Täter und Opfer wieder ein Paar Ex-Freundin vergewaltigt: Drei Jahre Haft für Dissener

Der Schlüssel dreht sich in der Zellentür.  Foto: colourbox.comDer Schlüssel dreht sich in der Zellentür. Foto: colourbox.com

Dissen/Hilter. Weil er seine damalige Ex-Freundin zweifach vergewaltigte, verurteilte das Amtsgericht Bad Iburg einen Dissener zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Täter und Opfer sind inzwischen wieder ein Paar.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück warf dem Angeklagten vor, am Neujahrsmorgen die Wohnung des Opfers in Hilter betreten zu haben. Dazu habe er einen Schlüssel benutzt, den er ohne das Wissen der 29-Jährigen anfertigen ließ. Er soll vor das Bett der Frau getreten sein, sie geweckt, ihr die Bettdecke weggerissen und den Slip ausgezogen haben. Anschließend habe er sie zweimal unmittelbar nacheinander vergewaltigt. Der Frau sei es erst danach gelungen, ins Treppenhaus zu fliehen und nach Hilfe zu rufen, bevor der 39-Jährige sie gepackt und zurück in Schlafzimmer gezogen habe. Dort habe er sich auf sie gesetzt und masturbiert. Im Anschluss habe er sie gewürgt, bis ihr schwindelig geworden sei, bevor er ihr schließlich erlaubte, die Wohnung zu verlassen. Der Angeklagte versuchte kurz darauf, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Die Schnittverletzungen waren allerdings nur oberflächlich.

Trennung nicht akzeptiert

Die Geschädigte erklärte, sich Mitte Dezember 2015 von dem Angeklagten getrennt zu haben: „Das konnte er nur schwer akzeptieren.“ Er habe ihr täglich Nachrichten geschrieben oder sie angerufen. Silvester 2015 verbrachte sie zunächst gemeinsam mit einer Freundin, bevor die beiden sich auf den Weg zu einer Party in Sentrup machten. Dort habe der Dissener sie angerufen, weil er gehört habe, dass sie mit anderen Männern unterwegs sei. Schließlich sei er selbst auf der Party aufgetaucht. Er habe sie geküsst und sei stets in ihrer Nähe gewesen: „Ich habe mich bedrängt gefühlt.“ Sie habe eine Freundin kontaktiert, die den Angeklagten bat, sie von einer anderen Feier abzuholen. Nachdem dieser das getan hatte, sei er erneut in Sentrup aufgetaucht, bis die Begleiterin der 29-Jährigen sowie eine weitere Freundin ihn aufforderten, zu gehen.

Todesangst

Das Kerngeschehen beschrieb die Geschädigte wie in der Anklageschrift festgehalten, sie war sich nur nicht mehr sicher, ob sie vor oder nach der Masturbation des Beschuldigten ins Treppenhaus floh. Sie habe versucht, sich gegen die Vergewaltigung zu wehren und ihn gebeten, sie in Ruhe zu lassen. Die 29-Jährige erklärte, Todesangst gehabt und dem Dissener gesagt zu haben, dass sie ihre beiden Kinder wiedersehen wolle. Ihre Bitte, die Wohnung verlassen zu dürfen, habe er jedoch zunächst abgelehnt: „Er hat gesagt: Du gehst zur Polizei, du zeigst mich an.“ Sie habe ihm versichert, dies nicht zu tun. Nach rund einer Stunde habe sie schließlich gehen dürfen, woraufhin sie zu einer Freundin nach Bad Laer fuhr. Freunde verständigten die Polizei.

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Keine Erinnerung

Der Angeklagte erklärte zunächst, sich an nichts mehr erinnern zu können. Er habe zwei Freunde von einer Party abgeholt und sei dann in seine damalige Wohnung nach Bad Laer gefahren, wo er einen Sekt getrunken und 10 bis 15 Beruhigungstabletten genommen habe, die er sich illegal beschafft hatte. Erst nach der Aussage der Geschädigten gab er an, dass Bilder in seinen Kopf zurückkehren würden. Sein Verteidiger erklärte, dass es seinem Mandanten nicht möglich sei, dass Tatgeschehen selbst wiederzugeben, er würde die Vorwürfe jedoch einräumen. Am Tattag selbst hatte er einem Polizisten erzählt, dass es zwischen ihm und der 29-Jährigen zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Weder die Geschädigte noch der Beamte stellten Ausfallerscheinungen bei dem Dissener fest.

