Hilteraner kämpft um seine Tochter Fall Czichowski: Streit um Umgangsrecht eskaliert

Von Hendrik Steinkuhl

Um das Sorgerecht für seine Tochter streitet der ehemalige Hilteraner André Czichowski vor Gericht. Symbolfoto: Gert WestdörpUm das Sorgerecht für seine Tochter streitet der ehemalige Hilteraner André Czichowski vor Gericht. Symbolfoto: Gert Westdörp

Osnabrück/Dissen. Der gebürtige Hilteraner André Czichowski kämpft seit Jahren um das Sorgerecht für seine Tochter. Czichowskis in Dissen lebende Mutter Ellen Kuhröber versucht gleichzeitig, das Umgangsrecht für ihre Enkelin zu erstreiten. Nun hat Kuhröbers Anwalt einen Befangenheitsantrag gegen den zuständigen Richter am Amtsgericht Bersenbrück gestellt.

Zum Hintergrund des Falles: André Czichowski, der aus Hilter stammt und heute in Herne lebt, hat aus einer Affäre mit einer Bramscherin eine mittlerweile fünfjährige Tochter. Weil die Mutter das Kind zur Adoption freigab und es Monate dauerte, bis Czichowski als Vater des Kindes anerkannt wurde, lebt die Tochter des 34-Jährigen seit ihrer Geburt in einer Pflegefamilie. Czichowski und sein Anwalt Thomas Saschenbrecker kämpfen nach Niederlagen in allen Instanzen mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dafür, dass der gebürtige Hilteraner seine Tochter wenigstens in kurzen Abständen alleine, also ohne Pflegeeltern und Sozialpädagogen, sehen darf.

Großmutter kämpft um Enkelin

Rechtsanwalt Saschenbrecker vertritt mittlerweile auch Czichowskis Mutter Ellen Kuhröber. Die Dissenerin kämpft leidenschaftlich und mit allen legalen Mitteln für das Recht ihres Sohnes – und ihr eigenes. Noch nie hat Ellen Kuhröber ihre Enkelin sehen dürfen, obwohl sie das leibliche Kind ihres Sohnes ist. Die Großmutter hat dagegen geklagt, doch zunächst lehnte das Amtsgericht Bersenbrück ihr Anliegen ohne nähere Prüfung ab. „Es war eine Anhörung angesetzt, aber de facto hat es nie eine gegeben“, sagt Thomas Saschenbrecker. Das Oberlandesgericht in Oldenburg sah das genauso und kassierte die Entscheidung.

Befangenheitsantrag gegen Richter

Nun hätte die so lange erwartete Anhörung eigentlich nach mehreren Verschiebungen im Oktober stattfinden sollen – doch daraus wurde nichts. Denn Thomas Saschenbrecker hat einen Befangenheitsantrag gegen den zuständigen Richter gestellt. Grund: Der Richter hat einen Bevollmächtigten, den Sozialpädagogen Klaus-Uwe Kirchhoff, von dem sich Ellen Kuhröber in die Anhörung begleiten lassen wollte, abgelehnt. Grundsätzlich wird am Familiengericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Einen Bevollmächtigten an Stelle oder zusätzlich zu einem Rechtsanwalt zu ernennen ist trotzdem erlaubt, allerdings unter gewissen Voraussetzungen.

Gesetzliche Voraussetzungen nicht erfüllt

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, erklärt der zuständige Richter, dass der Bevollmächtigte von Ellen Kuhröber die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt. „Er ist weder Beschäftigter der Antragsstellerin, noch Angehöriger, Beteiligter oder Notar.“ Das Gericht könne, so heißt es weiter, auch andere Personen zulassen, „wenn dies sachdienlich ist und hierfür nach den Umständen des Einzelfalls ein Bedürfnis vorliegt.“ Das allerdings sieht das Gericht als nicht gegeben an. Interessant ist schließlich ein weiterer Ablehnungsgrund: „Die Antragsstellerin will Herrn Kirchhoff ausdrücklich als Vertreter des Vereins Väteraufbruch in das Verfahren hineinbringen. Bei dem Verein handelt es sich gerichtsbekannt um eine Lobbygruppe, die schwerpunktmäßig die Rechte der Väter vertritt.“

Kein Mitglied in Verein

Dieses Argument stößt Thomas Saschenbrecker übel auf: „So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt!“ Denn die Behauptung sei falsch, der Bevollmächtigte Klaus-Uwe Kirchhof würde dem Verein Väteraufbruch angehören. Der Verein bestätigt diese Aussage. Unserer Redaktion liegt ein Schreiben des Bundesgeschäftsführers vor, wonach Kirchhoff nie Mitglied von Väteraufbruch war und es auch keinerlei Zusammenarbeit gab oder gibt. Tatsächlich ist Klaus-Uwe Kirchhoff ein Sozialpädagoge, der wie Rechtsanwalt Thomas Saschenbrecker Eltern und Großeltern in ganz Deutschland beim Kampf um das Sorge- oder Umgangsrecht für ihre Kinder und Enkelkinder unterstützt.

Tatsache ist auch, dass Ellen Kuhröber in engem Kontakt zum Verein Väteraufbruch steht. „Aber in diesem gesamten Verfahren wird es so dargestellt, als ob Frau Kuhröber in die Fänge einer dubiosen Organisation geraten und als deren Marionette agieren würde“, sagt Thomas Saschenbrecker. „Und das ist einfach Blödsinn.“ Nach der Anhörung und der Ablehnung des Bevollmächtigten haben Ellen Kuhröber und Thomas Saschenbrecker jetzt genug. Sie hoffen, mit ihrem Befangenheitsantrag den mit dem Fall befassten Richter loszuwerden und von einem anderen Richter ihrer Meinung nach unvoreingenommen behandelt zu werden.