Bewegung Schlüssel zur Bildung Renate Zimmer holte Publikum in Dissen aus den Stühlen

Von Petra Ropers

Für einen lebendigen und praxisnahen Vortrag dankte Kleeblatt-Leiterin Dina Stoppe der Erziehungs- und Sportwissenschaftlerin Prof. Renate Zimmer (von links). Foto: Petra RopersFür einen lebendigen und praxisnahen Vortrag dankte Kleeblatt-Leiterin Dina Stoppe der Erziehungs- und Sportwissenschaftlerin Prof. Renate Zimmer (von links). Foto: Petra Ropers

Dissen. Von Anfang an sollen sie mit einem positiven Blick ins Leben gehen: Dieser Wunsch für die Kinder bewegt nicht nur ihre Eltern. Doch was können Erwachsene tun, damit Kinder fröhlich, selbstbewusst und stark durchs Leben gehen? Antworten gab jetzt Renate Zimmer, Erziehungswissenschaftlerin und Professorin für Sportwissenschaft, in Dissen.

Rund 160 Erzieher, Lehrer und andere Fachkräfte aus dem ganzen Landkreis Osnabrück und dem angrenzenden Westfalen folgten der Einladung der Heilpädagogischen Frühförderung Kleeblatt zum Vortragsabend in der Grundschule. „Informationen, die so wichtig und so praktisch sind, sollten einem breiten Publikum bekannt gemacht werden“, begründete Dina Stoppe, Leiterin des Kleeblattes in Dissen, ihre Anfrage an die Referentin.

Bildung kein 100-Meter-Sprint

Gewohnt lebhaft, mit viel Humor und noch mehr Praxisbeispielen vermittelte Renate Zimmer, was längst nicht so selbstverständlich ist, wie es scheint: „Wer sich bewegt, kommt voran!“ Diese naheliegende Erkenntnis trifft nicht nur auf die physische Fortbewegung zu. Bewegung ist demnach auch der Schlüssel der frühkindlichen Bildung. „Der Begriff der Bildung wird heute oft sehr kopflastig verstanden“, kritisierte die Referentin. Doch Bildung sei kein 100-Meter-Sprint, bei dem derjenige gewinne, der am schnellsten die Strecke durch Kindergarten und Schule meistere.

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Für Renate Zimmer ist Bildung stattdessen ein aktiver Prozess, der alle – nicht nur die kognitiven – Kräfte des Kindes anregt. Mit gutem Grund be-greifen und er-fassen die Kinder ihre Welt. Eine Welt, in der die Rassel auf den Boden fällt, und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Auch der Pfirsich steigt nicht auf in die Luft, sondern landet auf dem Fußboden. Allerdings übersteht er den Ausflug weniger gut als zuvor die Rassel: Was Erwachsene milde in den Wahnsinn treibt, ist für die Kleinen eine aufregende Entdeckungsreise. Mehr aus Dissen im Netz

Aktiv für ein positives Selbstkonzept

In der Bewegung, im aktiven Tun sammeln sie Erfahrungen über ihre Umwelt, über sich selbst und über andere. Und jeder Schritt in dieser Welt, jede Bewegung und Erfahrung lässt die Produktion der Synapsen im Gehirn sprunghaft ansteigen. Eltern und Erzieher stellt diese Tatsache durchaus vor Herausforderungen. Denn das Abenteuer Bewegung ist nicht immer frei von Risiken. Doch wer seine Kinder ständig in Watte packt, nimmt ihnen die Chance ihre eigenen Stärken zu entdecken und ein positives Selbstkonzept zu entwickeln.

Trotzdem ist spätestens in der Schule dann Schluss mit Bewegung. Stillsitzen ist angesagt, denn Bewegung und Konzentration vertragen sich nicht. Der noch immer verbreiteten Meinung trat Renate Zimmer mit eindeutigen Forschungsergebnissen entgegen. Danach fördert ein bewegter Unterricht deutlich die Konzentration der Schüler. Und Renate Zimmer wäre nicht mit Leib und Seele Erziehungswissenschaftlerin, wenn sie mit ihrem Auditorium nicht gleich die Probe aufs Exempel machen würde: Ihre bewegte Vortragspause sorgte nicht nur für viele Lacher im Publikum, sondern auch für die nötige Konzentration für den zweiten Teil des Abends.

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