Gemeinsame Wohnung

Mittlerweile sind der Beschuldigte und die Geschädigte wieder ein Paar und bewohnen mit ihren jeweiligen Kindern eine gemeinsame Wohnung in Dissen. „Sie hat mir verziehen“, erklärte der Angeklagte. Die 29-Jährige sagte aus, dass sie mit ihrem Partner über die Vorfälle nie konkret gesprochen habe. Sie wisse allerdings, dass Tabletten im Spiel gewesen seien sollen. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob der 39-Jährige bestraft werden solle, erklärte sie, dass die zwei Monate Untersuchungshaft genug Strafe gewesen seien.

Voll schuldfähig

Der Psychiater, der den Angeklagten begutachtete, hielt es für ausgeschlossen, dass dieser so viele Beruhigungstabletten genommen habe, wie er behauptete. Bei der angegebenen Dosis wäre der Dissener nach 30 Minuten „massiv komatös“ gewesen und hätte nicht mehr nach Hilter fahren und in die Wohnung seiner Freundin eindringen können. Der Angeklagte sei aktiv vorgegangen, habe sich unterhalten und auf das Verhalten der 29-Jährigen reagieren können. Er habe auch keine Schwierigkeiten gehabt, ihr hinterherzulaufen und sie aus dem Treppenhaus in die Wohnung zu ziehen. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass der Dissener an einer organischen Amnesie leide. Dass er sich angeblich nicht erinnern könne, habe ohnehin keinen Einfluss auf das eigentliche Tatgeschehen. Der 39-Jährige sei voll schuldfähig gewesen, so der Psychiater.

Staatsanwalt und Nebenklage fordern Haft

Der Staatsanwalt hielt dem Dissener zugute, dass dieser nicht vorbestraft ist, die Tat bereue und gestanden habe – wenn auch nur oberflächlich und erst, nachdem das Opfer ausgesagt hatte. Gegen ihn spreche unter anderem der lange Tatzeitraum und die besondere Erniedrigung des Opfers. Auch habe er ihr Vertrauen missbraucht und heimlich einen Nachschlüssel anfertigen lassen. Dass der Angeklagte mit der Geschädigten wieder eine Beziehung führt „hat mich überrascht“, so der Staatsanwalt. Dies bedeute jedoch nicht, dass es sich um einen minderschweren Fall handele. Er forderte eine Haftstrafe von drei Jahren. Die Vertreterin der 29-Jährigen schloss sich der Forderung an. Der Dissener habe ihre Mandantin bestrafen wollen, weil sie sich von ihm getrennt hatte.

Verteidiger will Bewährungsstrafe

Der Verteidiger war der Ansicht, dass es sich um einen minderschweren Fall handele. Fast unmittelbar nach der Untersuchungshaft hätten sein Mandant und die Geschädigte ihre Beziehung wieder aufgenommen. Würgen und Oralsex seien zudem übliche sexuelle Praktiken zwischen den beiden. „Man muss berücksichtigen, dass das Opfer gesagt hat, dass er schon genug bestraft ist“, so der Anwalt. Die Untersuchungshaft und die Gerichtsverhandlung hätten den 39-Jährigen nachhaltig beeindruckt. Ihn ins Gefängnis zu schicken sei falsch, auch da er alleinerziehender Vater einer Tochter sei. Der Verteidiger plädierte daher für eine Bewährungsstrafe.

Kein minderschwerer Fall

Das Schöffengericht schloss sich den Anträgen von Staatsanwalt und Nebenklage an und verurteilte den Dissener zu drei Jahren Gefängnis. „Das war eine Vergewaltigung unter recht widerlichen Umständen“, so der Vorsitzende Richter. Es handele sich unzweifelhaft nicht um einen minderschweren Fall, sondern um eine schwere Vergewaltigung. Der Richter: „Dass wir unter einer Haftstrafe von vier Jahren geblieben sind, liegt nur daran, dass man Ihnen verziehen hat und Sie gestanden haben.“


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