Rauchzart bis rau gebürstet „New Orleans Jazz Band“ bringt Klasse nach Dissen

Von Frank Muscheid

Die New Orleans Jazz Band of Cologne holte den unverfälschten Südstaaten-Sound in den Kult-Jazz-Club. Foto: Frank MuscheidDie New Orleans Jazz Band of Cologne holte den unverfälschten Südstaaten-Sound in den Kult-Jazz-Club. Foto: Frank Muscheid

Dissen. Man bekam, was draufstand: Die „New Orleans Jazz Band of Cologne“ hat am Samstag vor rappelvollem Haus ein ums andere Mal bewiesen, dass auch nach einem Jahrhundert der schwarze Louisiana-Sound am Bahnhof Dissen quicklebendig ist.

Zu seinem „Dienstjubiläum“ nahm der Vorsitzende des Jazz Clubs Dissen-Bad Rothenfelde Hans Biewener überrascht ein edles Rotwein-Präsent von Kassierer Wolfgang Simon entgegen. Denn 25 Jahre schon steht der Chef-Organisator mit seinem Team für die absolut einzigartige Atmosphäre und die erstklassigen Musiker, die den Klang einer großen Jazz-Ära so frisch halten, als erlebe sie gerade ihre Blüte. Viele Musiker betonten, der Jazz Club brauche den internationalen Vergleich nicht zu scheuen, so Simon, der auch zur Ehrung Bieweners meinte: „Er hat es einfach verdient.“ Zum Jubiläum stehe er nicht mit leeren Händen auf der Bühne, so Hans Biewener in gewohnter Vorfreude am Mikro. Das wohl größte Geschenk für den Jazz- und Weinliebhaber neben wieder erfolgreich gewonnenen Szenegrößen – diesmal aus Köln – war der mit gut 150 Gästen ausverkaufte Club.

Brillanz alter Schule

Zugegeben, Überraschungen bot die „New Orleans Jazz Band of Cologne“ kaum, aber Brillanz alter Schule und die für den Club im ehemaligen Bahnhof schon gewohnt hohe Qualität. Für Puristen und Nostalgiker, die den gut ein Jahrhundert währenden Jazz-Sound der Anfangstage live und in Farbe genießen wollten, genau das Richtige. Der Klang war getrieben von einem aufgewühlten, federleichten Piano, vom stampfend-melodischen Banjo, einem Bass, der schnurrte wie der Motor einer Harley-Davidson, und von einem präzisen Schlagzeug, das sich aber nie in den Vordergrund drängte.

Dazu ein charismatischer Gentleman-Klarinettist, der quietschfidel die lebensfrohe Seite seines Instruments herauskitzelte. Aber immer wieder auch Tempo rausnahm und diese ganz gewisse Melancholie durchblitzen ließ, die aus verrauchten, sommerschwülen Jazz-Bars der Louisiana-Metropole am Ufer des Mississippi strömt. Dazu kamen reibende, knarzende Trompeten- und Posaunenstimmen, mal samtigweich, mal bluesgetränkt. Nur das nasskühle Dissener Wetter durchbrach die perfekte Illusion, die die im Rheinland geformte Truppe zauberte.

Spaziergang am Mississippi

Für an moderne Jazz-Experimente gewöhnte Ohren kann der stampfende Mississippi-Dampfer-Sound gleichförmig werden, zieht heutzutage doch schon mal der Bassist geradezu schillernde Leads durch und ein Schlagzeuger gegen den Strich gebürstete, erzählerische Soli. Aber die Jazz-Veteranen wussten mit vielen Details dem Klassiker-Set Frische abzugewinnen und dem Abend ihren Stil aufzudrücken: Einzelkönner, die perfekt miteinander harmonierten.

Bassist Markus „Benny“ Daniels ließ es mehrfach wuchtig schnarren, Hans-Martin „Büli“ Schöning in „Just Once for all Time“ am Banjo melodiös krachen, Pianist Georg „Schroeder“ Derks wirbelte zum „Panama Raq“ solistisch über die Tasten. Reinhard Küpper sorgte für prickelnde Schlagzeug-Banden. Und das hochkarätige Bläsertrio war auch stimmlich bestens aufgelegt: Klarinettist John Defferary in „Ballin‘ the Jack“, der belgische Trompetist Bruno van Acoleyen etwa im „St. Louis Blues“. Und mit dem zeitlosen „I’m Walking“ katapultierte sich der niederländische Posaunist Bart Brouwer sofort in die Herzen des Publikums. Keine Designer-Cocktails also, der Abend rief nach Bourbon.


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