ein schwarzer Freitag für die Stadt. "Dissen ist Homann und Homann ist Dissen," sagt sie.
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:38
Auch im Altkreis Wittlage ist die Betroffenheit und Bestürzung über das Homann- Aus groß. Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer sagte dazu: „Die Entscheidung des Unternehmens, die gegenüber Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertretern verkündet wurde, markiert einen herben Einschnitt für die heimische Region. Die Lebensmittelproduktion in Lintorf wie auch in Dissen kann auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken. Anscheinend zählt das angesichts des Wettbewerbs nichts mehr. Schlimm ist die Entscheidung natürlich insbesondere für die Beschäftigten.“ 
 
Foto: Oliver Krato
Sarah Engel
21. April 2017 10:40
Für den Standort Bad Essen-Lintorf hätte die Gemeinde mit einer Schließung rechnen müssen. Die Anforderungen des Unternehmens an einen neuen Gesamtstandort ließen sich auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Essen nicht erfüllen – weder von der Größenordnung der benötigten Flächen her noch bezüglich der geforderten Autobahnnähe,“ so Natemeyer.
 
Foto: Friedrich Lüke
Sarah Engel
21. April 2017 10:41
Allen Betroffenen bleiben nun drei Jahre, um sich auf die anstehenden Veränderungen einzustellen. Bad Essens Bürgermeister denkt nach dem Tiefschlag an die Folgen für die Menschen und die Region: „Wo kommen die Leute unter? Was wird aus dem Werksgelände? Das sind die drängendsten Fragen, die uns beschäftigen werden. Für alle spürbar wird der Wegfall des Produktionsstandortes Lintorf übrigens auch bei den Wasser- und Abwassergebühren werden. Ohne den Wasser-Großkunden Homann werden die Gebühren nämlich für alle anderen angehoben werden müssen. Das ist bereits jetzt absehbar.“
 
Foto: Oliver Krato
Sarah Engel
21. April 2017 10:42
"Seit Monaten ist die Stimmung angespannt", sagt dieser Homann-Mitarbeiter. Nun ist es raus. Vier Jahre bleibt Homann noch in Dissen, dann steht der Umzug an. Diesen können die Mitarbeiter mitmachen. Sachsen ist für diesen Homann-Mitarbeiter jedoch keine Alternative. Älteren Mitarbeitern soll aber eine Altersteilzeit angeboten worden sein.
Andrea Pärschke
21. April 2017 10:44
Uwe Ziemann arbeitet seit mehr als 30 Jahren für Homann. Er hat die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen. "Erst das Krankenhaus, jetzt Homann. Für Dissen ist das ein schwerer Schlag." Ziemann kommt gerade von der Betriebsversammlung und hat dort eine seltsame Stimmung erlebt: "Herr Kamps hat seine Sicht der Dinge dargelegt und gesagt, dass Dissen von allen Standorten strukturell am schlechtesten ist. Viele Kollegen haben zynisch gelacht."
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:55
Die Stimmung im Dissener Stadtkern ist alles andere als gut. Einige Passanten möchten nichts sagen, andere kommen direkt aus der Betriebsversammlung und wollen ihren Namen weder in der Zeitung noch online auf noz.de lesen. Klar ist: sollten sich die Pläne zur Schließung konkretisieren, ist das heute wirklich ein schwarzer Freitag für Dissen.
Sebastian Philipp
21. April 2017 10:58
"Keiner der hohen Herren hat sich über die Familien Gedanken gemacht, die hier gebaut haben. Sollen die jetzt alle nach Sachsen ziehen?," sagt ein Homann-Mitarbeiter, der nicht mit Namen genannt werden möchte.
 
Foto: Jörn Martens
Sebastian Philipp
21. April 2017 11:13
Homanns Betriebsrat Andreas Straede stellte sich den Fragen der Presse. Er schätzt die Lage in den nächsten drei Jahren als prekär ein. "Es ist fraglich, ob wir so produzieren können, wie wir das gerne möchten", sagt er. Die Motivation der Mitarbeiter sei im Keller, Tränen seien geflossen. Ein Umzug käme für die meisten nicht in Frage. Nun wird der Betriebsrat in Verhandlungen treten, um das beste für Mitarbeiter herauszuholen.
Andrea Pärschke
21. April 2017 11:21
In einer Pressemitteilung verkündet die Homann-Leitung inzwischen, dass der Konzern die Produktionsstandorte Dissen, Bad Essen-Lintorf, Bottrop und Floh-Seligenstadt bis zum Jahr 2020 an einem neuen Standort zusammenführen wolle. Als Grund gibt das Unternehmen den scharfen Wettbewerb auf dem Feinkost-Markt an. Darüber hinaus würden bei den aktuellen Standorten Entwicklungs- und Synergie-Potenziale fehlen.
Sarah Engel
21. April 2017 11:24
Der Konzern betont jedoch, dass sich an den Produktionsstandorten in Dissen und Bad Essen-Lintorf bis in das Jahr 2020 nichts ändern wird. "Es wird weiter voll gearbeitet und uneingeschränkt produziert", schreibt Homann. Darüber hinaus soll Mitarbeitern ein Angebot zum Wechseln an den neuen Standort im sächsischen Leppersdorf gemacht werden.
 
