Renate Zimmer in Dissen Osnabrücker Wissenschaftlerin fordert mehr Bewegung für Kinder


Dissen. Macht Toben Kinder schlau? Ja, meinte die Erziehungswissenschaftlerin Renate Zimmer. In der Dissener Grundschule machte sie bei einem Vortrag klar, dass eine „bewegte“ Kindheit der Motor von Entwicklung und Bildung ist.

Wer sich bewegt, mit dem kann man auch rechnen – unter dieses Motto stellte Zimmer ihren 90-minütigen Vortrag. „Kinder wollen sich bewegen, weil sie daran Freude haben und sie so die Welt entdecken“, lautete eine von Zimmers Thesen.

Die Aneignung der Welt über Bewegung beginnt nach Ansicht der Osnabrücker Wissenschaftlerin schon früh. Anhand einer kurzen Videoeinspielung demonstrierte sie, dass bereits sieben Wochen alte Babys mit dem Erkunden und Ausprobieren ihrer Umwelt beginnen. Während man vormals gemeint hat, die ersten drei Lebensmonate nach der Geburt seien ein „dummes Vierteljahr“, wisse man heute, dass dies völlig anders ist.

Welche Fähigkeiten sind wichtig?

Gefragt werde müsse, welches Verständnis von Bildung wir haben, sagte Zimmer den rund 90 anwesenden Erzieherinnen und Eltern. „Bildung darf nicht nur kognitiv bewertet werden. Wichtig sind auch körperliche, handwerkliche, sprachliche und soziale Fähigkeiten des Kindes.“

Durch Bewegung besser lernen – das sei mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen, zeigte die Erziehungswissenschaftlerin an einem Schaubild. Drei Klassen habe man untersucht und die Schüler ohne, mit wenig und mit viel Bewegungseinheiten im Unterricht getestet. Das Ergebnis: Je mehr das Lernen mit körperlicher Aktivität verknüpft wurde, desto konstanter war das Konzentrationsvermögen, sagte Renate Zimmer.

Warum aber ist Bewegung schon im frühkindlichen Alter elementar? Weil über Bewegung Erfahrungen möglich werden können, die im Gehirn zur Verbindung von Nervenzellen führen. Diese Netzwerkbildung ist entscheidend für das Lernen aus Erfahrung, so Zimmer sinngemäß.

30 Minuten Medienkonsum am Tag reichen

Ihr Tipp an die Erwachsenen: Beim Beobachten der Kinder Gelassenheit üben. Lassen Sie die Kinder Dinge ausprobieren, denn nur so gelangen sie zu Wirksamkeitserfahrungen, riet Zimmer.

Wie animiert man Kinder, die schon sehr medienaffin sind?, lautete eine Frage aus dem Publikum. Hierbei müsse zuerst Eltern-Aufklärung erfolgen, antwortete die Wissenschaftlerin. Bis zu einem Alter von drei Jahren reiche ein Medienkonsum von zehn Minuten, bei etwas älteren Kindern dann 30 Minuten täglich. „Kinder sitzen vor Medien, weil sonst wenig los ist“, meinte Zimmer. Eingeladen worden war die Erziehungsexpertin und Direktorin des Niedersächsischen Institutes für frühkindliche Bildung vom Verbund der vier Dissener Kitas und der Grundschule.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN