„Müller weltweit gefragt“ Azubi lernt bei Fuchs in Dissen Handwerk

Von Horst Troiza

Gewürze sind ihre Herzensangelegenheit: Tim Papenhoff (rechts) wird beim Unternehmen Fuchs zum Müller ausgebildet. Neben ihm die Müllermeister Thorsten Röttger und Raphael Flanz sowie Ausbildungsbetreuerin Angelique Schlüter. Foto: Horst TroizaGewürze sind ihre Herzensangelegenheit: Tim Papenhoff (rechts) wird beim Unternehmen Fuchs zum Müller ausgebildet. Neben ihm die Müllermeister Thorsten Röttger und Raphael Flanz sowie Ausbildungsbetreuerin Angelique Schlüter. Foto: Horst Troiza

Dissen. Dem Duft der großen, weiten Welt ist Tim Papenhoff gefolgt und in Dissen gelandet. Der aus Ostwestfalen stammende 19-Jährige hat im August seine Ausbildung beim Gewürzhersteller Fuchs angetreten und erlernt dort das Handwerk des Müllers. Das Mahlgut reicht von Anis bis Zimt und kommt aus aller Welt.

Beim Interview trägt Papenhoff einen weißen Kittel. „Ich schaue mich jetzt einige Tage in der Abteilung Qualitätsprüfung um, danach geht es ins Labor“, erklärt er den Kittel, denn eigentlich ist Rot die Farbe der Kleidung der Müller bei Fuchs. Die hat er auch schon getragen. „In den ersten beiden Monaten war ich in der Mühle Nord, wo hauptsächlich Pfeffer gemahlen wird“. Der dortige Schichtführer machte ihn mit den Grundlagen vertraut, unterwies ihn in der Einrichtung der Maschinen, dem Wechseln der Siebe für die unterschiedlichen Produkte und anderen anfallenden Aufgaben. Mehr aus Dissen im Netz

Anspruchsvoll

Hinter der etwas sperrigen Berufsbezeichnung Auszubildender zum Müller, Verfahrenstechnologe in Mühlen- und Futtermittelwirtschaft, verbirgt sich ein anspruchsvolles Berufsbild, das handwerkliches Geschick, naturwissenschaftliche Kenntnisse und technische Fähigkeiten vereint. Die Arbeitsabläufe in Mühlen sind heute weitgehend technisiert, weshalb in der Ausbildung Fähigkeiten des Schlossers und des Elektrikers vermittelt werden. Beim Unternehmen Fuchs besteht die Kernaufgabe eines Müllers in der Herstellung von Gewürzpulvern und gerebelten Produkten aus Gewürzsaaten und Kräutern, dem Reinigen und Schroten.

Ursprünglich hatte sich der 19-Jährige aus Vlotho hier als Maschinen- und Anlagenführer beworben. „Ich bekam eine positive Reaktion darauf, aber wurde gefragt, ob ich nicht Müller werden wollte. Dann habe ich einige Tage zur Probe gearbeitet und mich entschieden“, sagt er.

Mangelberuf

Eine weitreichende und richtige Entscheidung, wie Raphael Flanz und Thorsten Röttger, seine Ausbilder finden. Der Beruf des Müllers ist heute ein Mangelberuf, in dem händeringend kompetenter Nachwuchs gesucht wird. Etwa 100 Auszubildende gibt es gegenwärtig in der Bundesrepublik. Sie lernen hauptsächlich in Betrieben, die Futttermittel herstellen, aber auch in Getreide-, Öl-, Schäl- und wie beim Dissener Unternehmen in Gewürzmühlen.

Flanz und Röttger sind beide Müllermeister. „Wer die Ausbildung besteht, hat gute Karten. Etwa 80 Prozent der Gesellen werden vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Der Rest geht in die Weiterbildung“, weiß Röttger. Sein Kollege fügt an, nicht selten gebe es weltweit Angebote. „Es werden überall Müller gesucht, besonders wegen des qualitätsvollen deutschen Ausbildungssystems“, so Flanz. Er berichtet von Jobangeboten aus Malaysia und den USA.

Keine Männerdomäne

Zurzeit gibt es unter den insgesamt 40 Auszubildenden bei Fuchs zwei für den Beruf des Müllers. „Wir bilden natürlich für unser Unternehmen aus. Und der Beruf ist keine Männerdomäne, bei uns sind zwei Müllerinnen tätig. Auch für das kommende Ausbildungsjahr wünschen wir uns Interessenten“, erklärt Natalie Gödeker von der Personalbetreuung des Unternehmens.

Tim Papenhoff gefällt die Ausbildung gut. Im Dezember wird er für einige Wochen nach Wittingen im Landkreis Gifhorn wechseln müssen, wo der Blockunterricht stattfindet. Ansonsten hat er seine Wohnung in Bad Rothenfelde. In seiner Freizeit hört er gern Musik und hält Kontakt zu den Freunden in Vlotho. Dort war er auch bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig, was er gern in Rothenfelde fortsetzen würde.