Foto: dpa
Sarah Engel
21. April 2017 11:57
Am Standort in Bad Essen-Lintorf werden von Hohmann unter dem Label Hamker Saucen, Feinkostprodukte und Fixgerichte hergestellt. Die Firma Hamker wurde 1907 in Bad Essen gegründet.
 
2007, nach 100 Jahren, wurde Hamker als etabliertes Familienunternehmen von den geschäftsführenden Gesellschaftern Michael und Klaus Hamker an die Investment-Gesellschaft AIM des ehemaligen Großbäckers Heiner Kamps und somit an das Unternehmen Homann verkauft. Von den einst mehr als 500 Arbeitsplätzen in Lintorf blieben damals noch 250. Hier gibt es mehr zum historischen Hintergrund von Hamker.
 
 
Sarah Engel
21. April 2017 11:58
Für Betriebsrat Andreas Straede geht es nun vor allem um die Mitarbeiter. Noch nicht klar sei zum Beispiel, ob die ausgehandelten Tarifverträge weiterhin Gültigkeit haben werden.
Andrea Pärschke
21. April 2017 12:08
Das Homann-Gebäude in Bad Essen-Lintorf. Foto: Oliver Krato
Sarah Engel
21. April 2017 12:50
Foto: Jörn Martens
 
Olga Zudilin
21. April 2017 13:21
Für die Umstrukturierung investiere das Unternehmen in den kommenden Jahren bis zu 500 Millionen Euro, teilte der Nahrungsmittelkonzern Theo Müller mit. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 630 Millionen Euro. 2012 wurde Homann von der aus einem bayerischen Molkereibetrieb hervorgegangenen Unternehmensgruppe Theo Müller übernommen, die ihren Sitz in Luxemburg hat. (dpa)
Olga Zudilin
21. April 2017 13:34
Die Türen sind vor dem Werk in Bad Essen-Lintorf weiterhin verschlossen. Vor dem Hauptgebäude wartet eine Limousine mit Düsseldorfer Kennzeichen. Foto: Oliver Krato
Sarah Engel
21. April 2017 13:34
Das Werk von Homann in Bad Essen-Lintorf. Foto: Oliver Krato
Sarah Engel
21. April 2017 13:42
Die Firma Homann blickt auf eine über 140-jährige Unternehmensgeschichte in Dissen zurück. Am 8. November 1876 wurde das Unternehmen von Heinrich-Friedrich (später nur Fritz genannt) Homann in Dissen gegründet und hinter dem Krümpel-Garten erbaut. Hier lesen Sie alles zur Historie des Unternehmens. 
 
Foto: Homann
Sarah Engel
21. April 2017 13:45
Heiner Kamps ist grußlos und ohne Kommentar  in  Bad Essen-Lintorf in  die bereitstehende Limousine eines Düsseldorfer Shuttle-Unternehmens gestiegen und fortgefahren. Zurück bleibt eine ratlose Region mit der Gewissheit, dass die Homann-Werke in Dissen und Bad Essen-Lintorf geschlossen werden.
 
Mit diesen letzten Eindrücken aus Bad Essen-Lintorf verabschieden wir uns aus diesem Liveblog. Einen aktuellen Bericht zur Stimmung in Dissen nach der offiziellen Verkündung über das Aus des Werks, lesen Sie hier.
 
Weitere Artikel folgen im Laufe des Tages auf www.noz.de.
 
 
Sarah Engel
Ein Überblick:
  • Der Theo-Müller-Konzern schließt die Homann-Werke in Dissen und Bad Essen-Lintorf.
  • Über 1000 Jobs drohen in der Region wegzufallen.
  • Hintergrund ist der scharfe Wettbewerb in der Branche
  • Die Mitarbeiter sind für Freitagmorgen in eine kurzfristig von der Geschäftsführung einberufenen Belegschaftsversammlung bestellt worden. Wir sind live vor Ort und berichten aktuell in diesem Ticker.
Sarah Engel

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